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Hereinspaziert – hinausmarschiert

BLEIALF. Zank in der Schneifelgemeinde: Fünf Fraktionsvertreter haben am Montagabend die Sitzung des Ortsgemeinderats verlassen und das Rest-Gremium zur Beschlussunfähigkeit verdonnert. Hintergrund: der Streit um den künftigen Radweg. ARRAY(0xb3e5d50)

Bleialf am Mittwoch, zwei Tage nach der geplatzten Sitzung: "Es geht nur ums Thema", beteuern beide Seiten. Persönliche Angriffe spielten keine Rolle, heißt es. Und trotzdem geht es im Schneifeldorf zur Sache. Denn "Thema" ist der geplante Radweg auf der alten Bahntrasse zwischen Prüm und St. Vith. Die Daten: 30 Kilometer lang, rund 2,5 Millionen Euro teuer, das meiste durch Fördergeld abgedeckt. Einen Teil des Baus und die spätere Unterhaltung bezahlen die Anrainer-Gemeinden. In Bleialf soll er am Ortsausgang in den Wald führen, vorbei am alten Bahntunnel, der vor allem aus Kostengründen nicht mehr geöffnet und genutzt werden kann. Fünf Mann auf der Palme

Und genau wegen dieser "Umleitung" streiten sich die Bleialfer: Denn wenn man schon die Trasse verlasse, dann könne man doch die Radtouristen auch durchs Dorf hindurchführen, finden vor allem die Gewerbetreibenden im Rat. Am Montag wurde indessen, auch mit der Stimme von Ortsbürgermeisterin Edith Baur, ein Beschluss gefasst, der nach etlichen Vor-Entscheidungen und langem Hin und Her über die Streckenführung die Radler doch am Dorf vorbeilenkt. Und das brachte einige auf die Palme: Fünf Mann - vier von "Bleialf Aktiv" plus Friedhelm Schneider von der CDU - packten ihre Sachen und machten damit den urlaubsbedingt schwach besetzten Gemeinderat beschlussunfähig. "Ich habe gesagt: Für mich ist der Abend gelaufen, ich stimme über gar nichts mehr ab", berichtet Schneider. Nein, er wolle seiner Bürgermeisterin (und Parteikollegin) nicht an den Karren fahren, immerhin habe sie vom ausgebauten Kinderspielplatz bis zur Friedhofs-Erneuerung schon viel bewegt in ihren ersten zwölf Amtsmonaten. Aber in diesem Punkt liege sie eben falsch. Auch Robert Saxler, der Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, sieht das so. "Jede auch nur geringste Möglichkeit" müsse genutzt werden, um die Kaufkraft des Dorfs zu stärken, sagt er. Also müsse der Radweg einfach durch die Gemeinde laufen. Thomas Aigner, Fraktionschef von "Bleialf Aktiv" und Gewerbevereins-Vorsitzender, ist der gleichen Meinung: "Wir haben von Anfang an gebeten und gebettelt, dass der Weg durch den Ort führt. Ich sehe nicht ein, dass man mit öffentlichen Mitteln einen Weg baut, der dann am Dorf vorbeilaufen soll." Ständig werde der sanfte Tourismus bemüht - "und wenn er dann möglich wäre, wird es nicht wahrgenommen". Zudem sei der Mensch bequem, ergänzt Schneider: "Der sieht einen geführten Weg und hält sich daran." Von wegen, findet Edith Baur: "Ein Radfahrer, egal welchen Alters und welcher Interessengruppe, wird machen, wozu er Lust hat." Und deshalb garantiert auch nach Bleialf fahren. "Ich kann die Argumente verstehen", sagt die Bürgermeisterin. "Aber nicht die Aufregung." Natürlich, es sei das Recht des Gewerbes, für die Wegführung ins Dorf zu kämpfen. Aber nicht mit solchen Mitteln. Eine Sitzung zu verlassen, das sei starker Tobak: "Wir hatten viele wichtige Dinge, die nicht beschlossen werden konnten." Dafür müsse sie jetzt bei den Bürgern geradestehen. Außerdem: "Es gibt nur Fördergeld, wenn der Weg in Nähe der Trasse bleibt." Zudem sieht sie in der bei der Umleitung vorgesehenen Nutzung von Wirtschaftswegen große Gefahren: Wenn da etwas passiere, werde die Gemeinde zur Verantwortung gezogen. Genug Gründe also, um dagegen zu stimmen. "Ich bin den Bürgern und der Allgemeinheit verpflichtet", sagt Edith Baur. "Und ich kann deshalb keine Interessengemeinschaft bevorzugen." Durchs Dorf oder dran vorbei? Wie ist Ihre Meinung zum Radweg in Bleialf? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in aller Kürze an: eifel-echo@volksfreund.de.