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Wirtschaft
Klinkenputzen zwischen den Bäumen

Die Holzvermarktung in Rheinland-Pfalz soll neu geregelt werden.
Die Holzvermarktung in Rheinland-Pfalz soll neu geregelt werden. FOTO: dpa-tmn / Nicolas Armer
BITBURG. Weil der Landesforsten zukünftig die Holzvermarktung der Kommunen nicht mehr übernehmen darf, werden nun regionale Vermarktungsgesellschaften gegründet. Die Stadt Bitburg wird sich einer dieser Gesellschaften anschließen. Von Uwe Hentschel

Es ist eine Entscheidung, die in Nordrhein-Westfalen gefällt wurde, das Land Baden-Württemberg betrifft und am Ende auch Auswirkungen auf alle Kommunen in Rheinland-Pfalz hat: Das für Kartellsachen zuständige Oberlandesgericht Düsseldorf hat im vergangenen Jahr ein Urteil gefällt, das dem Land Baden-Württemberg die gemeinsame Rundholzvermarktung aus Staats- und Nichtstaatswald untersagt. Vor diesem Hintergrund hat sich auch die rheinland-pfälzische Landesregierung in Abstimmung mit dem Gemeinde- und Städtebund (GStB) dazu entschlossen, die Holzvermarktung neu zu regeln. Bislang wurde das Holz aus den Gemeindewäldern zum Großteil über den Landesforsten vermarktet. Ab 2019 ist damit Schluss. Dann soll diese Aufgabe in Rheinland-Pfalz von insgesamt fünf regionalen Holzvermarktungsgesellschaften übernommen werden.

Eine dieser kommunalen Einrichtungen wird die Holzvermarktungsgesellschaft „Region Eifel“ sein, deren Zuständigkeitsbereich das Gebiet von Adenau bis zur VG Südeifel umfasst und deren Sitz in Hillesheim sein wird. Die Stadt Bitburg, die ihr Holz derzeit ebenfalls über den Landesforsten verkauft, hat kürzlich beschlossen, dass sie dieser Gesellschaft beitreten wird. Erst hat der Hauptausschuss geschlossen dafür gestimmt, eine Woche später dann der Stadtrat.

Zeitgleich mit der Sitzung des Stadtrats ist die Beteiligung an der Gesellschaft auch Thema im Hauptausschuss der VG Bitburger Land. Dort allerdings muss noch etwas mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die VG zu einem Beitritt zu bewegen. Und derjenige, der diesen Job übernommen hat, ist Winfried Manns, ehemaliger Geschäftsführer des GStB.

Wie Manns erklärt, soll diese neue Gesellschaft vom Land in den ersten sieben Jahren mit bis zu 500 000 Euro pro Jahr gefördert werden. Finanziert werden sollen damit vor allem die Personalkosten. Die Höhe der Förderung richtet sich nach den verkauften Festmetern, hängt also letztlich davon ab, wie viele Kommunen mit ihrem Holz der Vermarktungsgesellschaft beitreten. „Wir müssen auf mindestens 100 000 Festmeter pro Jahr kommen“, erklärt Manns. Angestrebt werde pro Gesellschaft eine Menge von rund 250 000 Festmetern.

Gesellschafter der neuen Einrichtung sollen aber nicht die einzelnen Kommunen, sondern die Verbandsgemeinden und verbandsfreien Städte sein. Und innerhalb der Verbandsgemeinde ist es den Gemeinden wiederum freigestellt, ob sie ihr Holz zukünftig über die neue Gesellschaft vermarkten, sich selbst darum kümmern oder aber diese Aufgabe beispielsweise auf den Waldbauverein Bitburg übertragen. Für die Beteiligung der VG an der kommunalen Vermarktungsgesellschaft spielt es dabei zunächst keine Rolle, ob sich nun zehn, 20 oder gar alle waldbesitzenden Gemeinden dem neuen Vermarktungsmodell anschließen wollen. Selbst wenn am Ende nur eine der insgesamt 71 Gemeinden im Bitburger Land den Holzverkauf auf die Gesellschaft übertragen will, muss sich die VG an der GmbH beteiligen.

Dass die Beteiligung so gering sein wird, ist aber äußerst unwahrscheinlich, da derzeit bereits das meiste Gemeindeholz über den Landesforsten vermarktet wird. Und wie Manns betont, wird sich für die Gemeinden auch durch die Neuordnung nicht viel ändern – außer vielleicht der Ansprechpartner. Bislang war das in der Regel das zuständige Forstamt. Zukünftig wird dieser Ansprechpartner bei der Geschäftsstelle in Hillesheim zu finden sein.

Anders als ihre Kollegen im Hauptausschuss der Stadt Bitburg können sich die Vertreter im Hauptausschuss der VG Bitburger Land nicht zu einer definitiven Mitglied­schaft in der neuen, noch zu gründenden Vermarktungsgesellschaft durchringen. Stattdessen wird zwar die Absicht in Aussicht gestellt, die Verwaltung aber zunächst dazu aufgefordert, in den Gemeinden nachzuhören, wie sie zu der Sache stehen.

Daran interessiert ist auch Kurt Rings, Geschäftsführer des Waldbauvereins Bitburg. Auch er hat in den vergangenen Wochen bereits bei Infoveranstaltungen in den Verbandsgemeinden Speicher, Süd­eifel und Bitburger Land um eine Übertragung der kommunalen Vermarktung auf den Waldbauverein beziehungsweise dessen zuständige Tochtergesellschaft geworben. „Wir stehen mit einigen Gemeinden in guten Gesprächen und wären froh, wenn wir das übernehmen könnten“, sagt Rings.

Besonders interessiert sei der Waldbauverein unter anderem auch an einer Zusammenarbeit mit dem Forstverband Geweberwald, dem ein Dutzend Gemeinden angehören. „Mir ist dabei aber wichtig, dass wir da eine einheitliche Lösung finden“, betont der Chef des Waldbauvereins. „Sollten sich nachher zum Beispiel acht Gemeinden des Forstverbands für die neue Vermarktungsgesellschaft und nur vier für den Walbauverein entscheiden, dann werden wir uns darum bemühen, dass sich auch diese vier Gemeinden der neuen Gesellschaft anschließen“, erklärt Rings. Schließlich sei für die Betreuung des gesamten Gebiets nach wie vor ein Revierförster zuständig. Und diesem Förster würde man die Arbeit deutlich erschweren, wenn dort auf einmal zwei Vermarktungswege entstünden.