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Hitzige Debatte über Sinn des 690 000-Euro-Projekts

Ein Projekt, das spaltet: Den geplanten Umbau der alten Schule in Stahl finden einige zu groß und zu teuer. TV-Foto: Klaus Kimmling/TV-Grafik: Birgit Keiser
Ein Projekt, das spaltet: Den geplanten Umbau der alten Schule in Stahl finden einige zu groß und zu teuer. TV-Foto: Klaus Kimmling/TV-Grafik: Birgit Keiser
Bitburg. Das Projekt spaltet den Stadtrat. Beim geplanten Umbau des Stahler Dorfgemeinschaftshauses geht es um viel Geld und um die Grundsatzfrage, ob die 690 000 Euro schwere Investition überhaupt sinnvoll ist. Nun steht fest: Es wird gebaut. Baubeginn ist noch im ersten Halbjahr 2014. Dagmar Schommer, Meinung Dagmar Schommer

Bitburg. Er ist wirklich nicht zu beneiden. Architekt Manfred Weber musste für den Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Stahl schon viele Versionen zeichnen und durchrechnen. Nicht, weil seine Pläne nicht gefallen hätten - im Gegenteil: Die Arbeit des Architekten, der behutsam mit der historischen Bausubstanz der Alten Schule umgeht, findet über Fraktionsgrenzen hinweg im Rat Zustimmung. Anders als das Projekt selbst.
Ob Stahl überhaupt ein größeres Dorfgemeinschaftshaus braucht oder es nicht die Alte Schule auch tun würde, wenn man sie behindertengerecht umbaut, bleibt umstritten. Nun musste der Architekt abermals umplanen - und der Rat hatte erneut über das Projekt zu entscheiden. Das ging natürlich nicht ohne Diskussion.
War 2011 noch ein großer Saalanbau samt Foyer, Küche und neuer Toilettenanlage für rund 900 000 Euro geplant, zog der Bauausschuss 2012 die Bremse und forderte, dass die Kosten deutlich reduziert werden. Architekt Weber legte einen neuen Entwurf mit Gesamtkosten von 690 000 Euro vor, der dann auch beschlossen wurde (der TV berichtete). Doch dabei sollte es nicht bleiben.Toiletten kommen in den Altbau


Bei der ersten Kalkulation der Kosten war eine Standard-Tabelle zugrundegelegt worden, die Richtwerte pro umbauten Kubikmeter Raum vergleichbarer Projekte angibt. Da das Land darauf pocht, dass der Kostenrahmen nun aber exakt eingehalten wird, hat Weber alles nach Gewerken basierend auf aktuell am Markt zu erzielende Bieterpreise - ähnlich wie bei einer Ausschreibung - durchkalkuliert. Ergebnis: Das Projekt würde 120 000 Euro mehr kosten als bisher angenommen. Das will aber weder das Land noch die Stadt finanzieren. Also musste abermals umgeplant werden. Der Saalanbau wurde so verkleinert, dass dort kein Platz mehr für die neue Toilettenanlage ist, sondern diese ebenerdig in den Altbau reingeplant wird.
Gegen sieben Stimmen von Grünen, FDP sowie zwei der FBL hat der Rat mit Mehrheit von CDU, Liste Streit, SPD und zwei Stimmen der FBL den Umbau beschlossen. Während die einen den Sinn des Projekts bezweifeln, wollen die anderen den Ortsbeirat nicht bevormunden (siehe Extra). Agnes Hackenberger (FBL) kritisierte, dass der Anteil von Arbeiten in Eigenleistung von Stahler Bürgern mit 20 000 Euro recht gering ausfällt. Darauf Jürgen Weiler (CDU): "Ich werde mich in einer Bürgerinitiative dafür einsetzen, dass wir den Eigenanteil ein ganzes Stück erhöhen." Alle applaudierten. Darüber hinaus wird es bei diesem Streitthema wohl nie Einigkeit geben.
Was ist Ihre Meinung zum Umbau des Stahler Dorfgemeinschaftshauses? Mailen Sie uns Ihren Standpunkt in Kürze an
eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen).Meinung

Ein Anbau zu viel
Natürlich ist es für die dörflich geprägten Stadtteile wichtig, auch einen eigenen Versammlungsort zu haben. Und natürlich ist es richtig, die alte Schule in Stahl zu sanieren und behindertengerecht auszubauen, so dass die Stahler auch in Zukunft einen Treffpunkt für Jung und Alt haben. So weit, so gut. Aber der geplante Anbau mit großem Saal ist überflüssig. Dennoch wird er gebaut, weil es der Ortsbeirat so will - und die Mehrheit im Stadtrat sich fügt. Dabei wäre das Abwägen eines Projekts aus einer gesamtstädtischen Perspektive doch Aufgabe des Rats. Da kann man nur hoffen, dass Mötsch, Masholder und Erdorf demnächst nicht auch auf große Hallen sparen. d.schommer@volksfreund.deExtra

Marie-Luise Niewodniczanska (FDP): "Ich bin dagegen. Stahl braucht kein größeres Gemeinschaftshaus. Wir hätten nur den Altbau richtig schön sanieren sollen." Franz-Josef Hankes (FBL): "Vernünftig wäre gewesen, den Altbau zu sanieren. Wenn nötig, könnte man dann immer noch ein Zelt mieten. Der Anbau kostet auch Unterhalt." Peter Berger (Grüne): "Für mich ist das eine Art Kulturschock, dass die Toilettenanlage nun in den Altbau rein soll." Winfried Pütz (Liste Streit): "Wenn wir Stadtteilen Budgets geben, müssen wir auch so konsequent sein, dass dann die Stadtteile entscheiden, was sie mit ihrem Budget machen." Michael Ludwig (CDU): "Der Ortsbeirat hat deutlich für das Projekt gestimmt und sein Budget dafür über Jahre gespart. Das ist zu respektieren." Stephan Garçon (SPD): "Wir unterstützen das, was der Ortsbeirat will. Die Stahler ständig zu bevormunden ist politisch kein guter Stil." Manfred Böttel (FBL): "Wir haben die Budgets eingeführt, damit die Stadtteile selbst gestalten können. Fertig." scho