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Mit dem Bass ans andere Ende der Welt

Heute noch in Bitburg, bald in Blumenau: Nino Kuchhäuser. TV-Foto: Eileen Blädel
Heute noch in Bitburg, bald in Blumenau: Nino Kuchhäuser. TV-Foto: Eileen Blädel
Spangdahlem. Mit Bass, Tuba und Lederhose reist Nino Kuchhäuser in wenigen Tagen nach Brasilien. Der 22-jährige Student aus Spangdahlem, Eifelkreis Bitburg-Prüm, tritt dort mit Band als "deutsches Original" auf dem Oktoberfest auf. Wie er zu dem Job kam und was er sonst noch musikalisch treibt, hat Kuchhäuser dem TV erzählt. Eileen Blädel

Spangdahlem. Eine Lederhose musste sich Nino Kuchhäuser kaufen. "Denn auf einem Oktoberfest war ich eigentlich noch nie", sagt er. Jetzt spielt der 22-Jährige aber auf einem - und zwar in Blumenau in Brasilien. Nach dem Karneval in Rio ist es das zweitgrößte Volksfest in Brasilien (siehe Extra). Der Spangdahlemer, der in Mainz Jura studiert und bereits zu Schulzeiten, wie er erzählt, "immer mit dem Bass in der Hand oder auf dem Rücken durch Bitburgs Straßen" gelaufen sei, freut sich jetzt darauf, vor Tausenden von "grölenden, tanzenden Brasilianern" Musik zu machen. Wie das kam, hat er dem TV erzählt.
"Ich habe mich im Frühjahr dort beworben und ein Tape eingereicht, eher so aus Spaß", sagt Kuchhäuser. Sein Glück: Die Veranstalter haben gezielt nach jemandem gesucht, der zwei Instrumente beherrscht: Bass und Tuba. "Bass für die Unterhaltungsmusik in den großen Hallen, Tuba für die Paraden durch die Straßen." Kuchhäuser freut sich - "über die Möglichkeit, als Musiker nach Brasilien fliegen zu können", aber auch über die Kontakte, die er dort zu Kollegen knüpfen kann. Seine Band wird aus "20 Mann aus ganz Deutschland" bestehen, erzählt er, "und ich bin der Einzige aus Rheinland-Pfalz". Die meisten kommen dann eben doch aus Bayern - denn auf dem Oktoberfest sollen sie das "deutsche Original" verkörpern: Sie treten auf als "Deggendorfer Stadlmusikanten". Auch musikalisch, versteht sich: Deutsche und bayrische Lieder werden sie spielen, aber auch englische und brasilianische. "Die musste ich mir erst aneignen", erzählt Kuchhäuser.
Die Liebe zur Musik hat der 22-Jährige während seiner Schulzeit in Bitburg entdeckt: Er spielte Tuba im Schulorchester, lernte mit 13 Jahren Bass, dann sei er "auch schon fast nahtlos in meiner ersten Rockband" gelandet, habe "hier und da immer mal wieder Musik" gemacht, dirigierte auch vier Jahre lang den Musikverein Bickendorf und spielte im Orchester des Kreises Bitburg-Prüm.
Seit ein paar Monaten ist er Bassist in der Frankfurter Band "Vielleicht Anna" (die Bedeutung des Bandnamens will er nicht verraten) - die fünf Jungs mussten jetzt die Veröffentlichung ihres ersten Albums "Vier Jahre Sturm" mit eigenen deutschen Texten um drei Wochen verschieben, weil Kuchhäuser dann in Brasilien steckt. Darauf zu hören sind Lieder wie "Gruß ans Leben" - gewidmet der Freundin des Sängers, die so alt ist wie Kuchhäuser, Krebs hat und "Weihnachten wohl nicht mehr erleben wird". Kuchhäusers Freundin sei ja "nicht so begeistert", dass er so lange weg sei - "aber mein Papa wollte von mir sogar Bassunterricht, damit er mitfliegen kann", erzählt er. "Da habe ich mich nicht drauf eingelassen." Anfang Oktober fliegt Kuchhäuser von Frankfurt aus mit den anderen Musikern, die er alle erst bei einer Generalprobe bei München kennengelernt hat - "ein wirklich toller Haufen" -, nach Brasilien. Zwei Tage später geht\'s dann los. Was ihn erwartet? "Es gibt drei große Hallen auf dem Festgelände. Die größte fasst 16 000 Besucher, die kleinste 10 000." Im Internet hat er sich Videos von dem Fest angesehen - "ein bisschen sieht das aus wie beim Bitburger Folklore Festival". Dem Profi auf der Bühne ist das nicht erlaubt - aber für die brasilianischen Gäste heißt es dann drei Wochen lang "Klar: Hoch die Tassen", meint Kuchhäuser und lacht.
Und was noch? "Ein Weiterflug nach Rio ist geplant", sagt Kuchhäuser. "Dann würde ich mir gerne den Zuckerhut ansehen."
Extra

Das Oktoberfest in Blumenau - die Stadt ist eine ehemalige deutsche Kolonie - steigt seit 1984 jedes Jahr und dauert 18 Tage. Nach den Überschwemmungen des Rio Itajaí in 1983 und 1984 organisierte man das Fest, um an Geld für den Wiederaufbau zu kommen. Heute ist es mit 600 000 Besuchern pro Jahr das zweitgrößte Volksfest in Brasilien und neben dem Münchener Original und den Ablegern in China und Kanada eines der größten Oktoberfeste weltweit. eib