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Wirtschaft
Klappern gehört zum Handwerk

 Auch im Schreinerhandwerk gibt es Nachwuchsprobleme.
Auch im Schreinerhandwerk gibt es Nachwuchsprobleme. FOTO: TV / Angelika Koch
BITBURG/PRÜM . Ohne Handwerk läuft im Alltag nichts, doch viele der verschiedenen Branchen klagen unter dem zunehmendem Fachkräftemangel. Schulabsolventen für die Chancen zu sensibilisieren ist zu einer Kernaufgabe geworden.

(ako) Es sind die normalen Dinge des Lebens wie Wohnen oder Essen, die ohne Handwerk nicht funktionieren. Vom Bäcker bis zum Heizungsinstallateur, vom Schreiner bis zum Frisör sind Handwerker zuständig für einen reibungslosen Ablauf des Alltags.

Die  Leistungen des Handwerks scheinen vielleicht zu selbstverständlich. Denn: „Das Handwerk hat im Vergleich mit anderen Branchen Imageprobleme“, bestätigt Dirk Kleis, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR (Mosel-Eifel-Hunsrück-Region für den Eifelkreis, Vulkaneifelkreis und Landkreis Bernkastel-Wittlich). „Das liegt an der wachsenden Akademisierung der Ausbildung und ständig neuen schulischen Angeboten, aber auch am Handwerk selbst.“

Es sei in den vergangenen Jahren zu wenig gelungen, die Vorteile einer dualen Ausbildung im Handwerk darzustellen. Zum Beispiel die Flexibilität der Lebensläufe: „Auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung bleiben einem alle Wege offen. Ich kann ein guter Facharbeiter sein, mich als Techniker oder in kaufmännischen Bereichen weiterentwickeln, den Meister machen und auch noch studieren.“

Kleis ist überzeugt: „Für viele Jugendliche wäre der Weg über eine Ausbildung und dann zu weiterführenden Abschlüssen viel sinnvoller, als mit Gewalt durch das Abitur geführt zu werden und dann spätestens im Studium zu scheitern.“ Er verweist auf Abbrecherquoten in den naturwissenschaftlichen Fächern von rund 40 Prozent.

Daher versuchen die Handwerksorganisationen wie die MEHR, in Schulen und auf Info-Veranstaltungen gegenzusteuern. „Die Karrierechancen und auch die Lohnentwicklungen im Handwerk waren in den letzten Jahren deutlich besser als etwa im öffentlichen Dienst“, so Kleis.

Das hohe Lohnniveau im Nachbarland hat seinen Schrecken für deutsche Handwerker etwas eingebüßt: „Selbstverständlich ist Luxemburg ein Wettbewerbsfaktor. Allerdings wirkt sich das nur in Grenznähe aus.“ Je weiter man Richtung Vulkaneifel oder Wittlich komme, desto weniger präsent sei die Konkurrenz. Und: „Wir stellen zunehmend fest, dass mittlerweile viele Fachkräfte den Weg zurück nach Deutschland finden.“

Kleis führt dies auf veränderte Ansprüche in unterschiedlichen Lebensphasen zurück. So seien mit zunehmendem Alter geregelte Tage und kurze Anfahrtswege wichtiger. Aber auch das Geld, wie „erhebliche Lohnsteigerungen im Handwerk auf deutscher Seite“ zeigten. Daher scheint die Talsohle durchschritten. Die Ausbildungszahlen im Handwerk sind zwei Jahre  sogar  leicht  gestiegen.

„Es gelingt uns aber leider immer noch nicht, ausreichend qualifizierte Jugendliche zu gewinnen“, sagt Kleis. Verschärft werde die Situation durch eine immer spätere Berufswahl der Jugendlichen. „Es muss uns gelingen, durch bessere und frühzeitigere Betreuung die Abbrecherquoten zu reduzieren. Hierzu stehen wir als Innungen gemeinsam mit den berufsbildenden Schulen und den Ausbildungsberatern bereit.“

Dass gute Betreuung wirkt, zeigt die Metzgerei von Dieter Schares aus Baustert, der dort sowie in Filialen in Trier und Bitburg Azubis ausbildet. Rund ein halbes Dutzend ist derzeit bei ihm in der Lehre. „Wir geben ihnen mit unserem familiären Betriebsklima auch Halt, wenn es um persönliche Dinge geht“, erzählt er, „das Kümmern geht über die Unterstützung in beruflichen oder schulischen Belangen hinaus, wenn die Jugendlichen das möchten.“

 Das Metzgerhandwerk und auch der Fleischereifachverkauf brauchen, so Schares, keine festgelegten Geschlechterrollen: In beiden Bereichen können Frauen und Männer ausgebildet werden, für körperlich schwerere Tätigkeiten gibt es moderne technische Assistenten. „Mit vielen eigenen Rezepten, mit Bioprodukten oder mit einer Ausrichtung auf Fertiggerichte hat sich unser Beruf modernisiert und liegt im Trend.“ Denn mittlerweile steige die Nachfrage der Verbraucher wieder nach Fleisch und Wurst vom Metzger. „Darum hat der Beruf gute Perspektiven.“