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Freizeit
Vom Piratenfluss zum Bauernhof

Mara, Luna und Ronja füttern einen Hirsch. Sein Geweih ist derzeit noch mit samtigen Haaren besetzt.
Mara, Luna und Ronja füttern einen Hirsch. Sein Geweih ist derzeit noch mit samtigen Haaren besetzt. FOTO: Klaus Kimmling
Gondorf. Eine Wildwasserbahn lockt seit dieser Saison in den Eifelpark. Außerdem haben viele der Bewohner Nachwuchs bekommen. Ihr Pfleger erklärt, warum man dem Emu-Vater derzeit nicht zu nahe treten sollte und wie sich eine Känguru-Umarmung anfühlt. Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Der Eifelpark vereint Fahrgeschäfte und Falknerei, Tretboote und Tiergehege. Gerade in den Ferien besuchen viele Familien das Gelände in Gondorf, das mit 45 Attraktionen und diversen Shows wirbt.

Neue Fahrgeschäfte Dass die Prüm, die Kyll oder die Sauer durch die Eifel fließen, wissen die meisten. Weniger bekannt ist der Piratenfluss. Denn den gibt es erst seit diesem Jahr. Unter jungen Matrosen scheint sich aber schon herumgesprochen zu haben, dass man den Strom mit Booten passieren kann. Die angehenden Seemänner stehen kurz an und klettern in einen Baumstamm, der sie langsam in die Höhe transportiert. Ein Pirat mit Hut und Augenklappe begrüßt die Reisegäste. Ob sein breites Grinsen etwas Gutes verheißt? Oben angekommen halten manche Fahrgäste den Atem an. Kurz können sie den Blick über die gelben Felder und grünen Wälder schweifen lassen. Doch dann stürzt das Gefährt 14 Meter in die Tiefe – der Moment zum Schreien ist gekommen. Mund, auf, Arme hoch, Wasser marsch! Bei der Talfahrt spritzt das Flusswasser in das Baumstammboot und erfrischt die Seeleute. Nach der kurvenreichen Wildwasserfahrt strahlen die Gesichter.

Neben der Pirateninsel hält der Eifelpark für die Gäste eine weitere neue Attraktion bereit: Seeräubers Kanonenritt. Durch eine runde Arena rasen Fahrzeuge, die die Passagiere hinter dem Steuer selbst lenken können. Es geht steile Wände hinauf, und der Adrenalinspiegel steigt.

Abgesehen von den Neuheiten finden sich auf dem 100 Fußballfelder großen Areal weitere Fahrgeschäfte wie eine Sommerrodelbahn oder eine Achterbahn, bei der steile Talfahrten und ruckartige Stops Programm sind.

Auf Streifzug mit einem Tierpfleger Wer mehr Ruhe sucht, ist bei den Tieren richtig. Willem Straven kümmert sich von früh bis spät um seine Schützlinge. Wenn der Tierpfleger mit seinem Mini-Auto über die Pisten fährt, drehen sich Luchs und Reh nach ihm um. Das Motorgeräusch des Fahrzeugs bedeutet für sie in der Regel, dass es Futter gibt (siehe Info).

So ist es auch im Falle der Emus. Doch trotz der leckeren Gabe wirft das Männchen Straven einen strengen Blick zu. „Es ist gerade sehr aggressiv, weil die Jungen vor Kurzem geschlüpft sind“, sagt der Tierpfleger. Der hochgewachsene Vogel möchte seinen Nachwuchs beschützen und unerwünschte Eindringlinge vom Revier fernhalten. Auch die Rehe, die das Gehege mit ihm teilen, müssen sich vor den kräftigen Hieben, die er mit seinen Füßen austeilen kann, in Acht nehmen. Doch woher kommt die starke Vater-Kind-Bindung? Die Emu-Männer sind dafür zuständig, die Eier auszubrüten. Während dieser Zeit wachen die Tiere Tag und Nacht bei dem Nest und fressen nicht. Wenn der Nachwuchs sich schließlich aus der Schale gepellt hat, behält das Männchen ihn im Auge – bis die Jungvögel groß genug sind, um sich selbst zu verteidigen. Straven hält einen dicken Ast in der Hand und deutet dem wütenden Exoten an, wo für ihn die Grenze ist. Der Vogel hält still.

