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Bekommt Neuerburg sein neues Highlight?
Kann eine Hängeseilbrücke Neuerburg beleben?

Kann man so bald über Neuerburg wandern? Momentan steht zur Debatte, ob die Stadt eine Hängeseilbrücke bekommt. Die Brücke könnte zum Schutz jedoch ein Fangnetz ab Hüfthöhe bekommen.
Kann man so bald über Neuerburg wandern? Momentan steht zur Debatte, ob die Stadt eine Hängeseilbrücke bekommt. Die Brücke könnte zum Schutz jedoch ein Fangnetz ab Hüfthöhe bekommen. FOTO: TV / Volker Krump
Neuerburg . Bekommt die Stadt an der Enz ein neues Highlight? Der Planer hat seine Idee auf einer Bürgerversammlung vorgestellt. Er erntet Kritik, aber auch eine Menge Zustimmung.

Eine Hängeseilbrücke, quer über Neuerburg. Das klingt auf den ersten Blick wie eine ziemlich aussichtslose und illusorische Idee. Und das war sie auch noch bis vor zwei Jahren. „Wir standen oben an der Burg und dachten uns: Man müsste eine Brücke bis auf die andere Seite bauen“, erklärt Volker Krump, Ideengeber des Projekte. Aus der „Schnapsidee“ ist ein zumindest theoretisch realistisches Szenario geworden. Bei einer Bürgerversammlung in der Neuerburger Stadthalle hat Krump nun sein Projekt den Bürgern vorgestellt. Der TV beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum braucht Neuerburg die Brücke? 89 Gebäude stehen derzeit in Neuerburg leer. Sowohl Wohn- als auch Geschäftsräume verfallen teilweise, weil sich kein Interessent findet. Auch die Burg könnte bald zum Unheil werden. Diese ist momentan an den Bund Neudeutschland mit Sitz in Köln verpachtet und wird von Volker Krump als Jugendherberge betrieben. Dieser Vertrag endet 2029. Der Pächter signalisierte bereits, dass er diesen nicht verlängern wolle. Die Burg fällt also zurück an die Stadt, die sie laut Bürgermeister Lothar Fallis aber „nicht bezahlen kann“. Dadurch verfällt auch die Konzession für die Jugendherberge. „Beim derzeitigen Zustand ist fraglich, ob wir eine neue bekommen“, sagt Volker Krump. Sprich: Neuerburgs Gemeindekassen werden noch leerer, die Stadt nicht interessanter. „Wenn wir nichts tun, wird Neuerburg eine Ruinenstadt“, sagt der Planer.

Was ist geplant? Die Brücke soll von der Burg quer über die Stadt, genau über den Wasserfall bis zum Hexentanzplatz und der Kanzel auf der anderen Seite reichen. Damit hätte sie eine Länge von 430 Metern und eine Höhe von etwa 100 Metern. Zum Vergleich: Die bekannte Hängebrücke in Moersdorf (Hunsrück) ist 360 Meter lang und ebenfalls knapp 100 Meter hoch. Die Neuerburger Brücke soll nicht so sehr durchhängen, da sie über bebautes Gebiet führt – als europaweit erste Hängebrücke. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, stellt Volker Krump heraus. Dazu ist ein Wanderweg geplant, der die Touristen vorbei an den Sehenswürdigkeiten und den Geschäften führen soll. „Damit diese auch ihr Taschengeld in der Stadt lassen“, sagt Krump. Seine Ideen gehen weit, von einer Outlet-Shopping-City wie in Bad Münstereifel, über eine Kneipenstraße wie in Leipzig, bis hin zu einem riesigen Weihnachtsmann, der mit seinem Schlitten von der Brücke hängt.

Was kostet die Brücke und wer soll sie bezahlen? Als Vergleich dient auch hier die Brücke in Moersdorf. Diese kostete etwa 1,4 Millionen Euro und wurde teilweise aus Förderungen, Zuschüssen und Eigenleistungen der Gemeinde bezahlt. Geld, das Neuerburg nicht hat, wenngleich die Brücke laut Volker Krump „in kürzester Zeit refinanziert wäre“. Dies könnte durch Eintrittsgeld und Parkgebühren erreicht werden. Eine zweite Möglichkeit wäre ein Investor. Diesen zu finden, sieht Krump als „kleinstes Problem“. Der Neuerburger Planer stellt auch die langfristigen Folgen heraus: „Mit der Brücke müsste Neuerburg sich die nächsten zehn bis 20 Jahre keine Gedanken um Geld machen.“

Welche Probleme gibt es? Es ist nicht klar, ob das Projekt realisierbar ist. „Das ist bis jetzt nur eine Idee. Es gibt noch keine Machbarkeitsstudie oder Bodengutachten“, stellt Krump klar. Auch die Anwohner sind teilweise skeptisch. Direkt betroffen sind „nur“ zwei Häuser, über die die Brücke direkt führt. „Ich bin dagegen. Ich möchte nicht, dass mir da jemand in den Garten schauen kann“, sagt einer dieser Hausbesitzer. Er werde „Schritte gegen die Brücke einleiten, wenn notwendig“. Diesen Einwand kontert Krump. Jedes Grundstück in Neuerburg sei schon jetzt von irgendeinem Punkt einsehbar. Dem Kritiker zufolge bestehe jedoch die Gefahr, dass Menschen Dinge von der Brücke werfen oder herunterurinieren könnten. Volker Krump sagt dazu, dass man die Brücke mit sehr engmaschigen Bodenplatten, durch die nicht einmal ein Ein-Cent-Stück passt. Dieser Schutz reiche bis zur Hüfte, darüber könnte ein durchschaubares Fangnetz vom Herunterwerfen oder vor Suizidversuchen schützen. Auch Stadtratsmitglied Günther Scheiding hat Bedenken: „Die Häuser unter der Brücke werden wertlos.“ Er spricht sich für einen anderen Standort, ohne bebautes Gebiet aus. Planer Krump reagiert mit scharfen Worten auf dieses Argument: „Die Entwicklung der Stadt nur zu behindern, weil man von der Brücke hinunterschauen kann, ist falsch.“ Eine Befragung unter den etwa 150 Besuchern per Handzeichen zeigt jedoch, dass die Mehrheit das Bauwerk befürwortet.

Wie geht es weiter? Nun ist der Stadtrat am Zug. Er soll über die Pläne entscheiden. Lehnt er sie ab, dann ist das Projekt erstmal vom Tisch. Stimmt er zu, dann müssten Gutachten und Machbarkeitsstudien angefordert werden. Bürgermeister Lothar Fallis ist für die Brücke – mit Einschränkungen: „Ich unterstütze das Projekt zu 100 Prozent. Wenn es finanzierbar und machbar ist.“