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In Gedenken an …

Tankstelle statt Synagoge: die Tafel in der Neuerburger Straße.
Tankstelle statt Synagoge: die Tafel in der Neuerburger Straße. FOTO: (e_bit )
Bitburg. Eine Skulptur, die kaum noch wahrgenommen wird. Ein Relief, das prächtig funkelt. Eine Tafel, die ein wichtiges Detail vergisst. Das sind Impressionen von einer Tour entlang der Erinnerungsdenkmäler in Bitburg. Sarah Jasmin Schmidt

Bitburg. Das Krebsgeschwür "Faschismus" - ein Denkmal mit großer Symbolik für alle Opfer des Nationalsozialismus: Der Spruch von Richard von Weizsäcker "Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart" ziert das quaderförmige Mahnmal vor der Kriegsgräberstätte auf Kolmeshöhe. Die Skulptur aus Basalt ist vier Meter hoch. Der Künstler des Denkmals, Albert Hettinger, sieht im Basaltstein ein Symbol für "eine gewachsene Ordnung, die nicht perfekt ist, aber zusammensteht". Diese Ordnung löst sich wegen eines Krebsgeschwüres auf. Der Basaltstein bricht langsam in sich zusammen, seine natürliche Form schwindet und aus dem Inneren des Denkmals fallen Hakenkreuze heraus.
In Gedenken an? - Gedenktafel für jüdische Verstorbene in Bitburg: Erst wenn man sich direkt vor die Tafel stellt, kann man die Schriftzeichen erkennen. Durch Risse und graue Schattierungen ist die Aufschrift schwer zu entziffern. Das Denkmal auf dem jüdischen Friedhof in der Erdorfer Straße soll an Bitburger jüdischen Glaubens erinnern, die zwischen 1890 und 1940 eines natürlichen Todes gestorben sind. "Die Liste ist jedoch unvollständig", sagt Burkhard Kaufmann, hauptamtlicher Leiter des Bitburger Kreismuseums.
Prominenter Schauplatz - Kriegsgräberstätte Kolmeshöhe: Auf dem Soldatenfriedhof auf Kolmeshöhe trafen sich zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges 1985 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der amerikanische Präsident Ronald Reagan, um gemeinsam der Toten zu gedenken. Dies sorgte weltweit für Schlagzeilen. Da auf dem Friedhof auch SS-Männer begraben liegen, erzielten sie mit dem Zeichen der Versöhnung nicht die gewollte Wirkung.

Ein Versteck, das in den Tod führte - die Gedenktafel für Kriegsverstorbene an Weihnachten: Auch diese Gedenktafel versteckt sich in der Innenstadt Bitburgs. Angebracht ist sie am Wirtshaus Zangerle Lo Stivale, direkt am Anfang der Fußgängerzone. Dort versteckten sich an Weihnachten 1944 einige Bürger, um Bombenangriffen zu entkommen. "Die Leute haben sich damals im Keller des Hauses retten wollen", sagt Kaufmann. Auf der Gedenktafel kann man die Namen der Verstorbenen lesen. "Das Ereignis war dadurch so tragisch, dass so viele Menschen auf einmal starben", sagt der Museumsleiter.

Bäumchen wechsle dich - das Denkmal für Bitburger Soldaten: Das große glänzende Denkmal aus dem Jahr 1900, das an gefallene Soldaten von 1870/71 erinnert, ist in den 70er Jahren gegen eine Waschbetonsäule ersetzt worden. Statt pompös, setzte die Stadt damals auf schlicht. Jahre später entschied man sich dann dafür, das alte Denkmal noch einmal errichten zu lassen. Von drei Reliefs war jedoch nur noch eines übrig. "Irgendjemand hat sich die beim Abbau unter den Nagel gerissen. Die hängen vielleicht heute in irgendeinem Partykeller", sagt Kaufmann. Da es Fotos von den Reliefs gab, konnten sie komplett rekonstruiert werden.

Kurioses Denkmal in zweierlei Hinsicht - die Gedenktafel für die ehemalige Bitburger Synagoge: Wer die bronzene Gedenktafel für die ehemalige Synagoge in Bitburg finden möchte, muss schon genauer hinschauen, denn sie wird von einer großen Tankstelle regelrecht überschattet. Die kleine Plakette soll seit 1988 an die Synagoge erinnern, die im Jahr 1877 von 40 jüdischen Bürgern erbaut wurde. Sie soll im Jahr 1944 durch einen Bombenanschlag an Weihnachten zerstört worden sein. In Wahrheit wurde sie jedoch nur stark beschädigt, nicht völlig zerstört. Dass die Synagoge nicht mehr dort steht, hat einen anderen Grund. Sie wurde 1952 abgerissen. Ein Detail, das auf der Tafel verschwiegen wird. "Das hätte man 1988, als die Gedenktafel erstellt wurde, wissen können", sagt Burkhard Kaufmann. Eine Antwort darauf, warum diese Informationen unerwähnt blieben, gebe es nicht. Die Interpretationen seien unterschiedlich.

Unsichtbares Gedenken - das Denkmal für Bitburger Gymnasiasten: Es steht an einer zentralen Straße in Bitburg und trotzdem wirkt es ziemlich unscheinbar. Seine Oberfläche sieht schon etwas verwildert aus. Laut Burkhard Kaufmann ist das Denkmal vor circa 15 Jahren restauriert worden. "Der verwendete Sandstein ist nicht besonders haltbar", sagt Kaufmann. Das Denkmal in der Trierer Straße soll an Gymnasiasten und Lehrer erinnern, die zwischen 1939 und 1945 in Bitburg ums Leben kamen.

Erinnerung an Soldaten, die 1870/71 gefallen sind.
Erinnerung an Soldaten, die 1870/71 gefallen sind. FOTO: (e_bit )
Eine Tafel auf dem Friedhof in der Erdorfer Straße, die an Bitburger jüdischen Glaubens erinnert.
Eine Tafel auf dem Friedhof in der Erdorfer Straße, die an Bitburger jüdischen Glaubens erinnert. FOTO: (e_bit )
Das Denkmal „Faschismus“. TV-Fotos (7): Sarah Jasmin Schmidt
Das Denkmal „Faschismus“. TV-Fotos (7): Sarah Jasmin Schmidt FOTO: (e_bit )
Sie flüchteten in den Keller und starben im Bombenhagel.
Sie flüchteten in den Keller und starben im Bombenhagel. FOTO: (e_bit )
Für Gymnasiasten und Lehrer, die zwischen 1939 und 1945 ums Leben gekommen sind.
Für Gymnasiasten und Lehrer, die zwischen 1939 und 1945 ums Leben gekommen sind. FOTO: (e_bit )
Der Soldatenfriedhof auf Kolmeshöhe, der 1985 Schlagzeilen machte.
Der Soldatenfriedhof auf Kolmeshöhe, der 1985 Schlagzeilen machte. FOTO: (e_bit )