| 15:26 Uhr

Kultur
Jetzt wird es aber wild

Ausstellung Tiere Haus Beda Bitburg
Ausstellung Tiere Haus Beda Bitburg FOTO: TV / Dagmar Schommer
Bitburg. Safari im Haus Beda: Am Sonntag eröffnet eine neue Ausstellung. Titel: „Augenblick mal!“ – und den sollte man sich dafür auch nehmen. Von Dagmar Schommer
Dagmar Schommer

Der bekannteste Hase mag der sein, der im Pfeffer begraben liegt. Aber der berühmteste ist wohl der, den Albrecht Dürer vor mehr als 500 Jahren gemalt hat. Das Aquarell des Feldhasen ist Paradebeispiel für die Zeit, in der sich in der Kunst die Tierdarstellung zu einem eigenen Bereich des Stilllebens entwickelte. Einem recht einträglichen. Schließlich wurden, lange bevor es Fotos gab, auch für Magazine und Lehrbücher naturalistische Abbildungen von Tieren gebraucht. Mit wachsendem naturkundlichen Interesse, beflügelt durch das Aufkommen zoologischer Gärten, erreichte die Tierdarstellung im Kaiserreich eine richtige Blütezeit.

Dürers Hasen gibt es im Haus Beda zwar nicht zu sehen. Dafür aber etliche seiner Artgenossen. Der Hase ist eins der beliebtesten Motive in der neuen Ausstellung – aber bei weitem nicht das einzige. Ob Affen, Löwen und Giraffen oder Fuchs, Wildschwein und Gans: Im Haus Beda kriecht und  fleucht, schnattert und flattert es. Fast glaubt man, die Tiere auf den Bildern, Zeichnungen und Skulpturen in der neuen Galerie zu hören.

Safari im Haus Beda in Bitburg FOTO: TV / Dagmar Schommer

Es raschelt im Gras, Wind bläst über ein Feld, eine Elefantenherde donnert vorbei und der röhrende Hirsch darf natürlich auch nicht fehlen. Zwölf zeitgenössische Künstler haben im Auftrag von Haus Beda mehr als 200 Exponate für die Ausstellung gefertigt, die Kuratorin Ute Bopp-Schumacher zu einer spannenden Safari zusammengestellt hat.

Elefanten, Antilopen, Zebras und was Afrikas Tierwelt sonst so zu bieten hat, kommen als große bunte Herde dem Besucher gleich am Eingang im Großformat entgegen marschiert. Bedrohlich? Nein, aber Respekt einflößend. Einer, der die auf diesem Werk dargestellten Antilopenarten locker auseinander halten kann, ist Michael Dietzsch, Aufsichtsratsvorsitzender der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, die das Haus Beda betreibt. Von Kudu und Gnu bis Impala: Für den Kunstfreund ist Antilope eben nicht gleich Antilope. Für den Maler auch nicht.

Da fliegen Hasen durch Wolken oder Vögel über Küstenlandschaften, die ganz ohne eine Darstellung des Meeres auskommen. Dietzsch mag es, wenn gewohnte Sichtweisen mal auf den Kopf gestellt werden oder mit surrealistischen Zitaten gespielt wird.

Was alle Objekte verbindet: Die Tiere selbst sind immer realistisch dargestellt. Keine Abstraktion oder Verfremdung, wie es sie etwa bei der Themen-Ausstellung „Die Jagd“ gab, wo beispielsweise auch ein Hase von Joseph Beuys an der Wand hing. „Dieses expressiv Hingewischte ist künstlerisch hoch interessant, aber wird in der Darstellung dem Tier nicht gerecht“, findet Dietzsch. Diesmal ist es anders. Die Tiere stehen im Mittelpunkt. Immer festgehalten in einem besonderen Moment, einem Augenblick, zu dem die Künstler ausführliche Beobachtungen und Studien verdichten.

Auf die Idee ist Dietzsch beim Besuch einer Ausstellung in Mainz gekommen. „Mich haben die naturalistischen Tierdarstellungen fasziniert und das spricht vielleicht auch Naturfreunde an, die sich sonst nicht für Kunst begeistern würden.“ In der Mainzer Ausstellung waren etliche Werke von Bernd Pöppelmann dabei. In Kooperation mit Pöppelmann entstand dann eine eigene Schau für Bitburg, bei der die Tiere die Hauptrolle spielen.

Mit seinen Themenschauen hat sich Haus Beda längst einen Namen weit über die Eifel hinaus gemacht. Die Schirmherrschaft diesmal hat Carl-Albrecht von Treuenfels übernommen, der lange Vorsitzender des WWF war. Ein Bekannter von Dietzsch, der als Naturfreund damals ebenfalls im Vorstand des WWF war. Ein Naturfreund eben. Und als solcher würde er sich freuen, wenn die aktuelle Ausstellung den Blick auch dafür öffnet, wie vielfältig, einzigartig und schützenswert Natur- und Tierwelt sind.

Und welche Tiere mag der Ausstellungsmacher selbst am liebsten? „Hunde und Pferde waren mir immer am nächsten“, sagt Dietzsch, der aber auf seinen Reisen nach Alaska oder Afrika auch etliche Wildbeobachtungen gemacht hat. Er würde sich freuen, wenn sich möglichst viele einen „Augenblick mal“ Zeit nehmen für die neue Ausstellung und sich auf der Safari durch die bunte Welt der Tiere im Haus Beda überraschen lassen. Von ungewohnten Sichtweisen, verrückten Ideen, detailgenauen Darstellungen und fesselnden Augenblicken.

Die Ausstellung „Augenblick mal“ wird am Sonntag, 9. September, um 11 Uhr im Haus Beda eröffnet. Zu sehen sind Werke von Ute Bartels, Bernd Hanrath, Gabriele Haslinger, Annette Isfort, Eugen Kisselmann, Rudi Kohl, Harro Maass, Jörg Mangold, Bodo Meier, Bernd Pöppelmann, Claus Rabba und Robin d’Arcy Shillcock.

Da krabbeln Tiere aus einem Karton ins Bild...
Da krabbeln Tiere aus einem Karton ins Bild... FOTO: TV / Dagmar Schommer
... und ein Nashorn stampft durchs Abendrot...
... und ein Nashorn stampft durchs Abendrot... FOTO: TV / Dagmar Schommer
... und dieser Leopard gibt einem Stück Treibholz ein Gesicht.
... und dieser Leopard gibt einem Stück Treibholz ein Gesicht. FOTO: TV / Dagmar Schommer