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Kindergarten auf der Kippe

Traurige Situation: Die Tage des Kindergartens Ormont sind vielleicht gezählt.Foto: Anton Seiberts
Traurige Situation: Die Tage des Kindergartens Ormont sind vielleicht gezählt.Foto: Anton Seiberts FOTO: anton seiberts
ORMONT. Fehlende Anmeldungen, sinkende Geburtenzahlen: Dem Kindergarten in Ormont droht die Schließung. Während einer Einwohnerversammlung wurde das Thema heiß diskutiert. Von unserem Mitarbeiter <br>ANTON SEIBERTS

Das Letzte vorneweg: Für Ortsbürgermeister Cornelius Dahm verlief bei einer Einwohnerversammlung die Diskussion um die drohende Schließung des Ormonter Kindergartens konstruktiv und vorbildlich ­ trotz der Brisanz dieses Themas, wie er in seinen Schlussworten betonte. Allerdings mochten viele der zahlreich anwesenden Ormonter den zweiten Tagesordnungspunkt "Unser Dorf soll schöner werden ­ Unser Dorf hat Zukunft" vor allem im zweiten Teil nicht mehr unterschreiben. Kritische Situation auf lange Sicht

Was ist der Hintergrund? Sinkende Geburten- und Kinderzahlen und damit Anmeldezahlen auf unterstem Niveau lassen für das Jahr 2004/05 die Mindestzahl der Kinder unter die gesetzliche Untergrenze von 15 (Sollstärke 25 Kinder) sinken. Damit müsste der Eingruppenkindergarten in Ormont eigentlich geschlossen werden. Zudem werde diese Mindestvoraussetzung auch nachhaltig unterschritten, und eine gegenläufige Entwicklung sei nicht erkennbar, erläuterte Cornelius Dahm die kritische Situation. Berthold Schmitz als Vertreter des Landrats, der zusammen mit Dietmar Engeln vom Jugendamt und Abteilungsleiter Dieter Hilgers, Verbandsgemeindeverwaltung Obere Kyll, nach Ormont gekommen war, meinte ­ zwar nicht ganz ernst gemeint: "Das Problem liegt bei Ihnen als Eltern", unterstrich aber, dass dieser gesellschaftliche Trend überall erkennbar und nicht "ormontspezifisch" sei. In Hallschlag wurde erst kürzlich der Beschluss gefasst, eine zweite Gruppe im Kindergarten zu schließen. Vordergründig ist das alles für die Ormonter Eltern kein Argument, "ihren" Kinderarten zu schließen. Sie stehen zu ihrer Einrichtung, die sich der Vertreter des Landrats zuvor angeschaut und als "wunderschöne, kleine feine Einrichtung" bezeichnet hatte. "Das tut schon weh", zeigte er Verständnis für die Ormonter. "Einmal zu, immer zu", meinte eine Mutter zur möglichen Schließung des seit 23 Jahren bestehenden Kindergartens. In diesem Zusammenhang diskutierte man auch die grundsätzliche Situation in Deutschland. VG-Rats-Mitglied Christian Lux forderte eine Umkehr des Trends "überall nur die Türen zu schließen" und bat Gemeinde und Rat, gegebenenfalls die Prioritäten im Hinblick auf den Kindergarten zu überprüfen. Im Zusammenhang mit Alternativen bei einer Schließung stand der Transport der Kinder zu anderen Kindergärten zur Diskussion. Auch spielte das aktuelle Urteil zur verantwortlichen Aufsicht bei Bustransporten eine Rolle. Der Hallschlag-Scheider Kindergartenzweckverband hat gerade durch die Schließung der zweiten Gruppe aktuell eine Offerte zur Aufnahme der Ormonter Kinder beschlossen. "Man kann ja auch die Scheider Kinder zur Verstärkung des Ormonter Kindergartens nach hier bringen", lautete ein Vorschlag und damit ein Griff zum Strohhalm. Außerdem wurde empfohlen, die Ormonter Situation nicht unmittelbar mit der Hallschlager zu verquicken, da das rein zufällig zusammenfalle und jede Gemeinde zunächst für sich selbst nach Lösungen suchen müsse. Kurzum, es wurde reichlich hin und her diskutiert, mal mehr, mal weniger fundiert. In einem waren sich die Versammlungsteilnehmer allerdings einig: Man möchte die Arena nicht kampflos verlassen, wobei der gemeinsame Dialog im Vordergrund stehen soll. Aber auch Ortsbürgermeister Cornelius Dahm war noch nicht klar, wie diese tragbare Lösung, "die für alle finanzierbar bleiben muss", aussehen soll. Entscheiden wird letztendlich der Jugendhilfeausschuss des Kreises Daun. Zuvor wird der Gemeinderat seine Gründe für das Weiterbestehen des Ormonter Kindergartens zu Papier bringen und parallel mit einem entsprechendem Antrag aus der Eltern- und Bürgerschaft an den Jugendhilfeausschuss und das Land Rheinland-Pfalz heran treten.