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Innenstadtring: Händler und Taxifahrer sind sauer

Beim Taxistand am Kino müssen die Taxifahrer rückwärts einparken. Das ist nicht ungefährlich. TV-Foto: Uwe Hentschel
Beim Taxistand am Kino müssen die Taxifahrer rückwärts einparken. Das ist nicht ungefährlich. TV-Foto: Uwe Hentschel
Bitburg. Der Volksfreund-Artikel über den Innenstadtring aus Sicht der Berufsfahrer (Ausgabe 4. November) sorgt bei der Funktaxen-Vereinigung Bitburg für Verärgerung. Anders als der im Text zitierte Taxifahrer hält die Vereinigung den Ring nicht nur für unnötig, sondern auch für gefährlich. Aus Sicht vieler Innenstadthändler vertreibt er die Kundschaft. Uwe Hentschel

Bitburg. Wenn Harald Schreiber mit seinem Auto in Bitburgs Innenstadt unterwegs ist, dann leuchten im Spiegel rote Zahlen. Denn Schreiber ist Taxifahrer, und die roten Zahlen leuchten deshalb, weil der Rückspiegel einen integrierten Taxameter hat. Wer hinten in der Mitte sitzt und dabei in den Rückspiegel blickt, kann neben den Zahlen auch die Augen des Taxifahrers sehen. Sie rotieren ständig, bewegen sich zwischen den beiden Außenspiegeln hin und her. Und fährt Schreiber durch den Innenstadtring, hat er die Außenspiegel dabei besonders im Auge.
"Man muss sich unheimlich konzentrieren", sagt der Taxifahrer. Vor allem bei den Wechselspuren, erklärt er, da diese viel zu kurz seien. Doch ist für Schreiber das Fahren allein nicht das Problem. "Als Taxifahrer sind wir für die Sicherheit unserer Kunden verantwortlich", sagt er. Und gefährlich werde es vor allem dann, wenn er auf der linken (Innen-)Seite des Rings halten müsse. Denn die meisten Kunden würden vorne auf der Beifahrerseite einsteigen, erklärt er, was in diesem Fall bedeute, dass sie beim Ein- und Aussteigen über die Fahrbahn müssten. Da ein Großteil der Kundschaft aus älteren Menschen bestehe, seien solche Situationen besonders heikel.
Ein weiterer Nachteil ist für Schreiber, der dem Ring gar nichts Positives abgewinnen kann, die nun entstandene Situation am Taxistand beim Kino. Um dort rückwärts einzuparken, benötigt der Taxifahrer mitunter beide Fahrspuren, was vor allem im Berufsverkehr nicht immer auf Verständnis stoße.
Das bestätigt auch sein Kollege Hans Peter Welsch. Genau wie Schreiber ist auch er Mitglied der Funktaxen-Vereinigung Bitburg. Deren Mitglieder haben sich kürzlich zu einer Sitzung getroffen. Auf der Tagesordnung stand dabei unter anderem der Innenstadtring. Die Anwesenden überlegten, den Verantwortlichen der Stadt Bitburg einen Brief zu schreiben, mit dem auf die Probleme aufmerksam gemacht werden sollte, erklären Schreiber und Welsch. Doch darauf habe man vorerst verzichtet.
Bei Bürgermeister Joachim Kandels ist dennoch ein Brief auf dem Schreibtisch gelandet. Absender war allerdings nicht die Funktaxen-Vereinigung, sondern Marita Singh, die am nördlichen Ende der Trierer Straße ein Bekleidungsgeschäft betreibt. Beigefügt war diesem Schreiben eine Befragung unter Innenstadthändlern, die seit Einführung des Rings einen Rückgang an Kunden verbuchen (siehe Extra).
Die Unternehmerin kritisiert, dass der Ring viele Autofahrer abschrecke, was dazu führe, dass ein Teil der Kundschaft die Innenstadt nun meide. Vor allem "ältere Menschen sind verunsichert", sagt Singh, die ein Umdenken fordert: "Auch in Wittlich wurde vor einigen Jahren ein fataler Fehler in der Verkehrsplanung gemacht und viel zu spät umgedacht. Seitdem ist die Wittlicher Innenstadt tot."Extra

19 Gewerbetreibende aus der Haupt- und vor allem aus der Trierer Straße haben an einer Umfrage von Marita Singh teilgenommen. Mit Ausnahme eines Hotels in der Trierer Straße gaben dabei alle Befragten an, seit Beginn der Innenstadtring-Testphase im September weniger Kunden zu haben. 17 der 19 Unternehmer bestätigten darüber hinaus auch einen Umsatzrückgang in diesem Zeitraum. "Selbstverständlich nehme ich solche Schreiben ernst, und auf konstruktive Kritik reagiere ich auch", sagt dazu der Adressat der Umfrage, Joachim Kandels, auf TV-Anfrage. Er erklärt, dass er die an der Befragung beteiligten Gewerbetreibenden für kommende Woche zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen habe. Ebenfalls daran teilnehmen sollen laut Kandels auch die Beigeordneten sowie die Fraktionsvorsitzenden. uhe