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Kirche
Kaum genutzt und trotzdem wichtig

 Die Kirche in Orsfeld prägt seit mehr als 200 Jahren das Erscheinungsbild der Gemeinde, tut das derzeit aber nicht besonders schön.
Die Kirche in Orsfeld prägt seit mehr als 200 Jahren das Erscheinungsbild der Gemeinde, tut das derzeit aber nicht besonders schön. FOTO: Uwe Hentschel
Orsfeld. Weil die Erhaltungs- und Sanierungskosten einfach zu hoch sind, werden im Eifelkreis in absehbarer Zeit die ersten Kirchen schließen. In Orsfeld wird alles dafür getan, ein solches Schicksal abzuwenden. Von Uwe Hentschel

Aus energetischer Sicht und rein wirtschaftlich betrachtet sind Kirchen ein Fass ohne Boden. Darüber kann man hinwegsehen, solange die sakralen Bauten wenigstens gut genutzt werden. Doch selbst das ist in vielen Dörfern der Eifel schon längst nicht mehr der Fall. Weshalb man sich als Zivil- und Kirchengemeinde bei jeder anstehenden Sanierung die Frage stellen kann: Lohnt es sich überhaupt noch so viel Geld reinzustecken?

„Diese Frage ist durchaus berechtigt“, sagt Dechant Klaus Bender, während mit diesen Worten kleine Nebelwolken aus seinem Mund kommen und sich im kalten Raum der Orsfelder Kirche verteilen. Früher wurde die Kirche in den Wintermonaten noch durchgehend geheizt. Jetzt wird der Kessel nur noch angefeuert, wenn Messe ist – was in Orsfeld noch ein Mal pro Monat der Fall ist.

Und wie Bender erzählt, seien diese Gottesdienste auch nicht sonderlich gut besucht. „Das Heizöl wird aus der Kollekte finanziert“, sagt der Dechant. „Und wenn immer weniger kommen, wird auch die Kollekte immer geringer.“

Für den harten Kern der Kirchgänger wird es also zunehmend ungemütlich. Zumal die Orsfelder Filialkirche derzeit ohnehin nicht besonders einladend ist: Die Fassade hat Risse und ist stark verwittert, das Dach ist kaputt, die Wände sind feucht, die Fenster undicht, und am Sockel bröckelt der Putz. „Die Kirche sieht schrecklich aus“, fasst es der Orsfelder Bürgermeister Peter Schwickerath in einem Satz zusammen. „Da muss dringend etwas passieren.“ Zumal die Kirche mitten im Dorf stehe und das mit Abstand ortsbildprägendste Gebäude in Orsfeld sei. Unabhängig von ihrer Nutzung sei die Kirche nun mal der Mittelpunkt der Gemeinde, sagt der Bürgermeister. Und allein schon aus diesem Grund könne man sie nicht sich selbst und damit dem Verfall überlassen.

Wie viel es kosten würde, die Mängel zu beheben, lässt sich derzeit nur grob sagen. Bender spricht von gut 240 000 Euro, Schwickerath rechnet mit mindestens 300 000 Euro. Der Ortsbürgermeister ist aber froh, dass sich das Bistum dazu bereit erklärt hat, 60 Prozent der Kosten zu übernehmen. Das allerdings gelte nur für Arbeiten zur Erhaltung der Kirche, betont der Dechant. Verschönerungen, wie etwa der Anstrich der Fassade, würden nicht vom Bistum mitgetragen.

Dass das Bistum angesichts der eher schwachen Frequentierung der Kirche dennoch bereit ist, einen sechsstelligen Betrag in die Sanierung des Gebäudes zu investieren, hängt laut Bender auch damit zusammen, dass die um 1779 gebaute Kirche zukünftig vor allem für die Kindergottesdienste im Kyllburger Pfarrbezirk genutzt werden soll. Aus diesem Grund sei auch geplant, die vorderen Bankreihen komplett zu entfernen, um dort mehr Platz schaffen.

„Die Veranstaltungen mit den Kindern sind zwar keine richtigen Gottesdienste mehr“, sagt der Dechant, „aber vielleicht gelingt es uns dadurch, die Kirche wieder mehr zu beleben.“ Zudem könnte sich Bender vorstellen, den Altar weiter in Richtung Kirchenmitte zu verlagern, damit der Abstand zwischen ihm und den Kirchgängern, die bevorzugt in den hinteren Reihen säßen, nicht so groß sei.

Doch auch wenn das Bistum einen Teil der Kosten trägt, so bleibt immer noch ein großer Brocken für die Orsfelder. Seitens der Gemeinde und der Kirche gibt es Überlegungen, durch den Verkauf von Grundstücken, die zwar der Kirchengemeinde Kyllburg gehören, aber auf Orsfelder Bann liegen, einen Teil der Kosten zu decken. Wie Bender erklärt, gebe es dazu bereits Gespräche mit dem Bistum.

Ortsbürgermeister Schwickerath geht aber davon aus, dass das bei weitem nicht reichen wird. Für eine kleine Gemeinde wie Orsfeld mit ihren derzeit 186 Einwohnern sei das kaum noch zu stemmen. Zumal unabhängig davon derzeit auch noch die Sandsteinmauer bei der Kirche instandgesetzt werden müsse.

„Wir haben bei der letzten Sanierung der Kirche sehr viel in Eigenleistung gemacht und werden das auch diesmal wieder versuchen“, sagt Schwickerath. „Aber irgendwann stoßen wir dann doch an unsere Grenzen.“

 Die Kirche in Orsfeld prägt seit mehr als 200 Jahren das Erscheinungsbild der Gemeinde, tut das derzeit aber nicht besonders schön.
Die Kirche in Orsfeld prägt seit mehr als 200 Jahren das Erscheinungsbild der Gemeinde, tut das derzeit aber nicht besonders schön. FOTO: Uwe Hentschel
  Die Kirche in Orsfeld prägt seit mehr als 200 Jahren die Gemeinde, tut das derzeit aber nicht besonders schön.
Die Kirche in Orsfeld prägt seit mehr als 200 Jahren die Gemeinde, tut das derzeit aber nicht besonders schön. FOTO: Uwe Hentschel