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Herausgerufen - Wagnis Hauskirche

FOTO: Brigitte Bettscheider (bb) ("TV-Upload Bettscheider"
John und Ann Betar aus dem US-Bundesstaat Connecticut sind seit 84 Jahren verheiratet - Amerikas längstverheiratetes Ehepaar. Ein Grund für die lange Liebe: dass sie auf Freundschaft baut.

"Man muss einen Menschen mögen, bevor man ihn liebt. Wir waren gute Freunde", sagt Ann. Das Beste an ihrem Leben findet John, "zusammen zu sein". Nicht zu unterschätzen sei Körperkontakt: "Ein paar Umarmungen und es geht uns wieder gut." Auch Händchenhalten ist bei den Betars noch immer aktuell. Patentrezepte haben sie nicht.
Selbst Ehemann und Familienvater, bin ich jedes Mal beeindruckt, wenn ich ältere Paare in ihrem ungebrochenen Optimismus und ihrer Bescheidenheit sehe. In einer Zeit, wo Probleme von innen und außen Ehe und Familie angreifen und oft genug auch zerstören. Leider ist das so. Denn im Grunde sind sich alle Kulturen und Religionen einig, dass das Schicksal dieser kleinsten und intimsten Lebensgemeinschaft über das Gemeinwohl gewichtig mitentscheidet. Es kann daher kaum genug strukturell, ideell und finanziell in sie investiert werden.
Das gilt auch pastoral. Ehe und Familie gehören zum Liebesplan Gottes für die Menschheit. Es braucht handfeste Tipps wie die von Papst Franziskus: "Liebe braucht geschenkte Zeit. Es ist gut, den Morgen immer mit einem Kuss zu beginnen. Gebrauchen wir oft die Worte: Bitte! Danke! Entschuldige! Man lebt nicht zusammen, um immer weniger glücklich zu sein!" Und es braucht ein neues Denken: Jedes Haus, wo Gott in das Beziehungsgeschehen mit hereingeholt wird, ist eine kleine Kirche. Gott "wohnt" hier. Und alle sind vom lieben Gott bewohnt. Das bedeutet Ehrfurcht vor jedem. Es wird deutlich, dass es hier "an anderen Orten" von Kirche um ihre Zukunft geht. Eine erste, originäre Form von christlicher Basisgemeinschaft, die vom Leben-, Glaubens- und Hoffnungsaustausch, vom gegenseitigen Segnen und Für- und Miteinander-Beten und -Singen getragen wird. Das nachhaltig ausgetauschte Wort Gottes verändert Herzen und Haltungen. Ein frühlingshafter Weg des kirchlichen Neuanfangs.

Michael Schlüter, Pastoralreferent i.R., Dekanat Vulkaneifel