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Keine Zeit für Eichenschränke: Welle der Hilfsbereitschaft für die Unwetter-Geschädigten läuft

Gebäudetrockner stellen das Rote Kreuz und der Eifelkreis für Betroffene der Unwetterkatastrophe ohne Elementarversicherung kostenlos zur Verfügung. Das Bild zeigt (von links) Roland Metzinger und Tom von der Kley vom DRK-Ortsverein Bitburg bei der Verteilung der Apparate.
Gebäudetrockner stellen das Rote Kreuz und der Eifelkreis für Betroffene der Unwetterkatastrophe ohne Elementarversicherung kostenlos zur Verfügung. Das Bild zeigt (von links) Roland Metzinger und Tom von der Kley vom DRK-Ortsverein Bitburg bei der Verteilung der Apparate. FOTO: tv / Uwe Hentschel
BITBURG/PRÜM. Die Welle der Hilfsfbereitschaft für die Unwetter-Geschädigten läuft. In Dudeldorf haben Freiwillige beim Aufräumen geholfen, in Internet-Foren werden Sachspenden angeboten. Manchmal auch mehr, als gebraucht werden. Von Ulrike Löhnertz
Ulrike Löhnertz

Rainer Hoffmann ist begeistert. 155 000 Euro sind bis jetzt auf dem Spendenkonto  eingegangen, das DRK Bitburg und der Eifelkreis (zusätzlich zu den 75 000 Euro von Land und Kreis) als unbürokratische Hilfe für die Unwetteropfer in der Eifel  eingerichtet haben. Hoffmann, Geschäftsführer des DRK, freut sich besonders, dass neben den Großspendern (Kreissparkasse, Stiftung der Bitburger Brauerei) auch viele Privatleute  mit finanziellen Mitteln helfen. „Es sind auch viele kleinere Beträge eingegangen - mal fünf Euro, mal zehn, 20 oder 50 Euro“, sagt er. Er danke ausdrücklich allen Spendern, ebenso Landrat Streit und DRK-Präsidentin  Monika Fink.

Das Geld soll nach dem Willen der Initiatoren auch schnell wieder ausgegeben werden. Denn es ist als Soforthilfe gedacht. Und zwar für die Menschen, die wegen des Unwetters in akuten Notlagen sind. Dabei geht es laut Kreissprecher Ansgar Dondelinger besonders darum, „unmittelbare Beeinträchtigungen durch den Verlust der Unterkunftsmöglichkeit zu überbrücken, um Ersatzkleidung oder notwendige Verpflegung  zu besorgen oder um die angemessene Versorgung von Kindern oder unmittelbaren Familienangehörigen zu ermöglichen“.

Der Höchstbetrag der Soforthilfen ist auf 1500 Euro je Haushalt begrenzt.  Um zu gewährleisten, dass alles mit rechten Dingen zugeht, sind die Anträge bei den Ortsbürgermeistern und Ortsvorstehern erhältlich, die die eingetretenen Schäden und die dadurch entstandenen Notlagen bestätigen.


Die finanzielle Soforthilfe  ist jedoch nur ein Teil in der Palette der Angebote. So gilt es für viele Betroffenen erst mal, die Häuser wieder trocken zu kriegen. Dafür hatten Eifelkreis und  DRK 146 Gebäudetrockner beim DRK-Logistikzentrum in Berlin angefordert, die an Betroffene der Unwetter-Katastrophe ohne Elementarschadenversicherung kostenlos verliehen werden. „133 sind bereits ausgeliefert“, sagt Hoffmann. Falls die  Trockner, für die der Bitburger Werkzeugmarkt Riewer einen Lagerraum zur Verfügung gestellt hat, nicht reichen sollten, werde man neue nachbestellen. Kosten fürs Verleihen entstehen dem DRK und dem Eifelkreis nicht, lediglich der Transport, Reinigung und Rücktransport müssten finanziert werden. Das werde übers Spendenkonto abgewickelt.


