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"Mir graut es vor den nächsten Monaten": Vorsitzender des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm schwört Landwirte auf hartes Jahr ein

Bitburg. Niedrige Erzeugerpreise, geringe Nachfrage und immer anspruchsvollere Verbraucher: Die Stimmung auf der Jahreshauptversammlung des Bauernverbands Bitburg-Prüm ist angespannt. Mehr als 200 Landwirte aus der Eifel haben sich am Samstagabend in Bitburg ausgetauscht. Christian Moeris

Rund 2500 Landwirte gibt es im Eifelkreis. Und das neue Jahr, das wurde bei den Reden und Vorträgen auf der Jahreshauptversammlung des Kreisbauernverbands Bitburg-Prüm am Samstagabend in der Stadthalle deutlich, wird kein Spaziergang. "Mir graut es vor den nächsten Monaten", sagte Michael Horper, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Kein Wunder: Jedes Jahr machen weitere sechs Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe dicht, weil sie nicht kostendeckend produzieren können.

"Die Märkte sind grausam. Die Erzeugerpreise für Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Getreide und Fasswein sind im Keller", sagte Horper. Nur eine einzige landwirtschaftliche Sparte, die Hühnerwirtschaft, könne derzeit für ihre Produkte einigermaßen vernünftige Preise erzielen.

Ideen und Pläne, wie es weitergehen soll, bekamen die Landwirte auf der Jahreshauptversammlung in der Bitburger Stadthalle nicht. Dafür ging es den mutmaßlichen Schuldigen an den Kragen: "Warum lässt man uns so im Stich?", fragte Horper in Richtung der Politik. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage vieler Betriebe setze die Politik immer noch einen oben drauf. "Bauern müssen immer mehr Dokumentationen anfertigen und werden wie beim Düngen mit immer mehr Vorschriften gegängelt. Das ist frustrierend." Das komme einer Entmündigung des Berufsstandes gleich. "Die ganzen Auflagen zwingen die Landwirtschaft in die Knie. Aber wir wünschen uns, dass sich die Politik vor uns stellt."Bio-Produkte auf dem Vormarsch


Der Verbandspräsident und Kreisvorsitzende wetterte auch gegen die "Doppelmoral" der Verbraucher: Es müsse sich jeder selbst fragen, ob die Geiz-ist-geil-Mentalität, von der sich viele Verbraucher beim Lebensmittelkauf lenken ließen, noch zeitgemäß sei. Horper: "Die hohen Anforderungen, die die Gesellschaft beispielsweise beim Thema Tierschutz an die Landwirtschaft stellt, müssen ja auch bezahlt werden." Trotz der scharfen Töne gegenüber der Politik begrüßte Horper die rheinland-pfälzische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken, die anschließend auch aufs Podium trat, als "Liebe Uli".

"Dass die Menschen ein Bedürfnis nach guter Ernährung haben, würde ich nicht als Doppelmoral bezeichnen", sagte Höfken. "Die bezahlen das auch." Der Markt für Bio- und regionale Produkte müsse stärker gefördert werden, erklärte die Ministerin. In Rheinland-Pfalz mache er im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft schon 8,5 Prozent aus. Ihre Losung lautet: "Wir müssen mehr Qualität hervorbringen." Angesichts der aktuellen Agrarkrise habe sie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt in einem Schreiben um weitere Liquiditätshilfen für die Landwirte gebeten. Höfken: "Es ist schlimm, wenn man nicht weiß, wie man die nächste Rechnung bezahlen soll."

Zum Abschluss trat Professor Ulrich Nöhle, Lebensmitteltechniker und Krisenmanager, ans Rednerpult. In seinem Referat mit dem Titel "Wie müssen Landwirte kommunizieren, um den nächsten Skandal zu verhindern" riet er den Lebensmittelproduzenten dazu, offen mit den aktuellen Produktionsbedingungen umzugehen. Nöhle empfiehlt den Landwirten: "Öffnen Sie die Türen. Zeigen Sie den Menschen, mit welchem Stand der Technik Sie produzieren, bevor sich jemand anderes heimlich in ihren Stall schleicht und ein Video dreht. Kommunizieren Sie den Stand der Technik, bevor über Sie kommuniziert wird." Wer bei der Vorstellung, den Verbrauchern seinen Stall zu zeigen, ein ungutes Gefühl hat, für den hatte Professor Nöhle folgenden Rat parat: "Wenn man Produktionsbedingungen nicht guten Gewissens kommunizieren kann, dann muss man sie ändern."