Vom gleichen Kontinent stammen die Kängurus. Als der Tierpfleger das Gatter öffnet, kommt ein Tier sofort angehüpft. „Es ist eine Handaufzucht und daher sehr an Menschen gewöhnt.“ Als sich Straven dem Beuteltier vor langer Zeit vorstellte, habe es ihn direkt umarmt. Während die Parkbesucher das feierten, freute Straven der Klammergriff weniger. „Kängurus haben ziemlich scharfe Krallen.“

Die Besucher sollten dem Känguru also trotz der putzigen Ausstrahlung mit viel Respekt begegnen – genau wie dem König des Waldes, den Mara, Luna und Ronja beobachten. Langsam nähern sich die drei Mädchen dem Hirsch. Sie strecken die Hände aus und betasten sein Geweih: „Das ist ganz weich – wie Samt.“ So bleibt es allerdings nicht den ganzen Sommer über. „Der Hirsch reibt sein Geweih an Bäumen“, sagt Straven. Dabei schmirgelt er die Härchen ab.

Es geht zurück an Bord des Mini-Mobils und zu den Erdmännchen. Die Pelztiere sehen unschuldig aus, aber Straven weiß es besser: „Das sind kleine Raubtiere, die sich von Fleisch und Insketen ernähren.“ Die Säugetiere, die aus dem südlichen Afrika stammen, können aber auch zärtlich. „Wenn zwei schlafen, sitzt ein Erdmännchen daneben und bewacht sie.“ Manchmal würde es dabei fast selbst einnicken und einen Moment wegkippen.

Bei den heißen Temperaturen kauert Braunbär Ben an einem der sonnenbeschienenen Felsen. Ihn umgibt ein weites Waldareal, in dem auch Wölfe und Luchse leben. Während diese Gesellen ein Zaun von den Besuchern trennt, laufen Steinböcke oder Rehe frei herum. Letzteren hat Straven etwas mitgebracht: Es regnet Brötchen, Scheibchen und Baguettes. „Wenn ich die Rehe morgens füttere, springen die Kitze im Kreis“, sagt er. Das sei wie im Kindergarten.

Weniger grazil sind die Mikroschweine auf dem Bauernhof des Parks. Ihre Hängebäuche schleifen fast auf dem Boden, wenn sie durch ihr Gehege tapsen. Verglichen mit herkömmlichen Hausschweinen sind die aus Vietnam stammenden Exemplare winzig. „Sie wurden extra so gezüchtet und auf Booten gehalten“, erzählt der Tierpfleger. Auf hoher See dienten sie dann als lebender Proviant.

Der Bauernhof werde derzeit erweitert. Straven rechnet damit, dass das neue Areal in einigen Wochen eröffnen wird. Die Tiere haben dann mehr Platz.

Shows im Eifelpark Während die Tiere auf dem Bauernhof nichts für ihr Futter machen müssen, haben es die Vierbeiner der neuen Hundeshow schwerer. Benji, Bonnie oder Nemo müssen für die Leckerlis durch Reifen springen, im Kreis laufen und Kunststücke zeigen. Neben dem Futter bekommen sie dafür viel Applaus. Abgesehen von der Hundeshow gibt es beispielsweise ein Puppentheater, eine Sport-Show oder eine Schatzsuche für kleine Seeräuber.

Der Eifelpark ist bis 5. August täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Danach stehen die Tore bis November jeden Tag bis 17 Uhr offen, wobei die Fahrgeschäfte nicht an allen Tagen zugänglich sind. In den Wintermonaten kann der Wildpark von 10 bis 16 Uhr besucht werden. Der Eintritt kostet im Sommer 22,50 Euro für Senioren sowie Besucher unter 1,5 Meter Körpergröße und 25,50 Euro für größere Leute. Daneben gibt es diverse Sondertarife. Info: www.eifelpark.de

Die beiden Emu-Babys haben noch keine Namen. Haben Sie Vorschläge?
Die beiden Emu-Babys haben noch keine Namen. Haben Sie Vorschläge? FOTO: Klaus Kimmling
Neu im Eifelpark ist die Wildwasserbahn. Kinder ab vier Jahren können sich mit ihren Eltern in die Boote schwingen.
Neu im Eifelpark ist die Wildwasserbahn. Kinder ab vier Jahren können sich mit ihren Eltern in die Boote schwingen. FOTO: Klaus Kimmling
Der Luchs schleicht durch den Wald und beobachtet die Besucher.
Der Luchs schleicht durch den Wald und beobachtet die Besucher. FOTO: Klaus Kimmling
Der friedliche Schein trügt: Erdmännchen sind Raubtiere.
Der friedliche Schein trügt: Erdmännchen sind Raubtiere. FOTO: Klaus Kimmling