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Mister Arbeitsamt nimmt seinen Hut

Michael Helbach verlässt zum letzten Mal die Agentur für Arbeit in Bitburg. TV-Foto: Christian Moeris
Michael Helbach verlässt zum letzten Mal die Agentur für Arbeit in Bitburg. TV-Foto: Christian Moeris
Bitburg. Exklusiv für seine Verabschiedung wurde die Agentur für Arbeit in Bitburg gestern ab 10 Uhr geschlossen. Michael Helbach, Leiter der Agentur für Arbeit, geht nach 50 Dienstjahren in den Ruhestand. Christian Moeris

Bitburg. "Als ich 1962 beim Arbeitsamt anfing, hat man auf die Eifel noch wie auf das Armenhaus des Landes geschaut", sagt Michael Helbach. In seinen 50 Dienstjahren beim Arbeitsamt und der späteren Agentur für Arbeit hat der 65-jährige Beamte viel erlebt. "Damals hatte die Eifel noch Arbeitslosenquoten im zweistelligen Bereich." Außer Landwirtschaft tat sich hier nicht viel.
Das hat sich grundlegend geändert. Mittlerweile habe die Eifel im Bereich des Handwerks und der Industrie interessante Betriebe und im Eifelkreis gebe es inzwischen quasi Vollbeschäftigung. Die Arbeitslosenquote im Eifelkreis liegt aktuell bei 2,9 Prozent: "Damit haben wir die niedrigste Quote im Land."
Auch das Arbeitsamt hätte damals ein schlechtes Image gehabt und sei nur als Stempelbude verschrien gewesen. "Man hatte keine Zeit für ein ordentliches Erstgespräch mit dem Kunden. Dank der Personalaufstockung kann man sich heute dafür eine Stunde Zeit nehmen."
1988 kam Helbach vom Arbeitsamt Trier nach Bitburg. Zu jener Zeit hätten sich teilweise bis zu 100 Leute vor der Tür seines Büros die Beine in den Bauch gestanden, um auf ihren Stempel für das Arbeitslosengeld zu warten. "Man hatte nur Zeit, Daten aufzunehmen und zu stempeln, damit das Arbeitslosengeld geflossen ist." Zum Helfen und Vermitteln sei keine Zeit gewesen.
Das lustigste Erlebnis in seinen 50 Dienstjahren war ein Brief, den ein arbeitsloser Bitburger einmal an ihn adressiert hat: "Sehr geehrter Herr Helbach, wenn ich nicht innerhalb der nächsten Woche mein Arbeitslosengeld bekomme, sehe ich mich gezwungen, wieder eine Arbeit aufzunehmen."
In seiner Dienstzeit hat Helbach aber nicht nur angenehme Erfahrungen gemacht. Als die Amerikaner vor 18 Jahren den Bit-Airport verließen, stand das Arbeitsamt Bitburg vor einer Herkulesaufgabe. Einheimischen Zulieferern und Angestellten drohte der Ruin und die Arbeitslosigkeit. Helbach und seine Mitarbeiter hatten es nicht leicht; zudem habe der ehemalige Landrat Roger Graef kein Vertrauen in seine Behörde gehabt. Nach der Flugplatzschließung habe der zu ihm gesagt: "Ich halte vom Arbeitsamt generell nicht viel."
Als er aber gesehen habe, was seine Behörde zu leisten im Stande gewesen wäre, habe er sich für diese Aussage kurze Zeit später entschuldigt. Aber diese Zeiten wären jetzt vorbei, sagt Helbach, die Agentur für Arbeit habe inzwischen ein gutes Image, weil sie heute kundenorientiert arbeitet.
Das Problem der Zukunft wird aus Helbachs Sicht nicht mehr die Arbeitslosigkeit, sondern der Fachkräftemangel sein, dem sich die Agentur für Arbeit nun stellen muss - allerdings ohne Helbach. Im Ruhestand möchte der Naturfreund, der mit seiner Familie in Irrel in der Eifel wohnt, viel Zeit beim Wandern verbringen. Die Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bitburg Prüm hat nun Franz-Josef Barzen aus Bollendorf übernommen.