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Kommunales
Undurchsichtig wie die braune Brühe

Zu gut 95 Prozent aus Wasser besteht dieser Klärschlamm, wenn er auf den Feldern verteilt wird.
Zu gut 95 Prozent aus Wasser besteht dieser Klärschlamm, wenn er auf den Feldern verteilt wird. FOTO: Uwe Hentschel
 BITBURG. Wegen der Klärschlammverordnung  streben einige Kommunen eine  Fusion der Abwasserbetriebe an. Nicht so im Bitburger Land.

Für Wolfgang François sind diese 40 Minuten eine gefühlte Ewigkeit. Er leitet in Rittersdorf einen Entsorgungsbetrieb und könnte zum Thema, über das der Werkausschuss eifrig diskutiert, einiges beisteuern. Schließlich gehört auch er dem Gremium an. Doch  weil es um dieses Thema geht, muss sich François bei der Diskussion enthalten. Folglich  verfolgt er die Debatte etwas aus dem Abseits.

Der Tagesordnungspunkt,  um den es geht, ist die Beteiligung der VG Bitburger Land an der noch zu gründenden Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) „Kommunale Klärschlammverwertung Region Trier“. Derzeit ist es im Bitburger Land so geregelt, dass der Klärschlamm der 20 Kläranlagen fast ausnahmslos auf landwirtschaftlich genutzten Flächen verteilt wird. Und ähnlich handhaben es auch die meisten anderen Abwasserbetriebe in der Region Trier.

Durch die Novelle der Klärschlamm- und der Düngeverordnung 2017 ist  einiges im Umbruch. So haben sich zum einen die Zeiträume, in denen Klärschlamm ausgebracht werden darf, reduziert. Zudem wird jetzt für die gleiche Menge mehr Fläche benötigt. Die Abwasserbetriebe brauchen höhere Lagerkapazitäten. Es könnte  schwieriger werden, für den Klärschlamm ausreichend  Abnehmer zu finden. Im Bitburger Land ist das bislang noch kein Problem.  In Trier oder in Wittlich sieht das anders aus. Die dortigen Abwasserbetriebe haben noch ein weiteres Problem. Gemäß Klärschlammverordnung sind die Betreiber der Anlagen  dazu verpflichtet, sich bei der Verwertung des Klärschlamms auch um den  Phosphor zu kümmern. Damit dieser dann als Phosphat wieder zum Düngen eingesetzt werden kann. Ausgenommen sind lediglich Kläranlagen(-zusammenschlüsse) für weniger als 50 000 Einwohner. Die Betreiber dieser Anlagen dürfen ihre Schlämme auch weiterhin auf den Feldern verteilen. Und das ist der Knackpunkt: Bei einigen Betrieben gibt es aufgrund ihrer Größe Handlungsbedarf, bei anderen nicht. Deswegen tun sich einige schwer, dem Vorstoß aus dem Trierer Raum nachzukommen.

So wird derzeit in Mainz eine zentrale Verbrennungsanlage gebaut, in der künftig der Klärschlamm verbrannt und zu einem späteren Zeitpunkt  das Phosphor recycelt werden soll. Damit aber nicht auch der gesamte Klärschlamm aus der Region Trier nach Mainz gekarrt werden muss, gibt es dort die Überlegung, eine eigene Verbrennungsanlage zu errichten. Und betreiben soll diese Anlage die neue AöR, der sich möglichst alle der  24 Abwasserbetriebe aus der Region Trier anschließen sollen. Die Höhe des Stammkapitals und die Anzahl der Stimmen im Entscheidungsgremium richtet sich dabei nach der Größe der  Anlagen.  Das Bitburger Land wäre mit fünf Stimmen vertreten, was fünf Prozent entspricht. Genau wie die Stadtwerke Bitburg, deren Beitritt ebenfalls noch offen ist.

Sollte die AöR also etwas beschließen, so hätte das Bitburger Land darauf nur wenig Einfluss – womit Werkausschussmitglied Thomas Etteldorf ein Problem hat. Er wolle den regionalen Verbund nicht grundsätzlich in Frage stellen, sagt er. Es müsse aber gewährleistet sein, dass der nährstoffreiche Klärschlamm aus dem Bitburger Land auch weiterhin in der Landwirtschaft verwertet werden könne, so Etteldorf. „Ich erkenne in dem ganzen System für die VG keinerlei Vorteile“, fügt er mit Verweis auf die dann höheren Kosten hinzu. „Am Ende zahlen wir für die anderen mit“, so Etteldorf. Und das sehe er nicht ein: „Da bin ich ein kleiner Verbandsgemeinde-Egoist.“

Inwieweit die VG bei einem Eintritt in die AöR tatsächlich mit höheren Kosten rechnen muss, lässt sich nur schwer sagen. Immerhin aber stellt sich im Lauf der Diskussion heraus, dass bei den Kosten für den Klärschlamm von unterschiedlichen Wasseranteilen ausgegangen wurde. Das führt dann auch zu extremen Preisdifferenzen. Und das löst bei Wolfgang François, der sich ja nicht zu Wort melden darf, immer wieder leichtes Kopfschütteln  aus. Dieses Missverständnis kann  im Lauf der Sitzung aus dem Weg geräumt werden.

Alles andere jedoch bleibt vorerst unklar wie Klärbrühe. Wie beispielsweise die Frage, was nach der Verbrennung mit dem Klärschlamm passieren soll, solange noch gar nicht feststeht, wie die Phosphor-Rückgewinnung vonstatten gehen soll. Und was dieses Verfahren dann zusätzlich kosten wird. Zudem wird die Befürchtung geäußert, dass durch einen Wegfall der landwirtschaftlichen Klärschlamm-Verwertung im Bitburger Raum ein Vakuum geschaffen werden könnte. Ein Vakuum, das dann vermehrt Gülle aus Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden in den Bitburger Raum ziehen könnte.