| 14:37 Uhr

Mode machen aus Berufung

Menschen anziehen - das ist die Passion der selbstständigen Modedesignerin Margret Gasper aus Waxweiler.Foto: Angelika Koch
Menschen anziehen - das ist die Passion der selbstständigen Modedesignerin Margret Gasper aus Waxweiler.Foto: Angelika Koch
WAXWEILER. Kleidung von der Abendgarderobe bis zum Pyjama entsteht in der "Kleinen Stofferia" der Modedesignerin Margret Gasper. Das Besondere: Alle Stücke sind Unikate und auf die Persönlichkeit des Trägers zugeschnitten. Wir stellen die Unternehmerin in unserer Serie "Kreative Frauen" vor. Von unserer Mitarbeiterin <br>ANGELIKA KOCH

Elegante Schnitte, edle Stoffe und die hohe Kunst des Schneiderns bringt man gemeinhin kaum mit einem Eifeldorf in Verbindung. Dass dies in Waxweiler anders ist, liegt daran, dass Margret Gasper dort ihren Lebenstraum verwirklicht hat: "Mir war schon als Dreijährige klar, was meine Berufung ist. Meine Großtante war Schneiderin. Bei ihr habe ich früh nähen und hochwertige Materialien lieben gelernt."Die Winzerstochter aus der Nähe von Trier wurde von ihrem Vater ermutigt, den eigenen Weg zu gehen. Nach einer Schneiderausbildung mit Meisterabschluss und einem Studium des Modedesigns unter anderem in München, das auch die Textilchemie berücksichtigte, war Margret Gasper auch in der Industrie tätig, aber: "Das war keine gute Erfahrung für mich. Ich liebe es, Kleider für einzelne Menschen zu machen. Ich habe keine vorgefertigte Kollektionen, sondern alles sind Unikate."Gasper ist überzeugt, dass es keine so genannten Problemzonen am Körper und keine Normgrößen gibt. Sie möchte "Frauen so anziehen, dass sie sich darin zu Hause fühlen". Allerdings schneidert sie nicht nur für Kundinnen, die dank florierender Mund-zu-Mund-Propaganda mittlerweile aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland kommen, sondern auch für männliche Liebhaber individueller Kleidung und Kinder. Von der Abendgarderobe über das Businesskostüm und Brautmode bis zur Nachtwäsche reicht das Repertoire von Margret Gasper, die mit fünf Angestellten und einigen versierten Aushilfen arbeitet.Dabei kontrolliert sie selbst jeden Arbeitsschritt. Die Entwürfe, die Schnitte und die Stoffauswahl stammen ausschließlich von ihr. Jeweils im Januar geht es einige Tage nach Italien, wo Gasper ihre Materialien einkauft. "Die sollen so natürlich wie möglich sein und nur so wenig chemisch behandelt sein, wie es irgend nötig ist, um den Komfort zu gewährleisten." Darin ist sie sich mit den Einkäufern von Häusern wie Armani einig, "und es kommt schon mal vor, dass Kunden aus Großstädten die Stoffe dieser Modezaren bei meinen Modellen wiedererkennen".Die Eifeler Liebhaber maßgeschneiderter Kleidung orientierten sich hingegen weniger an Nobelmarken, sondern an dem, was sich gut anfühlt und gut aussieht. "Sie sind einfach sinnlicher und bodenständiger", lobt Gasper ihre Kunden aus der Region. Die neben ihrer Familie Gründe dafür sind, dass sie ihrer ländlichen Wahlheimat treu bleibt und nicht in Ballungsräumen den Erfolg sucht.Das Bodenständige passt zu ihr, denn schnelllebigen Modetrends mag sie sich nicht anpassen und will "keine Eintagsfliegen". Sie schätzt es, ihre Kunden intensiv zu beraten, ihre Vorlieben kennen zu lernen und für sie langfristig Tragbares zu entwerfen. Das sei, so rechnet sie aus, am Ende preisgünstiger als die wechselnden Hits von der Stange. "Eine Kundin hat mir gesagt, man würde süchtig nach meinen Modellen", freut sich Gasper. Dabei sei ihr Ziel nicht, eine berühmte Designerin zu werden, sondern Menschen anzuziehen.Doch immer mehr Zuspruch erntet sie bei durchschnittlich zwei Modenschauen im Jahr, die sie in Kooperation mit anderen Gewerbetreibenden der Region veranstaltet. Für jede Schau erarbeitet sie bis zu 800 Entwürfe, "dann liegen überall Zettel herum". Aus den Entwürfen werden 200 bis 250 Teile geschneidert, die in den Verkauf gehen.Die Tochter macht den Härtetest

Ihre Ideen findet Margret Gasper überall: "Da muss ich nur die Augen offen halten." Stillstand gibt es für sie nicht, bisweilen arbeitet sie begeistert Tage und Nächte lang durch. Wichtig sei in jedem Fall, bei den Schnitten zu berücksichtigen, wie sich der Mensch bewegt, der ein Stück in Auftrag gibt: "Eine 20-Jährige geht anders als eine 50-Jährige, und für Kinder muss auch die edelste Kleidung problemlos spieltauglich sein." Ihre härteste Testerin für die Eignung von Materialien ist Tochter Marie. Die hat ebenfalls schon Freude am Umgang mit Garnen und Gewebtem und präsentiert bei jeder Schau stolz die Kindermode ihrer Mutter.