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Langes Warten an zu kurzen Bahnsteigen

Die Bahnsteige am Erdorfer Bahnhof sind zu kurz, zu tief, und die dazwischen liegende Unterführung ist eine Zumutung. Dass dem so ist, weiß auch die Stadt, deren Rat deshalb bereits vor anderthalb Jahren einer Sanierung zugestimmt hat. Seitdem ist allerdings noch nicht viel passiert. Zumindest nicht in Erdorf. Uwe Hentschel

Bitburg. Wer die "Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier" durchforstet, findet dort auch eine kurze Beschreibung zum Bahnhofsgebäude in Erdorf. Nachzulesen ist dort unter anderem, dass das "pittoreske Gebäude aus roten Sandsteinquadern" 1871 gebaut wurde. Und zwar nach den Plänen des berühmten Baumeisters Carl Julius Raschdorff, der unter anderem auch die beiden Bahnhöfe in Kyllburg und Ehrang entworfen hat. Das wohl bekannteste Bauwerk Raschdorrfs ist jedoch keiner der drei Bahnhöfe, sondern der (neue) Berliner Dom, der inmitten der Hauptstadt auf der sogenannten Museumsinsel liegt.
Wer aus diesem Dom blickt, kann unter anderem den Lustgarten sehen, womit wir bei dem wären, was einem vergehen kann, wenn man vor Raschdorffs weniger bekanntem Gebäude in Erdorf steht. Dort nämlich gibt es keine großzügige Grünanlage mit Springbrunnen, sondern ein tristes Bahnhofsgelände mit Bahnsteigen, die für moderne und größere Züge zu kurz und zu tief sind, und einer Unterführung, die es vermutlich schon allein aufgrund ihres Uringestanks schwer haben dürfte, irgendwann einmal in die Datenbank der Kulturgüter aufgenommen zu werden. Doch dazu soll es ohnehin nicht kommen.
Umgestaltung der Unterführung



So plant die Stadt bereits seit langem, nach der Erneuerung des Vorplatzes (siehe Extra) auch die Situation an den Bahnsteigen zu verbessern. Bereits 2008 wurde dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gebeben, vor anderthalb Jahren dann schließlich auch vom Stadtrat der Ausbau der Bahnsteige, die behindertengerechte Umgestaltung der Unterführung zwischen den Steigen sowie die Errichtung öffentlicher Toiletten beschlossen.
Doch mit diesem Beschluss allein ist es nicht getan. Denn für den Ausbau zuständig ist die Bahn, die als Eigentümer der Gleise den größten Teil der Investition zu tragen hat. Doch damit diese überhaupt tätig wird, war zunächst ein Finanzierungsvertrag zwischen Stadt und der für den Bau zuständigen "DB Station & Service" notwendig, der nach Auskunft der Stadtverwaltung vor drei Monaten auch beschlossen wurde. Demnach lägen die Kosten nach derzeitigen Kenntnisstand bei 1,117 Millionen Euro, von denen rund 190 000 Euro auf Bitburg fielen, erklärt Werner Krämer von der Stadtverwaltung, wobei im Anteil der Stadt auch die veranschlagten 116 000 Euro Planungskosten enthalten seien.
Ein Planungsbüro ist beauftragt


"Zurzeit ist das beauftragte Planungsbüro mit der Varianten-Untersuchung beschäftigt", sagt Krämer, so dass dann voraussichtlich zum Jahresende erste Abstimmungsgespräche folgen würden. Sollten diese Gespräche fruchten, so wäre Bitburg ein Stückchen weiter, aber längst nicht am Ziel. Denn der vor wenigen Monaten unterzeichnete Vertrag regelt nach Auskunft Krämers lediglich die Grundlagen, den Umfang und die Finanzierung der Planung.
Vor der Umsetzung des Bauvorhabens müsse dann noch ein gesonderter Realisierungs- und Finanzierungsvertrag abgeschlossen werden.
Bahnhofsumfeld: In der ersten Bauphase ist das Bahnhofsumfeld, das die Stadt 1999 für 200 000 Euro von der Bahn gekauft hat, erneuert worden. Seitdem sind rund eineinhalb Millionen Euro geflossen, mit denen neue Parkplätze, Grünanlagen, eine überdachte Bushaltestelle, Fahrradboxen und Sitzbänke finanziert wurden. Zudem befindet sich direkt vor dem Bahnhof nun ein Kreisel. uhe