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Umwelt
Nach dem Hochwasser: Wann wird der Spanger Bach von Geröll und Treibholz befreit?

Durchs Dickicht: An der „Schnapsbrek“ blockiert das Geäst den Verlauf des Spanger Baches. Das ärgert Anwohner Alfred Jung.
Durchs Dickicht: An der „Schnapsbrek“ blockiert das Geäst den Verlauf des Spanger Baches. Das ärgert Anwohner Alfred Jung. FOTO: TV / Christian Altmayer
Gransdorf. Der Spanger Bach ist nach dem Hochwasser im Juni noch immer mit Geröll und Treibholz verstopft. Das ärgert den Gransdorfer Alfred Jung. Und nicht nur das: Auch eine Brücke ist ihm ein Dorn im Auge. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Der Spanger Bach ist kaum mehr als ein Rinnsal. In manchen Sommern führt das Flüsschen, das sich durchs Bitburger Land und die Verbandsgemeinde Speicher schlängelt, nahezu kein Wasser. Am 9. Juni diesen Jahres aber kommt alles anders. Da verwandelt sich das Gewässer in einen reißenden Strom, der auch im Örtchen Gransdorf Keller, Garagen und Wohnungen überschwemmt.

Genau beziffern kann Ortsbürgermeister Friedebert Spoden den Schaden zwar nicht. Bei einigen Anwohnern des Bächleins aber seien die Überschwemmungen „massiv“ gewesen, sagt der Dorfchef. Viele weitere Bürger – darunter er selbst – hätten kleinere Schäden davongetragen.

Alfred Jung hat die Katastrophe in seinem Heimatdorf dokumentiert. „So etwas habe ich noch nie hier gesehen“, sagt der 77-Jährige. Hochwasser habe es zwar immer wieder gegeben, aber nie in diesem Ausmaß. Das Wasser sei von überall hergekommen – aus dem Spanger Bach, aber auch von der Kreisstraße oberhalb des Ortes.

Noch während draußen das Unwetter tobte, hat der Mann Fotos geschossen und Videos gedreht. Sie zeigen, wie die braune Brühe durch Gransdorf gespült wird, wie Abwasserschächte überlaufen, Autos in den Fluten untergehen und meterdicke Baumstümpfe den Spanger Bach hinabtreiben.

Von diesem Treibholz und Geröll, das der Regen mitnahm, liegt vier Monate nach dem Starkregen noch einiges im Spanger Bach – auch an der sogenannten „Schnapsbrek“, die laut Jung ihren Namen dem Umstand zu verdanken hat, dass bei ihrem Bau mehr Schnaps getrunken wurde, als Wasser darunter floss. Direkt neben dieser Brücke versperrt ein Wust aus Gehölz den Bachlauf. Wenig Meter oberhalb der Stelle ist der Bach von Geröll verstopft. Es sind so viele und so dicke Brocken, dass das Flüsschen trockenliegt. Im Wiesental, unterhalb des Ortes, liegt nach wie vor angespülter Müll im Gras. „Das sieht seit Monaten so aus. Das regt mich richtig auf“, sagt Jung. Denn jetzt komme die nasse Jahreszeit. Und das bedeute, dass der Boden weich werde, sich in Schlamm verwandle: „Wenn die da mit den Baggern durchrollen, richten die wieder Schäden an.“ Kurzum: Er hätte sich die Sanierung früher gewünscht. Ortsbürgermeister Spoden kann dies nach eigener Aussage verstehen: „Aber was will man machen?“

Das Geröll und das Treibholz zu beseitigen, ist nämlich Sache der Verbandsgemeinde Bitburger Land. Denn der Spanger Bach ist ein Gewässer dritter Ordnung und fällt daher in die Zuständigkeit der Kommune. Und die werde sich auch kümmern, wie Bürgermeister Josef Junk (SPD) verspricht. Bereits vor Wochen hatte die VG die Räumung des Flüsschens  beim Mittelfristigen Investitionsprogramm des Landes angemeldet. Seitdem wartet die Verwaltung auf grünes Licht von der oberen Wasserbehörde, der SGD-Nord.

