| 21:48 Uhr

Heiß diskutiertes Thema: Private Baugebiete

Planen, planen, Häusle bauen: Bitburg hat in den vergangenen Jahren einen Bauboom erlebt – eine Entwicklung, die auch kritisch gesehen wird. Foto: I-Stock
Planen, planen, Häusle bauen: Bitburg hat in den vergangenen Jahren einen Bauboom erlebt – eine Entwicklung, die auch kritisch gesehen wird. Foto: I-Stock
Fast 500 neue Baugrundstücke sind seit 2001 in Bitburg entstanden - und den größten Teil davon haben Privatunternehmen erschlossen. Nun naht das Ende des Baubooms. Die Bilanz fällt gemischt aus: Die einen sehen Wachstumschancen, andere kritisieren zu hohe Preise. Von unserer Redakteurin Katharina Hammermann

Bitburg. Neue Straßen, neue Häuser, neue Viertel: Bitburg hat in den vergangenen Jahren einen wahren Bauboom erlebt. Rund 450 neue Baugrundstücke sind ausgewiesen worden - drei Viertel davon hat nicht die Stadt erschlossen. Diese Aufgabe hat sie seit 2001 so weit wie möglich privaten Investoren überlassen. Ein Thema, das für Diskussionen gesorgt hat: Während die einen sich freuen, dass so schnell und unkompliziert neues Bauland entsteht, beklagen die anderen zu hohe Preise und die daraus resultierende soziale Ungerechtigkeit.

In der Tat liegen die Preise der privaten Anbieter über denen, die die Stadt zuletzt genommen hat: So zahlt man für ein Grundstück in der Hammerwies II (Schuh GbR) zwischen 110 und 120 Euro je Quadratmeter und im Baugebiet Auf dem Monental (ehemals Schleifmühle II, VB Immo) zwischen 99 und 119 Euro. Der Vergleich: Im 2005 von der Stadt angelegten Baugebiet Schleifmühle I musste man nur 80 Euro pro Quadratmeter hinlegen.

Doch egal, ob nun die Stadt oder Private die Aufgabe übernehmen - bald ist erstmal Schluss mit dem Boom. Vier Baugebiete (siehe Extra) sind noch in Arbeit und weitere derzeit nicht geplant. Zumal ja in wenigen Jahren die Housing frei wird. Eine gute Zeit, Bilanz zu ziehen. Die Fraktionen des Stadtrats sagen Folgendes:

CDU, Peter Wagner: Die Stadt arbeitet bei der Erschließung von Bauland defizitär. Das können wir uns einfach nicht leisten. Zudem geht es in privater Hand deutlich schneller, effizienter und die Preise sind vergleichbar. Das, was in den letzten Jahren passiert ist, hätte die Stadt alleine niemals leisten können. Ich bin froh, dass Bitburg so attraktiv ist.

Liste Streit, Willi Notte: Ich habe schon immer kritisiert, dass es keine Kriterien für die Auswahl privater Erschließungsträger gibt und kein geregeltes Verfahren. Mir wäre es lieber, die Baulanderschließung würde eine kommunale Aufgabe bleiben. Weil aber die Kassen knapp sind, sind wir gezwungen, das auf Private zu übertragen.

FBL, Agnes Hackenberger: Wir waren immer für eine private Erschließung, da der Einfluss der Stadt auf alle planerischen Vorgaben gewahrt blieb, sie jedoch keine Vorfinanzierung zu leisten hatte und der Verwaltungsaufwand recht gering war und ist. Die Erschließung durch die Kommune hätte ähnliche Preise zur Folge gehabt.

Grüne, Johannes Roß-Klein: Wir sind ganz klar gegen die private Baulanderschließung, auch wenn sie bequem ist. Es ist notwendig, dass wir als Stadt Grundstücke für junge Familien bereitstellen - und die sind oft nicht in der Lage zwischen 99 und 120 Euro zu bezahlen. Wenn die Stadt erschließt, könnten wir auf 70 bis 75 Euro kommen.

FDP, Marie Luise Niewodniczanska: Es ist nicht zeitgemäß, in den Stadtteilen so viele Baugebiete auszuweisen. Man sollte lieber die Innenstadt verdichten. Ich sorge mich auch, dass die umliegenden Dörfer so immer leerer werden. Zwiespältig ist, dass die besten Gebiete privat erschlossen werden und die Stadt auf den schwierigen und teuren sitzenbleibt.

SPD, Stephan Garçon: Wir würden es lieber sehen, dass die Stadt selbst erschließt und so einen kleinen Gewinn macht. Das hat auch einen sozialen Aspekt, weil wir dann kinderreiche Familien bevorzugen könnten. Jetzt regelt das der Markt. Ein Problem ist, dass die Privaten sich die Rosinen rauspicken und die Stadt, wie in Erdorf, die schwierigen Gebiete erschließt. Extra Neubaugebiete: Derzeit werden noch vier Bitburger Baugebiete erschlossen und vermarktet: Auf der Acht in Erdorf (32 Grundstücke, Bauträger: Stadt Bitburg), In der Persch in Masholder (54 Grundstücke, Schuh GbR), Unterm Stahler Kopf II (34 Grundstücke, VB Immo) und Schleifmühle II (120 Grundstücke, VB Immo). (kah)