Apropos Spenden. Foren für  Sachspenden und helfende Hände gibt es in zwei Facebook-Gruppen und auf einer Internet-Plattform, die jeweils Privatleute eingerichtet haben. Hier werden Möbel, Spülmaschinen, Kühlschränke, aber auch helfende Hände angeboten und gesucht. Michael Theis, der auf Eigeninitiative ebenfalls ein solches Hilfeforum unter https://forum.theis.link eingerichtet hat, bekommt allerdings wenig Rückmeldung, wann und wo welche Hilfe nun ankommt. Er geht davon aus, dass mehr Möbel angeboten werden als überhaupt derzeit gebraucht werden. Das bestätigt auch Christiane Rach, die die Facebook-Gruppe „Unwetter Eifel _ Wir halten zusammen“ ins Leben gerufen hat. Nicht Couchgarnituren und Eichenschränke würden gesucht, sondern spezielle Dinge wie Spülmaschinen und Leute, die mal mit anpacken.

Auch Stefan Lonien, Bürgermeister von Dudeldorf, sieht das so. „In vielen Häusern laufen die Gebäudetrockner, da haben die Leute noch keinen Kopf Möbel“, sagt er. Zudem habe man dank der Hilfe der Dudeldorferin Sara Wintrich La Pierre jetzt schon eine so lange Liste an Möbelangeboten, dass man gar nicht wisse, ob man die überhaupt brauche. Deshalb sei es nun sinnvoller, nur noch auf konkrete Anfragen zu reagieren.

Ähnlich sieht es bei Helfern aus. So haben am Samstag Helfer in Badem und Dudeldorf aufgeräumt. Etwa 100 Freiwillige, darunter 40 Amerikaner von der Air Base, haben in Dudeldorf den Langenbach von Müll befreit, den Abfall sortiert und den Sperrmüll weggebracht. Über das Ausmaß der Schäden, die Verbandsgemeinde und Gemeinde schultern müssten, könne er noch nichts sagen, erklärt Lonien. Sicher sei aber, dass noch einiges getan werden müsse. Dafür brauche man allerdings Minibagger und anderes schweres Gerät. Und eventuell auch Helfer. Aber dann würde er einen speziellen Aufruf starten.


Helfen wollen auch Vereine und Firmen mit besonderen Aktionen. Zum Beispiel die Fußballer der Westeifelauswahl. Sie spielen am Samstag ab 15 Uhr gegen den BVB II in Lünebach. Bei dem  Kick für den guten Zweck geht der Erlös unter anderem an die Betroffenen der Unwetter-Katastrophe (neben  Lebenshilfe Prüm und Mach-Melli-mobil). „Leider hat man in den letzten Tagen Bilder vor der eigenen Haustür erlebt, die man sonst nur aus der Ferne kennt. Auch uns hat es mitgenommen“, schreibt der Verein. Deshalb wünsche man sich, dass ganz viele Leute zu diesem Fußballfest zusammen kommen und eine schöne Spende dalassen.“

Auch das Projektorchester Dudeldorf-Ordorf/Spangdahlem sammelt. Es lädt für Samstag, 30. Juni, um 20 Uhr zu einem Benefizkonzert in der Burg Dudeldorf ein. Der komplette Erlös des Abends wird den Hochwasseropfern in Dudeldorf und Ordorf zugute kommen.

Die Idee wurde aus der Not geboren. Als  das Projektorchester am in Dudeldorf geplanten Konzertabend, dem 9. Juni,  aufgrund des plötzlich schlechter werdenden Wetters nach Spangdahlem ausgewichen war, zeigte sich schon in der Halbzeitpause, dass sich in Dudeldorf und Ordorf eine Katastrophe  ereignen würde. „Unsere Musik soll dazu beitragen, die Gedanken der vergangenen Tage beiseite zu schieben und ein paar schöne Stunden bei uns zu verbringen“, schreibt  Mitglied Nadine Berger.

Neben Vereinen sind auch Firmen aktiv. So spenden zum Beispiel die Metzgerei Schares, Elektro Kurth  und der Kinderladen Kleiner Luppes in Bitburg Prozente des Umsatzes.

Kicken für den guten Zweck: die Fußballer der Westeifelauswahl. Sie spielen  am Samstag ab 15 Uhr gegen den BVB II in Lünebach.
Kicken für den guten Zweck: die Fußballer der Westeifelauswahl. Sie spielen am Samstag ab 15 Uhr gegen den BVB II in Lünebach. FOTO: tv / Ilija Kozulovic