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Sport
Ich mach dich zur Strecke

Sieht aus wie ein Kornkreis: der neue Rundkurs fürs Motocross-Rennen.
Sieht aus wie ein Kornkreis: der neue Rundkurs fürs Motocross-Rennen. FOTO: TV / Andrea Schon
Oberkail. Alle zwei Jahre verwandelt der Motocross-Verein Oberkail ein Stoppelfeld in eine Rennpiste. Am kommenden Wochenende erwarten die Aktiven wieder Hunderte Fahrer und Tausende Gäste zur Meisterschaft. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Schleifen ziehen sich durch das Feld und hinterlassen ein Muster. Aus der Luft betrachtet, sieht der Acker bei Oberkail fast aus wie ein Kornkreis. Forscher rätseln seit Jahrhunderten wo diese geometrischen Formen herkommen – sind es Botschaften von Außerirdischen oder doch nur Rehe bei der Brunft, die sie hinterlassen haben. Das ist nach wie vor ein Geheimnis.

Wo die Schleifen in jenem Eifeler Feld herkommen, hingegen ist keines. Es ist eine Rennstrecke, angelegt für das dreitägige Motocross-Spektakel, das der Oberkailer MCV alle zwei Jahre ausrichtet. Im August standen noch die Heuballen auf dem Feld.

Nicht so rasant und riskant, wie es aussieht: Selten wird bei Motocross-Rennen schneller als 50 Kilometer pro Stunde gefahren.
Nicht so rasant und riskant, wie es aussieht: Selten wird bei Motocross-Rennen schneller als 50 Kilometer pro Stunde gefahren. FOTO: Andrea Schon

Viel Zeit blieb also nicht, das Gelände bis zum Start am Freitag, 14. September, zu einer Piste zu machen. Dabei kamen auch Bagger und andere schwere Maschinen zum Einsatz – und natürlich jede Menge helfende Hände. „Natürlich baut sich so eine anspruchsvolle Strecke nicht von alleine“, sagt Andrea Schon, Geschäftsführerin des Motocross-Vereins Oberkail. Aber inzwischen haben sie und die 63 Aktiven ja Erfahrung. Schließlich veranstalten sie das Rennen bereits seit 2010 – da hat es den Verein noch nicht einmal gegeben.

Warum die Oberkailer sich dafür die Mühe machen, ein Stoppelfeld umzugraben? Weil es offenbar nicht anders geht. In dem Ort bei Kyllburg gibt es keinen festen Motocross-Track – wie auch sonst nirgendwo im Eifelkreis. Ein solcher Rundkurs muss Berg- und Talfahrten haben, Kurven und Möglichkeiten für Sprünge. Und das ist gar nicht so leicht zu finden.

  Als 2010 der Deutsche Amateur Motocross Verband, kurz DAMCV, beim Vereinsvorsitzenden Uwe Steines anfragte, ob der nicht Lust hätte ein Rennen zu organisieren, sagte der trotzdem zu. So kam es zur ersten Meisterschaft im Eifeldorf, bei der bereits 250 Fahrer aus allen DAMCV-Leistungsklassen starteten und kurz darauf zur Gründung des Vereins.

Öfter als alle zwei Jahre schaffe es der aber nicht, das Rennen auf die Beine zu stellen, sagt Schon: „Mit dem Anmieten eines Stücks Land ist es ja nicht getan.“ Schuld am großen Aufwand sei die deutsche Bürokratie. Die koste die Ehrenamtlichen viel Geld und Geduld. So brauche der Verein zum Ausrichten der Veranstaltung jede Menge Genehmigungen: eine Erlaubnis, einen Rundkurs bauen zu dürfen, ein Festzelt aufzustellen und darin abends zu feiern. Aber auch die sichere Verkehrsführung an der Rennstrecke vorbei müssten die Ehrenamtlichen sicherstellen.

Nichtsdestotrotz nimmt die Truppe rund um den ersten Vorsitzenden Uwe Steines immer wieder die Strapazen auf sich. „Weil es sich lohnt“, wie Schon sagt. Das Rennen habe sich weit über die Eifel hinaus herumgesprochen. Es kämen inzwischen Hunderte Fahrer und Tausende Fans aus ganz Deutschland, um bei den Meisterschaften dabeizusein.

Und dieses Jahr habe sich der Verein etwas Besonderes einfallen lassen: Neben den Rennen, die am Samstag nach den Probefahrten am Freitag starten, werden auch zwei sogenannte Cup-Klassen ausgeschrieben. Hier können die besten fünf Fahrer des Rennens „saftige Preisgelder“ absahnen, wie es vom Veranstalter heißt. Wie hoch die sein werden, ist noch unklar. Aber auch  die anderen Fahrer können Sachpreise und Holeshot Awards gewinnen. Die bekommen Schnellstarter, die in der ersten Kurve in Führung liegen.

Doch nicht nur den Fahrern wolle der Club etwas bieten, sagt Schon, sondern auch den Gästen. Ab 20 Uhr machen die DJs Fourvibes und Achim im Festzelt Lärm, wenn es auf der Rennstrecke ruhig geworden ist. Wer nur zum Feiern auf die „Pit-Party“ am Freitag oder die „Malle-Party“ am Samstag will, zahlt übrigens nichts. Nur Motorsportfans, die sich wirklich die Rennen angucken, müssen 12 Euro Eintritt investieren. Jugendliche bis 14 Jahre kommen für die Hälfte rein, Kinder unter sieben gratis.

Weitere Infos zum Motocross in Oberkail gibt es auf www.mcv-oberkail.de