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Jugend in der Eifel: 58 Bilder und Texte von jungen Menschen auf dem Land

Ballgefühl beim Jonglieren: Clara Vos aus Hollnich liebt Zirkus und Akrobatik. TV-Foto: Bettina Bartzen
Ballgefühl beim Jonglieren: Clara Vos aus Hollnich liebt Zirkus und Akrobatik. TV-Foto: Bettina Bartzen
Bitburg. 58 Porträtbilder und kurze Texte umfasst der Bildband "Jugend in der Eifel", den die Bitburger Fotografin Bettina Bartzen kürzlich veröffentlicht hat. Volksfreund.de stellt in loser Folge die Porträts der Jugendlichen vor, die in dem Bildband erklären, was ihnen an der Eifel gefällt und wie sie in der ländlichen Region leben.

Junge Menschen aus der Eifel lieben ihre Heimat: Diese zentrale Erkenntnis aus einer Studie des Trierer Soziologen Professor Waldemar Vogelgesang war Ausgangspunkt für ein Buchprojekt der freien Fotografin und TV-Mitarbeiterin Bettina Bartzen. Zwei Jahre lang hat sie an ihrem großen Fotoband "Jugend in der Eifel" gearbeitet und damit der wissenschaftlichen Arbeit ein Gesicht - oder besser: 58 Gesichter - gegeben. Heute stellt der TV die 15-jährige Clara Vos aus Hollnich vor, einem 87 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Habscheid in der Verbandsgemeinde Prüm.
Im Folgenden die Worte von Clara Vos über ihr Leben als Jugendliche in der ländlich geprägten Eifel:

" Hier ist es richtig schön, obwohl die Busverbindungen blöd sind. Nachdem ich durch die Welt gereist bin, kann ich mir vorstellen, wieder in die Eifel zurückzukommen. Ich mag den Freiraum in der Natur. Vielleicht an einem Ort, der nicht so abgelegen ist wie Hollnich. Manche Sachen wären in der Stadt zwar besser, aber dort gibt es auch viele Nachteile. In der Stadt kann man sich nicht immer zurückziehen, überall sind Leute. Die Eifeler sind zwar gastfreundlich, aber gegenüber Ausländern, anderen Sitten und Bräuchen können sie sehr hart sein. Man darf eben nicht zu anders sein, um akzeptiert zu werden. Die Dorfgemeinschaften sind sehr stark, aber es gibt auch Feindschaften zwischen den Dörfern. In Facebook mache ich nichts. Es ist wichtig, nicht nur Kontakt über das Internet zu haben. Wir treffen uns in der Schule oder zu Hause und verabreden uns über SMS oder Handy. Wie meine Mutter spiele ich Geige. Ich bin in der Musikschule Bitburg-Prüm, im Kammerorchester, im Schulorchester, und ich spiele in einem Quartett. Schöne Walzer oder schwungvolle Musik mag ich am liebsten.

Wenn der Winter mit einem riesigen Feuer verbrannt wird, sind alle aus dem Dorf unterwegs. Zum Burgfeuer gehen die Väter in den Wald Holz holen und die Jugendlichen passen auf, dass niemand aus einem anderen Dorf die Burg schon vorher abbrennt. Von der Schule aus mache ich Zirkus und Akrobatik. Das ist für den Körper ziemlich anstrengend. Im Sommer habe ich mit Slackline - ähnlich wie Seiltanzen - angefangen.
In meiner Freizeit lese ich gerne Fantasyromane. Nach meinem Abitur werde ich auf jeden Fall studieren, etwas mit Sprachen machen oder mit Kindern. Eine genaue Vorstellung habe ich noch nicht. Ich könnte mir sehr gut ein Studium in England vorstellen, andere Kulturen kennenlernen und andere Sprachen sprechen. Allerdings wäre London nichts für mich. Das ist eine Riesenstadt, wo nur Touristen herumlaufen. Australien ist das Land meiner Träume, wo ich gerne mal für ein Jahr leben möchte. Die Umwelt oder Kinder unterstützen oder Spendenaktionen machen, stehen auch auf meiner Liste für die Zukunft."

Das 144 Seiten umfassende Fotobuch "Jugend in der Eifel", in Herausgeberschaft der Kreisvolkshochschule Bitburg-Prüm, ist im Verlag Seltmann+Söhne erschienen und kostet 22,90 Euro. Das Werk ist in den regionalen Buchläden erhältlich. Es kann auch über die Kreisvolkshochschule Bitburg-Prüm oder den Onlineshop des Verlags unter www.seltmannundsoehne.de bezogen werden.