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Soziales
Morgen wohnen die Eifeler anders

Mitglieder des SPD-Ortsvereins haben sich ein Seniorenzentrum für Demenzkranke in Stolberg angesehen. Foto: Heiko Jakobs
Mitglieder des SPD-Ortsvereins haben sich ein Seniorenzentrum für Demenzkranke in Stolberg angesehen. Foto: Heiko Jakobs FOTO: Heiko Jakobs
Bitburg. Die Bitburger SPD macht sich Gedanken über die Entwicklung der Stadt Bitburg. In einem Workshop werden neue Konzepte für soziales und bezahlbares Wohnen vorgestellt. Die Bürger sind zur Diskussion eingeladen. Von Stefanie Glandien
Stefanie Glandien

Wer denkt schon jetzt gerne ans Alter? Am liebsten möchte jeder in seinem Zuhause bleiben. Doch was ist, wenn man nicht mehr die Treppe  hochkommt? Wenn es einem zu viel wird, den Rasen zu mähen, oder man erkrankt und nicht mehr alleine leben kann?

Über diese Fragen machen sich Irene Weber und Heiko Jakobs vom SPD-Ortsverein Bitburg zurzeit ziemlich viele Gedanken. „Wir wollen das Thema sozialer Wohnungsbau auf die städtische Agenda bringen“, sagt er. Man müsse sich Gedanken darüber machen, wie Menschen in ihrem dritten Lebensabschnitt in Bitburg gut leben können. „Laut Statistischem Landesamt sind derzeit 1,5 Prozent der Bevölkerung an Demenz erkrankt. Bis zum Jahr 2050 soll die Zahl auf drei Prozent steigen. Da können wir uns ausrechnen, was das für Bitburg bedeuten wird.“

Im Augenblick hätten die Menschen nur zwei Möglichkeiten: Entweder werden sie von Angehörigen zu Hause gepflegt oder man komme in ein, wie Jakobs es nennt, „klassisches Pflegeheim“.

„Wir glauben aber, es gibt noch viele andere Möglichkeiten dazwischen“, sagt der Ortsvereinsvorsitzende. So habe der SPD-Ortsverein sich in Stolberg bei Aachen das Seniorenzentrum Süssendell angesehen, in dem Demenzkranke in Wohngemeinschaften wie in einem kleinen Dorf zusammenleben. „Es gab dort Tiere, einen Dorfplatz, einen Frisör, eine Gärtnerei, eine Wäscherei und vieles mehr, und die Menschen konnten dort in den Geschäften aktiv mitarbeiten. Zum Beispiel können sie in der Wäscherei einen Korb Wäsche bügeln oder Socken stopfen - Tätigkeiten, die sie von früher her noch kennen“, sagt Irene Weber. Sie war begeistert von dem Konzept, bei dem die Demenzkranken sich  auf dem Gelände frei bewegen können und im Alltag mit eingebunden werden. Das Personal der Geschäfte sei auf die Bedürfnisse ihrer Kunden besonders geschult, sagt Irene Weber.

Der Besuch hat die SPD-Politiker aber auch nachdenklich gestimmt. „Wie gehen wir mit den Demenzkranken in unserer Stadt um?“, fragt Irene Weber. Für Heiko Jakobs müsste dieses Thema bei der Stadtplanung berücksichtigt werden.

„Wir sollten nicht der Entwicklung hinterherhetzen“, sagt Irene Weber. Deshalb fordert die SPD ein Konzept für sozialen Wohnungsbau. „Wir müssen uns über Parteigrenzen und Generationen hinaus Gedanken machen und das Thema aus unterschiedlichen Aspekten beleuchten“, sagt Jakobs. Zusammen mit den Bürgern wolle man ein Leitbild entwickeln und die Stadt für die Zukunft fit machen.

Im Moment laufe es in Bitburg ja eher so, dass ein Investor eine Idee habe, und die wird dann umgesetzt, kritisiert Irene Weber. „Wir müssen aber stärker von den Menschen aus solche Themen angehen“, wünscht sich Heiko Jakobs.

Mitglieder des SPD-Ortsvereins haben sich ein Seniorenzentrum für Demenzkranke in Stolberg angesehen.
Mitglieder des SPD-Ortsvereins haben sich ein Seniorenzentrum für Demenzkranke in Stolberg angesehen. FOTO: Heiko Jakobs
Einsam im Alter? Das möchte niemand sein. Für Bitburg werden neue Wohnkonzepte gesucht. Denkbar wäre ein lebendig gestaltetes Viertel in solidarischen Nachbarschaften mit gegenseitiger Unterstützung.
Einsam im Alter? Das möchte niemand sein. Für Bitburg werden neue Wohnkonzepte gesucht. Denkbar wäre ein lebendig gestaltetes Viertel in solidarischen Nachbarschaften mit gegenseitiger Unterstützung. FOTO: dpa-tmn / Armin Weigel