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Leere Schaufenster in Kyllburg füllen sich

FOTO: Stefanie Glandien
Kyllburg. Die „Offensive Kyllburg dajeh“ hat viele neue Ideen und Projekte. Um leerstehende Schaufenster muss sie sich allerdings nicht mehr vorrangig kümmern, denn da gibt es erfreuliche Entwicklungen. Stefanie Glandien

Kyllburg hat sie noch - eine Bahnhofskneipe. "Die ist urgemütlich", sagt Wolfgang Krämer, Ortsbürgermeister. Den Ort voranzubringen - das ist quasi schon von (Ehren-)Amtswegen seine Aufgabe. Aber dazu ist er auch noch bei der "Offensive Kyllburg dajeh", abgekürzt "OK-dajeh!" aktiv.

Die muntere Gruppe, die im Oktober 2012 von Wolfgang Krämer, Wirtin Marion Seitz und dem Düsseldorfer Stammgast Dietmar Wolf ins Leben gerufen wurde, hat sich unter dem Namen "Kunst Kultur Kyllburg" bereits einen Namen gemacht. Und nicht nur das: die Offensive gegen Leerstand hat sich in diesem Jahr neue Ziele gesetzt, denn in den vergangenen Jahren haben sich schon einige Schaufenster wieder gefüllt und für weitere gibt es auch schon neue Perspektiven. "Das ist uns auch lieber, als wenn wir die mit viel Aufwand mit Bildern bestücken müssen", sagt Krämer.
Im Fenster der ehemaligen Galerie Vistamente in der Hochstraße 4 wird es zukünftig also keine Kunstwerke mehr zu sehen geben.

Stattdessen soll dort Einzelhandel einziehen. Dort soll es ein Radgeschäft sein. Das bestätigt Philipp Thomas, Geschäftsführer der Alcazár Real Estate GmbH und Eigentümer der Immobilie auf TV-Anfrage. Auch für die Postagentur und die Lotto-Annahmestelle, die bislang in der Touristinformation zu finden waren und Mitte des Jahres abgegeben werden soll, gibt es schon einen Interessenten. "Die Gerüchteküche um die Postagentur hat mir schon erhebliche Sorgen bereitet", sagt Krämer. Sicher sei jedoch, dass es auf jeden Fall eine Lösung geben wird.

Erfreulich sei, so Krämer, dass einer der beiden Pavillons in der Hochstraße wieder gastronomisch genutzt werden soll. Bis voriges Jahr sei dort eine Tapas-Bar gewesen, dort habe man "wunderschön" sitzen können, sagt er. Leider haben die Betreiber aus Altersgründen aufgehört. Besitzer der Pavillons vor dem Eifeler Hof ist ebenfalls die Alcazár Real Estate GmbH. "Der Pavillon wird wieder eröffnet. Es gibt sechs Damen, die dort ein neues Konzept umsetzen möchten", sagt Thomas.

Alcazár wird zum 1. März auch den Eifeler Hof übernehmen, da der Pächter dort aufhört. Auch für den Eifeler Hof gibt es neue Ideen. Da sich die Schaufenster nun nach und nach füllen, hat sich die Bürgerinitiative neue Ziele gesetzt. "Unser neues Motto heißt: verschönern, beleben, vermarkten", sagt Krämer.

Als erstes wolle man sich die Schmuddelecken Kyllburgs verstärkt ansehen. Das seien vor allem drei kleine Stichstraßen, bei denen es Bedarf gebe, etwas zu tun. "Da gibt es etliche Grundstücke, die Besitzern gehören, die weit weg wohnen und sich nicht darum kümmern", erklärt Krämer das Problem.

Die Offensive bietet alle sechs bis acht Wochen einen Stammtisch an. Dorthin kann kommen, wer will. Es gehe immer recht locker zu. "Wer mitmachen möchte, ist willkommen", sagt er. Beim letzten Mal seien auch acht Asylbewerber da gewesen, die gerne helfen wollen, sagt Krämer, der sich darüber gefreut hat.

Geplant sind folgende Aktionen: Am Sonntag, 19. März, wird es ein Schmidtsingen, also ein Mitsing-Konzert mit dem Musiker Andre Schmidt, um 20 Uhr im Haus des Gastes geben. Am 18. November tritt Hubert vom Venn auf. Außerdem soll es Lesungen mit regional und überregional bekannten Autoren geben.

In einer Ausstellung soll in der zweiten Jahreshälfte das Schaffen von Joseph Quirin dokumentiert werden. Neben den Aufnahmen aus Archiven von Sammlern sollen auch Bilder aus den Fotoalben der Kyllburger ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden. Joseph Quirin: Dieser Name steht vor allem für die Abertausenden von Ansichtskarten, die vor dem Ersten Weltkrieg von Kyllburg in alle Welt geschickt worden sind. "Aus den uralten Fotos von Quirin und den Fotos der Bürger wollen wir einen historischen Kalender für 2018 herausgeben", sagt Krämer.

Für die ehemaligen jüdischen Mitbürger, die vertrieben und ermordet wurden, soll der Künstler Gunter Demnik Stolpersteine setzen. "Dieses Projekt findet unter Schirmherrschaft der Stadt statt." Und auch in der Außenwirkung soll Kyllburg besser wahrgenommen werden: "Wir streben an, dass wir alle künstlerischen Veranstaltungen in Kyllburg über ein gemeinsames Label nach außen und innen bekannt machen."

Meinung
Eine Erfolgsgeschichte

Was die Offensive Kyllburg dajeh! schon alles auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. Toll ist, dass die Organisatoren, obwohl sich die Leerstände in der Hochstraße jetzt langsam füllen, nicht daran denken, die Hände in den Schoß zu legen. Stattdessen haben sie sich neue Ziele gesetzt. Nicht reden - machen heißt die Devise. Klasse - weiter so!
s.glandien@volksfreund.de