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Glaube
In der Heimat verwurzelt

Schlauer Kopf: Professor und Priester Andreas Heinz ist gottverbunden und heimatverwurzelt – und hat eine gut bestückte Bibliothek in seinem Elternhaus.
Schlauer Kopf: Professor und Priester Andreas Heinz ist gottverbunden und heimatverwurzelt – und hat eine gut bestückte Bibliothek in seinem Elternhaus. FOTO: Uwe Hentschel
Auw an der Kyll. Professor Andreas Heinz aus Auw an der Kyll feiert am Sonntag das Goldene Priesterjubiläum. Von Uwe Hentschel

Es hätte für ihn auch ganz anders laufen können. Denn die familiären Umstände waren alles andere als gut: Der Vater starb so früh, dass Andreas Heinz ihn nie kennenlernte. Als die Mutter starb, war er gerade mal 15, und Geschwister hatte er auch keine.

„Von meiner Familie her hätte ich also keine Unterstützung in diese Richtung erwarten können“, sagt der Geistliche, der am 3. Oktober 1941 in Auw an der Kyll geboren wurde und dort bis zum 8. Schuljahr die Volksschule besuchte. Sein Lebensweg wäre danach womöglich ein ganz anderer gewesen, hätten sich der Pfarrer und der Dorflehrer nicht für ihn eingesetzt. „Sie hielten mich für talentiert und waren der Meinung, dass ich aufs Gymnasium gehöre“, erinnert sich der heute 77-Jährige. Dazu ist es dann auch gekommen.

Normalerweise wäre das aufgrund seiner vorherigen Schulbiografie kaum möglich gewesen. Doch der Dorfpfarrer fand heraus, dass es am Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in jenem Jahr erstmals einen Förderkurs für Volksschulabgänger gab. Und für den wurde der junge Heinz dann angemeldet.

Danach ging es mit dem gleichen Ehrgeiz weiter: Nach seinem Abitur, das er im März 1962 aufgrund seiner hervorragenden Leistungen ohne mündliche Prüfung absolvierte, folgte ein Studium an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Das Jahr, in dem der 20-Jährige nach Rom kam, war auch das Jahr, in dem das Zweite Vatikanische Konzil eröffnet wurde. Es sei eine sehr aufregende Zeit gewesen, sagt Heinz.

„Ich war kurz nach meiner Ankunft in Rom auf dem Petersplatz dabei, als die ganzen Bischöfe über den Platz in den Dom zogen“, erinnert er sich. Und am Ende des Zugs sei dann Papst Johannes XXIII. feierlich auf einem Thron mit viel Pomp und Palmwedeln über den Platz getragen worden. „Ich habe mir damals schon gedacht, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt Heinz. Und damit sollte der Mann aus Auw an der Kyll recht behalten.

Er selbst wurde gut sechs Jahre später, am 10. Oktober 1968, in Rom zum Priester geweiht. Es folgten zunächst Tätigkeiten als Kaplan und Pfarrverwalter in der Vulkaneifel, eine Zeit als Assistent am Liturgischen Institut in Trier bei gleichzeitigem Engagement als Seelsorger in Erdorf, bevor er dann auf Anregung seines Bischofs eine Promotion zum Doktor der Theologie in Trier absolvierte. Nach einer zweijährigen Professur an der Ruhr-Universität in Bochum zog es ihn 1981 wieder als Professor für Liturgiewissenschaft an der Fakultät Trier in seine Heimat zurück.

Seit 2007 ist der mit zahlreichen Auszeichnungen bedachte Professor im Ruhestand. Unter anderem wurde ihm 1999 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er lebt nach wie vor in seinem Geburtshaus in Auw, von wo aus er auch heute noch als Seelsorger aushilft und wo er sich zudem der Erstellung kirchlicher Chroniken widmet. Sein aktuelles Buch, das in Kürze erscheint, handelt von Simeon von Trier, der im 11. Jahrhundert in der Porta Nigra lebte.

Simeon ließ sich im östlichen Turm des Trierer Stadttors einmauern, um dort völlig zurückgezogen als Eremit leben zu können. Andreas Heinz lebt in seinem Heimatdorf nicht ganz so zurückgezogen, fühlt sich in Auw aber seit eh und je verwurzelt. Umso erfreulicher ist es für den 2014 zum „Päpstlichen Hauskaplan“ (Monsignore) ernannten Liturgieprofessor, dass er sein Goldenes Priesterjubiläum am morgigen Sonntag auch in der nur wenige Meter von seinem Haus entfernten Pfarrkirche feiern wird.

Das Dankamt beginnt um 10.30 Uhr. Nach einem Mittagessen für geladene Gäste gibt es dann ab 15.30 Uhr einen offenen Empfang im Gemeindehaus, begleitet vom Musikverein Spangdahlem.