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Mit Musik auf die Heuwiese

Heuernte nach alter Väter Sitte (oben). Eine Sichel (unten) gehörte zur Grundausstattung der Bauern. TV-Fotos: Archiv/Klaus Schmitz, Joachim Schröder
Heuernte nach alter Väter Sitte (oben). Eine Sichel (unten) gehörte zur Grundausstattung der Bauern. TV-Fotos: Archiv/Klaus Schmitz, Joachim Schröder
Heuernte früher: Das hieß vier bis sechs Wochen schuften, hoffen und bangen und schließlich "ein Kreuz schlagen". Der Dank galt dem Schöpfer, der eigene Fleiß wurde nicht erwähnt. Schweißtreibend war die Arbeit des Landwirtes, ehe nach dem Krieg die ersten Traktoren zum Einsatz kamen. Von unserem Mitarbeiter Joachim Schröder

Bitburg/Daun/Wittlich. Bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts war die Heuarbeit Handarbeit. Mühselig das Mähen, endlos lange die Wende- und Dreharbeit und arbeitsaufwändig der Heimtransport. So dauerte früher der Heumonat nicht einige Tage, sondern mehrere Wochen. Auftakt der Heusaison war früher "um den Pittischdaach", also um den Festtag "Peter und Paul" am 29. Juni.Vor Jahrhunderten waren auf den grundherrischen Wiesen viele Leute aufgeboten, um bei gutem Wetter schnell die Ernte einfahren zu können. Hart und mühsam blieb die Arbeit des Landmannes bis in das 20. Jahrhundert, als erste Traktoren mit Mähbalken und Heuwender Einzug hielten. Um sich die Arbeit angenehmer zu gestalten, gab es auf großen Wiesen Musikanten, die zur Unterhaltung aufspielten. In mehreren Quellen ist die Rede, wie Flöten- oder Geigenspieler die Schnitter bei ihrer monotonen Arbeit begleiteten.Neue Techniken lösten Heusingen ab

Bei der Einführung neuer Techniken hatte das Spielen und Singen ein jähes Ende. Aus Niederweis (Eifelkreis Bitburg-Prüm) ist belegt, dass das "Heusingen" mit dem Einzug der ersten Mähmaschine im Jahr 1884 aufgegeben wurde. Bis dahin war das Grasschneiden mit der Sense üblich, vielfach waren es mehrere Schnitter, die "im Takt" die Sense schwangen - eine mühselige Arbeit.Gerd Zimmer (64) aus Bitburg erinnert sich, wie er in den 50er-Jahren in Betteldorf (Vulkaneifelkreis) als Kind in der Heuernte mitwirkte. "Vier bis fünf Wochen wurde geschuftet, erst gemäht, dann ausgestreut, abends zusammengeschlagen und gehopt. War das Heu trocken, wurde es mit einem Leiterwagen per Kuhgespann zur Scheune gefahren", weiß Zimmer. Aus Pronsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) berichtet Peter Schröder (81), dass es frühmorgens galt, "nach dem Wetter zu sehen und das Heu auszuspreden". Am Tag wurde es mehrfach gewendet: "Zumeist am Mittag und am Nachmittag". Die Heuwiesen lagen "In der Laach". Beim Mähen bildete sich eine Grasreihe ("Strepp"), die je nach Wetter alsbald gewendet und abends "gehopt", also auf den Haufen aufgesetzt wurde, wodurch man ein besseres Trocknen erreichte. Zum Einbringen wurden die Bauernwagen umgerüstet und mit einem "Wiesbaum" versehen, der die Heuladung bei der Heimfuhr zusammenpresste. Franz Stroh (79) aus Monzel (Kreis Bernkastel-Wittlich) hatte bis in die 80er-Jahre einen Bauernbetrieb in Wengerohr. Er selbst hat noch als Jugendlicher die Sense geführt. "Noch vor dem Krieg erhielten wir eine Mähmaschine, die von Ochsen gezogen wurde", erinnert sich der Ex-Landwirt. Mit dem Leiterwagen erfolgte die Heimfuhr: "Ein Doppelgespann Ochsen zog, der Leiterwagen mit Holzrädern wurde eigens verlängert für den Transport". Seine Heuwiesen lagen auf der "Drieschwies" und dem ehemaligen Flugplatz. Bauernregeln im Juni:

Regnet's an Sankt Peters' Tag, drohen dreißig Regentag.Was im September soll geraten, muss schon im Juni braten. Wettert der Juli mit großem Zorn, bringt er dafür reichlich Korn.Hintergrund Erntefeste: Ernte(dank)feste kennen alle Regionen Deutschlands. An der Mosel waren und sind Weinfeste bis heute Tradition, Sommer-Erntefeste kennt man nicht. In der Eifel hat sich das Erntedankfest fest etabliert. Erntefeste nach dem "Heumonat" gibt es nicht, wohl aber Helfer- und Sommerfeste. Vielfach entwickelten sich auch Tanz- und Singfeste. Nach der Heuernte zog man vielerorts singend und spielend auf den Dorfplatz, um zu feiern. Sommer-Kirmessen orientieren sich dagegen mehr an den Kirchenheiligen oder Kirchweihen und haben nichts mit der Erntezeit zu tun.

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