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Mehr Sport, mehr Kultur, mehr Integration: Neues Netzwerk im Eifelkreis stellt sein Angebot in Bitburg vor

Brunhilde Hell stellt das Projekt vor. TV-Foto: Christian Altmayer
Brunhilde Hell stellt das Projekt vor. TV-Foto: Christian Altmayer FOTO: (e_eifel )
Bitburg. Miteinander leben - so lautet das Motto der neugegründeten Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz im Eifelkreis. Das Projekt soll Erkrankten helfen, sich besser in die Gesellschaft zu integrieren. Mit einem Festakt feiern die Verantwortlichen in der Kreisverwaltung den Auftakt der Aktion. Christian Altmayer

Bitburg. Wo ist er bloß, der Geldbeutel? Gestern hat sie doch noch die Brötchen bezahlt - oder war das vorgestern? Vielleicht war es der Zeitungsjunge? Ja, ganz bestimmt, war er es. Wer sonst sollte ihn gestohlen haben?

Einen Monat später ist dann die nächste Börse weg. Und da kommt den Angehörigen der erste Verdacht. Sie können sich auf einmal denken, warum die Großmutter in letzter Zeit so oft etwas vergisst. Und als sie dann die Brieftasche in der Kühltruhe finden, wird der Verdacht zur Gewissheit.

Diese beispielhafte Geschichte erzählt Landrat Joachim Streit bei der Auftaktveranstaltung zum neuen Projekt "Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz" im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung.
Doch Fälle wie diesen kennt inzwischen fast jeder aus der eigenen Familie - auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Hier leiden etwa 2000 Menschen an der Krankheit, die sie schleichend um den Verstand bringt. 80 000 sind es in Rheinland-Pfalz, deutschlandweit 1,6 Millionen.
Die Lokale Allianz will ihnen helfen, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sie davor bewahren zu vereinsamen. Wie dieses Ziel zu erreichen ist? Projektleiterin Brunhilde Hell stellt die Eckpfeiler des Konzeptes vor. Gefördert wird die Aktion vom Familienministerium mit 10 000 Euro. Zwei Jahre lang soll sie laufen.

Demenz und Gesellschaft: Die Menschen im Eifelkreis sollen mit dem Thema Demenz in Kontakt kommen - auch wenn nicht sie selbst oder die Angehörigen betroffen sind, so Hell. Die Lokale Allianz will deshalb in Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen Vorträge zum Thema organisieren.
Das Bewusstmachen der Erkrankung soll aber nicht erst bei Erwachsenen anfangen. In Schulen und Kitas sollen Kinder auch etwas über die Krankheit lernen. Im Erwachsenenalter werden sie dann besser mit Demenzkranken umgehen können - so der Gedanke. Ein solches Projekt läuft im Augenblick schon in der Grundschule Prüm. Und hier gibt es auch direkten Kontakt zwischen Jung und Alt: Hin und wieder machen die Schüler zusammen mit den Kranken Musik.

Demenz und Sport: Bewegung hilft, den Geist fit zu halten und den Ausbruch der Demenz zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Das weiß man bei der Lokalen Allianz. Zusammen mit Vereinen aus der Region möchte das Netzwerk das Sportangebot für Senioren ausbauen.
Im Gespräch sei man unter anderem schon mit dem Prümer Ski-Club. Was es heute schon gibt? Der Eifelverein Prüm bietet eine gemeinsame Wanderung für Demenzkranke und gesunde Menschen an. Beim Bitburger Roten Kreuz gibt es eine ähnliche Veranstaltung.

Demenz und Medizin: Ärzte und Pflegekräfte haben von Berufswegen viel mit Demenzkranken zu tun. Sie durch Schulungen an das Thema heranzuführen, ist ein weiterer Schritt, den die Lokale Allianz plant und seit dem 1. September auch schon umsetzt, im Krankenhaus Prüm.

Demenz und Kultur: Konzerte, Ausstellungen, Museen - all das soll auch demenzkranken Menschen im Eifelkreis künftig offen- stehen. Die Allianz strebt die Kooperation mit Kultureinrichtungen an. Mit dem Haus Beda gibt es schon eine solche Zusammenarbeit. Gruppen von Demenzkranken besuchen regelmäßig die Fritz-von-Wille-Ausstellung.