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Gesundheit
Landarzt gesucht, Syrer gefunden?

Bitburg/Prüm. In der Eifel fehlt es an Ärzten. Derzeit versucht die Kreisverwaltung Mediziner, die aus der Region weggezogen sind, zur Rückkehr zu bewegen. Doch was ist mit den Ärzten, die  als Flüchtlinge kamen? Diese Frage hat die SPD dem Landrat nun gestellt. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Acht Namen stehen auf der Liste, die die Kreisverwaltung im Mai 2017 von der Integrationsbeauftragen Gunda Gercke-Stolzenbach bekommt. Es sind acht Ärzte, deren Fluchtwege aus Syrien in die Region geführt haben. Acht Mediziner, die gerne rund um Bitburg und Prüm Patienten behandeln würden. Doch daraus wurde nichts. Dabei würden sie in der Eifel dringend gebraucht.

Bis 2022 gehen laut Prognosen 25 Haus- und 38 Fachärzte in den Ruhestand. Das entspricht der Hälfte der Mediziner. Die Kreisverwaltung ist sich dieses Problems durchaus bewusst. Sie sucht aktiv nach Eifelern, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, um hier als Ärzte zu arbeiten (der TV berichtete).

Über den Erfolg dieser Aktion will die Behörde auf Anfrage des TV erst später etwas sagen. Aber selbst wenn sich viele gemeldet hätten: Die Suche nach Medizinern wird für den Landkreis in den kommenden Jahren eine Herausforderung bleiben.

Aber hat man überhaupt alle Mittel ausgeschöpft, um Ärzte anzuwerben? Nach Ansicht der SPD-Kreistagsfraktion ist dies offenbar nicht geschehen. Das geht aus einer schriftlichen Anfrage hervor, die die Sozialdemokraten an Landrat Joachim Streit geschrieben haben.

Darin fragt der Vorsitzende Bernd Spindler unter anderem, warum im Eifelkreis keine Deutschkurse für Fortgeschrittene angeboten würden. Und, warum es den syrischen Medizinern nicht angeboten wurde, sich in einer Eifeler Praxis ausbilden zu lassen. In Trier gebe es zu solchen Zwecken sogar eine Beratungsstelle – warum also nicht in Bitburg oder Prüm? Spindler schreibt: „Wir bitten Sie, uns zu informieren, was aufgrund der übergebenen Liste unternommen wurde, um diese Ärzte in der Region zu halten.“

Das hat die Kreisverwaltung nun getan. Auf drei Seiten nimmt ein Mitarbeiter Stellung zu den acht Namen auf der Liste. So seien darunter zwei Urologen gewesen, die in Trier und damit nicht in der Gegend lebten.  Und die anderen sechs hätten nicht über ausreichende Sprachkenntnisse zur Behandlung von Patienten verfügt. Ihr Sprachniveau habe nicht mal für die Teilnahme an einem Fortgeschrittenen-Kurs gereicht. Es hätte sich daher nicht gelohnt, einen im Eifelkreis anzubieten.

 Davon abgesehen, dass das offenbar schwierig geworden wäre. Denn für einen C1-Deutschkurs brauche es einen zertifizierten Träger. Und den hatte man in der Region noch nicht gefunden. Ähnlich sah es bei der Ausbildung aus. Denn offenbar darf nur ein dafür berechtigter Mediziner einen anderen schulen. Und auch die Suche nach einem solchen gestaltete sich offenbar schwierig. Am Ende habe die Kreisverwaltung also nichts weiter tun können, als die Ärzte in Sprachkurse nach Trier zu vermitteln und eine Beratungsstelle mit der Anerkennung der ausländischen Abschlüsse zu beauftragen.

Zufrieden sei Spindler mit dieser Antwort nicht, sagt er dem TV: „Ich habe das Gefühl, dass meine Fragen gar nicht beantwortet wurden.“ Er werde die Sache aber nochmals prüfen.