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Landwirtschaft
Hochsaison für gelbes Giftkraut

Die unscheinbaren Blümchen haben es in sich: Fressen Tiere wie Schafe, Rinder oder Pferde das Jakobskreuzkraut, können sie krank werden.
Die unscheinbaren Blümchen haben es in sich: Fressen Tiere wie Schafe, Rinder oder Pferde das Jakobskreuzkraut, können sie krank werden. FOTO: dpa / Felix Kästle
Bitburg/Prüm. Bei warmen Temperaturen und Trockenheit breitet sich das Jakobskreuzkraut aus – auch in der Eifel. Wenn Tiere die Pflanze fressen, können sie krank werden und sogar sterben. Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Die gelben Blüten sind hübsch anzusehen, verheißen jedoch nichts Gutes. Denn wenn Rinder, Schafe oder Pferde das Jakobskreuzkraut fressen, kann die Mahlzeit für sie tödlich enden.

Viele Bauern und Tierhalter in der Eifel haben bereits unfreiwillig Bekanntschaft mit der Pflanze gemacht – auch der Reit-, Zucht- und Fahrverein Bitburg. „Ein Pferd hatte schon einmal eine Kolik, die auf das Kraut zurückzuführen war“, sagt Siegfried Lassnig, Geschäftsführer des Vereins. Wenn die Reiter und Züchter Jakobskreuzkraut sehen, entfernen sie es sofort, um die Tiere zu schützen.

Das Unkraut enthält Giftstoffe, die die Leber schädigen und zu Erkrankungen führen. Vor allem bei heißen Temperaturen und wenig Regenfällen breitet sich die Pflanze mit ihren langen Wurzeln aus, während die Gräser rundherum vertrocknen. „Aus der Eifel kommen regelmäßig Meldungen“, sagt Dr. Bernd Augustin vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinhessen-Nahe-Hunsrück. Auch Herbert Netter, Pressereferent des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, bekommt immer wieder Anrufe aus der Region.  „Grundsätzlich ist das in ganz Rheinland-Pfalz ein Problem.“ Das Kraut gedeihe sowohl auf Sand als auch schwereren Böden. Es verbreitet sich über Samen, die ähnlich wie beim Löwenzahn vom Wind weitergetragen werden.

Vor allem auf Flächen, die nicht regelmäßig bewirtschaftet und gemäht werden, können die Pflanzen sprießen. Zwischen Apfel- und Kirschbäumen finden sich auf vielen Streuobstwiesen die gelben Blumen, die leicht mit Johanniskraut oder Rainfarn verwechselt werden können. Vor allem, wenn nicht gedüngt wird, trifft das Jakobskreuzkraut auf gute Wachstumsbedingungen. Aus diesem Grund seien vor allem Bauern, die auf Ökolandwirtschaft setzen, von dem Problem betroffen.

Nicht nur in landwirtschaftlicher Umgebung wächst die grüne Gefahr. Auch am Straßenrand oder in Industriegebieten, in denen die Grundstücke nur selten gepflegt werden, tritt das Unkraut auf. Die Pflanze breitet sich in den vergangenen Jahren immer weiter aus – ein Trend, der den Bauern gar nicht gefällt. „Wir sind seit mehreren Jahren dabei, das Jakobskreuzkraut im öffentlichen Raum zu bekämpfen“, sagt Netter. Doch ganz ausrotten darf man die in Deutschland heimischen Pflanze nicht. „Deshalb betreiben wir Objektschutz“, erklärt Augustin. Besteht die Gefahr, dass Samen von einer öffentlichen Fläche auf ein Grundstück gelangen, wo zum Beispiel Pferde weiden, wird das Ganze dem DLR in Bad Kreuznach gemeldet. „Von hier geht die Info nach Koblenz an die Straßenmeisterei, die dann zeitnah mäht.“

Der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein, der dafür zuständig ist, die Grünstreifen entlang der Straßen in der Eifel zu pflegen, mäht in bestimmten Rhythmen. Je nach Lage wird das Grünzeug auf einer Fläche ein bis zweimal im Jahr im Jahr geschoren. „Dabei mähen wir auch Jakobskreuzkraut“, sagt Bruno von Landenberg, sellvertretender Leiter des Landesbetriebes Mobilität Gerolstein.

Stellt Jakobskreuzkraut, das auf privaten Flächen sprießt, eine Gefahr dar, müssen die Eigentümer selbst mit Hacke und Spitze  bewaffnet gegen die gelben Blümchen angehen. Dabei sollten sie Handschuhe und geschlossene Kleidung tragen, da es bei Berührung zu Hautreizungen kommen kann.

Doch warum breitet sich die Pflanze eigentlich aus? Dafür gibt es mehrere Gründe, wie Augustin erläutert. Die Bewirtschaftung von Grünland habe sich verändert. Die Samen fänden immer mehr offenen Boden, da immer mehr Land brach liege.

Zudem kann sich die Pflanze ausbreiten, wenn wenig oder spät gemäht wird. Wenn die Pflanze nicht zeitig gekappt wird, kann sie Samen bilden, die – sofern sie auf fruchtbaren Boden treffen – für giftigen Nachschub sorgen.

Für Tiere ist nicht nur die ackerfrische Pflanze giftig, sondern auch Heu, in dem sich das getrocknete Jakobskreuzkraut verbirgt. Obwohl die Blümchen in ganz Rheinland-Pfalz auftreten, sind in diesem Jahr weder beim DLR noch beim Bauern- und Winzerverband Todesfälle dokumentiert worden, die eindeutig darauf zurückgeführt werden können. „Landwirte kennen ihre Wiesen in der Regel und sind vorsichtig“, sagt Netter. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn vor allem im Bereich der Pferdehaltung komme es immer wieder zu Vergiftungen. Wer seinem Tier mit frischem Grünzeug etwas Gutes tun will, sollte daher zweimal hinschauen.