Anzufangen, bevor es das OK gibt, sei nicht sinnvoll, glaubt Junk. Denn dann würde sich die VG womöglich Fördergeld des Landes für die Arbeiten verspielen, die laut einem Ingenieurbüro rund 113 000 Euro kosten werden. Es sei erfahrungsgemäß höchstens eine Frage von Wochen, bis sich die Umweltbehörde melde, sagt Junk. Dann müsse die Verbandsgemeinde aber noch eine Firma finden, die das Geröll und das Gehölz beiseiteschaffe. Und das sei angesichts der vollen Terminkalender der Unternehmen ein größeres Problem.

Mit in der Warteschleife hängen übrigens noch weitere Maßnahmen in Pickließem, Oberkail, Wilseckecker, Metterich, Hüttingen an der Kyll, Ehlenz und Mühlbach. Auch dort sind die Flüsse und Bäche teils noch voll von Hindernissen. Insgesamt haben die Hochwasser im Juni an den Gewässern im Bitburger Land laut Junk Schäden von rund drei Millionen Euro angerichtet.

Dass die Verbandsgemeinde die Sache nun in die Hand nimmt, ist für Alfred Jung eine gute Nachricht. Doch das reicht dem Gransdorfer noch nicht. Denn der 77-Jährige hat eine Idee, wie man hohe Hochwasserschäden im Ort in Zukunft vermeiden könnte. Mitverantwortlich macht er eine Brücke über den Spanger Bach.

Die spannt sich im Wiesental tief übers  Wasser. Das Loch unterhalb des Bauwerks sei etwa eineinhalb Meter hoch und vier Meter breit und damit zu klein, sagt Jung. Wenn sich dort Treibholz und Geröll verkante, wie im Juni, dann gebe es Stau und die Brühe laufe in den Ort hinein. „Wenn das Loch unter der Brücke größer wäre, wäre der Schaden nicht so immens“, meint Jung.

Dass der Hohlraum zu klein sei, sei schon in den Siebziger Jahren aufgefallen, kurz nachdem das Bauwerk errichtet worden sei. Später legte man einen sogenannten Bypass, ein Rohr also, das das Wasser an der Brücke vorbeileiten soll. Doch dieser Kanal sei ebenfalls zu klein und außerdem – und das zeigt sich vor Ort: zugewachsen und von Treibholz verstopft. Wie Bilder des Gransdorfers belegen, war das Rohr bereits 2013 blockiert. Wenn es frei gewesen wäre, so Jung, hätte sich das Wasser besser verteilt und der Pegel wäre nie so hoch gestiegen. Zum Schutz vor zukünftigen Unwettern würde sich der 77-Jährige daher wünschen, dass die Brücke abgerissen und neu gebaut, das Rohr freigelegt wird.

 Ob das nötig sei, werde bald ein Fachbüro prüfen, verspricht Ortsbürgermeister Spoden. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sei beschlossen worden, ein Hochwasserschutzkonzept aufsetzen zu lassen: „Ich bin zwar kein Techniker, aber ich glaube, dass dann auch die Brücke über den Spanger Bach ein Thema sein wird.“

Auf dem Trockenen: Geröll verstopft den Bachlauf.
Auf dem Trockenen: Geröll verstopft den Bachlauf. FOTO: TV / Christian Altmayer
Durchs Dickicht: An der „Schnapsbrek“ blockiert das Geäst den Verlauf des Spanger Baches. Das ärgert Anwohner Alfred Jung.
Durchs Dickicht: An der „Schnapsbrek“ blockiert das Geäst den Verlauf des Spanger Baches. Das ärgert Anwohner Alfred Jung. FOTO: TV / Christian Altmayer