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"Manchmal muss man gar nicht viel sagen"

Kümmern sich nach plötzlichen Todesfällen um die Hinterbliebenen: Harald Igelmund, Oliver Pütz und Frank Heckenbach. TV- Foto: Stefanie Glandien
Kümmern sich nach plötzlichen Todesfällen um die Hinterbliebenen: Harald Igelmund, Oliver Pütz und Frank Heckenbach. TV- Foto: Stefanie Glandien
Bitburg-Prüm. Ein Unfall, ein plötzlicher Tod - wer sagt es den Hinterbliebenen? Seit zehn Jahren übernehmen das im Eifelkreis Bitburg-Prüm die ehrenamtlichen Helfer der Notfallnachsorge des DRK. Im vergangenen Jahr rückten die 15 Helfer zu insgesamt 43 Einsätzen aus. Stefanie Glandien

Bitburg-Prüm. "Es tut mir sehr leid, Herr Müller, aber wir konnten Ihre Frau nicht mehr retten. Sie ist tot. Das Herz war zu schwach." - Mit diesen Worten verabschiedet sich der Notarzt von Walter Müller, 72 Jahre alt (Name geändert). Dann muss er zum nächsten Einsatz. Zurück bleibt ein verzweifelter Mensch - alleine.
Menschen in solch einer Situation beizustehen, ist die zentrale Aufgabe der Notfallnachsorge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).
"Man muss psychisch stabil sein"



Im Eifelkreis Bitburg-Prüm gibt es 15 Helfer, die nach dem Tod eines Menschen durch Unfall, Suizid oder nach erfolgloser Wiederbelebung im Krankenhaus oder zu Hause die nächsten Angehörigen unterstützen.
Von der ersten Stunde an dabei sind Harald Igelmund und Frank Heckenbach. Zusammen mit Oliver Pick erzählen sie von ihren Erfahrungen und warum sie diese Aufgabe übernommen haben: "Wir versuchen, die Todesnachricht behutsam zu überbringen. Dann bleiben wir so lange, bis die Kinder oder Nachbarn da sind", sagt Harald Igelmund. Der Verwaltungsbeamte vom Landesbetrieb für Mobilität hat vor zehn Jahren die Notfallnachsorge mitgegründet und ist seit kurzem Landesbeauftragter für die Notfallnachsorge in Rheinland-Pfalz. "Man muss mit beiden Beinen fest im Leben stehen, sollte eine gewisse Lebenserfahrung haben und psychisch stabil sein", umreißt er die Anforderungen, die ein Notfallhelfer mitbringen sollte. Wichtig sei auch ein gutes Einfühlungsvermögen, ergänzt Oliver Pick.
Bei ihren Einsätzen treffen sie auf Menschen, die einer extremen Situation ausgesetzt sind. Das reicht von der schreienden Ehefrau über den stummen Opa bis zur hysterischen Schwester. "Jeder Fall ist anders, da gibt es kein Patentrezept", sagt Pick. "Manchmal muss man gar nicht viel sagen. Oft reicht es, einfach zuzuhören", ergänzt Frank Heckenbach. In vielen Situationen übernehmen die Notfallhelfer organisatorische Aufgaben, geben Halt oder sind Ansprechpartner. "Es kommt vor, dass ich über die Fälle später nachdenke, aber mein eigenes Leben ändert sich dadurch nicht", sagt Heckenbach. Der Techniker, der bei Volvo Baumaschinen in Konz arbeitet, ist seit 20 Jahren ehrenamtlich im Rettungsdienst tätig. Warum er dazu noch Notfallhelfer geworden ist, erklärt er so: "Ich war als Rettungssanitäter vor Ort, um den Menschen zu helfen. Aber nach der Erstversorgung mussten wir meist schnell weiter. Da habe ich diese riesige Lücke gesehen und mir gedacht, das ist was, wo ich die Menschen noch unterstützen könnte."
Das DRK braucht mehr Menschen, die so denken wie Frank Heckenbach, denn das Team der Notfallnachsorge soll verstärkt werden. Wichtige Voraussetzungen sind: psychische Stabilität, Lebenserfahrung, Einfühlungsvermögen, Geduld und die Fähigkeit zum Zuhören, Bereitschaft zur Aus- und Fortbildung.
Wer mehr über die Arbeit der Notfallnachsorgehelfer erfahren möchte, ist eingeladen zu einem Informationsabend am Montag, 1. September, um 19 Uhr im Lehrsaal des DRK-Heims Bitburg, Rotkreuzstraße 1. Weitere Infos bei Rainer Hoffmann, Telefon 06561/602020, oder per E-Mail: rainer.hoffmann@kv-bit.drk.de

Extra

Die Notfallnachsorge des DRK gibt es im Eifelkreis Bitburg-Prüm seit Anfang 2003. Die 15 Helfer leisteten im vergangenen Jahr knapp 900 ehrenamtliche Stunden bei insgesamt 43 Einsätzen. Ihr Einsatz ist kostenlos. Der Dienst finanziert sich über Spenden. Grund für ihre Einsätze waren: Verkehrsunfälle, plötzliche Todesfälle, Selbsttötungen, plötzliche Kindstode und sonstige Notfallsituationen. sn