| 20:36 Uhr

Neues Café soll Leben nach Malberg bringen

Marjon van Oorschot und ihr Sohn Tim heißen die Gäste in der Malberger Schlosskapelle willkommen. TV-Foto: Archiv/Nina Ebner
Marjon van Oorschot und ihr Sohn Tim heißen die Gäste in der Malberger Schlosskapelle willkommen. TV-Foto: Archiv/Nina Ebner
Malberg. Das Schloss Malberg hat es ihm angetan. Sogar seine Masterarbeit hat er darüber geschrieben. Damit will es der Holländer Tim van Oorschot aber nicht bewenden lassen: Der 25-Jährige eröffnet in der Schlosskapelle probeweise ein Café. Auch für die VG Kyllburg als Hausherrin ist es ein interessanter Versuch, zu sehen, was auf dem Schloss eigenwirtschaftlich möglich ist. Nina Ebner

Malberg. Kaufinteressenten für das Schloss Malberg gab es in der Vergangenheit etliche. Verkauft ist das Wahrzeichen der Kyllburger Waldeifel allerdings noch nicht, obwohl es weiterhin bei Maklern angeboten wird (siehe Extra). Zu hoch scheinen die Hürden zu sein, die mit einem Erwerb des Schlosses einhergehen: Die Denkmalpflege muss darauf achten, dass das Kulturdenkmal mit der geplanten Nutzung keinen Schaden nimmt. Bank- und Wirtschaftsexperten müssen sicherstellen, dass der Käufer die finanziellen Möglichkeiten hat, das Schloss nicht nur für die angedachte Nutzung herzurichten, sondern auch darüber hinaus zu erhalten.
Und so sucht die Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg als Eigentümerin des Anwesens weiterhin nach einem, der das Schloss wiederbelebt. Vielleicht hat sie ihn aber auch schon gefunden: Der 25-jährige Holländer Tim van Oorschot hat vor einigen Tagen in der Schlosskapelle ein Café eröffnet. Der Name van Oorschot ist in Malberg kein unbekannter: Tims Eltern haben bereits 2004 das Alte Pfarrhaus und später das ehemalige Gästehaus gekauft und zu Ferienhäusern umgebaut. Im Internet sei man auf Malberg aufmerksam geworden, sagt Tims Mutter Marjon van Oorschot: "Wir waren gleich verliebt in das Dorf, in die Gegend und natürlich in das Schloss."
Eine Liebe, die sich auch auf ihren Sohn übertragen hat: Als der 25-Jährige, der an der britischen Universität Nottingham Betriebswirtschaft studierte, seine abschließende Masterarbeit schrieb, beschäftigte er sich mit der Frage, wie es möglich sein könne, auf dem Schloss wirtschaftlich einen Betrieb zu führen. Mit einem "cum laude" schloss Tim van Oorschot seine Arbeit ab, in der er für das Schloss eine Kombination aus Gastronomie, Feriensuiten, Hochzeiten, Tagungen und Veranstaltungen entwickelt hat.
Den ersten Schritt wagt er jetzt mit der Eröffnung des Cafés in der Schlosskapelle. Zunächst einmal bis Mitte Dezember will der junge Existenzgründer ausprobieren, "ob es hier genug Kunden gibt und ob das Konzept läuft". Ein Versuch, der auch von der VG Kyllburg mit Interesse verfolgt wird: "Für uns ist es spannend zu sehen, was hier auf dem Schloss eigenwirtschaftlich machbar ist", sagt Rainer Wirtz, Bürgermeister der VG, der auf eine "Win-win-Situation" hofft - für das Schloss, die Ortsgemeinde, den Förderverein, der in der Kapelle mehrmals im Jahr zu Veranstaltungen einlädt, und natürlich auch für den neuen Betreiber.
Dass das Café, in dem nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch kleine Snacks angeboten werden, tatsächlich erfolgreich sein könnte, zeigte sich schon am vergangenen Wochenende, an dem es erstmals geöffnet hatte. "Da kamen richtig viele Leute vorbei", berichtet Tim van Oorschot, "das Schloss Malberg zieht einfach, die Hälfte der Gäste waren Malberger, die anderen waren Touristen, die vorher gar nichts von dem Café wussten, aber nach einem Besuch des Schlosses zu uns kamen."
Knapp 10 000 Euro hat der junge Geschäftsführer, der von seinen Eltern tatkräftig unterstützt wird, in die Umgestaltung der Kapelle investiert. Lob erntet van Oorschot dafür nicht nur vom Kyllburger Bürgermeister, sondern auch von Bernhard Gies, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Malberg, der von der "geschmackvollen und zugleich unaufdringlichen" Einrichtung schwärmt: "Eine Wucht!" Eine Einschätzung, die, wenn es nach dem 25-jährigen Cafébetreiber geht, möglichst viele Gäste teilen sollen. Was sich Mutter und Sohn für ihr Café wünschen? "Dass es dem Dorf wieder ein bisschen Leben gibt", sagt Tim, und seine Mutter ergänzt: "Dass die Malberger sagen: Das ist unser Café."Meinung

Hut ab!
Es ist ein Versuch. Ein Versuch, der Hoffnung macht. Hoffnung darauf, dass es sehr wohl möglich ist, am Malberger Schloss etwas auf die Beine zu stellen, was sich wirtschaftlich trägt und gleichzeitig das Wahrzeichen der Kyllburger Waldeifel mit Leben füllt. Und sollte dieser Versuch gelingen, dort erfolgreich ein Café zu betreiben, könnte die Hoffnung sogar noch größer werden: darauf, dass der Cafébetrieb im Kleinen nur der Anfang ist für eine noch größere, umfassendere Wiederbelebung des Schlosses. Auch wenn dies natürlich die weitaus schwierige Aufgabe sein wird. Hut ab vor dem Mut der Familie van Oorschot, das Wagnis einzugehen. Es sei ihnen gegönnt, dass es gelingt! n.ebner@volksfreund.deExtra

Öffnungszeiten: Bis zum 6. Juli: freitags von 16 bis 23 Uhr, samstags von 11 bis 23 Uhr und sonntags von 11 bis 21 Uhr. 7. Juli bis 31. August: mittwochs und donnerstags von 11 bis 19 Uhr, freitags und samstags von 11 bis 23 Uhr sowie sonntags von 11 bis 21 Uhr. Ab 1. September: freitags von 16 bis 23 Uhr, samstags von 11 bis 23 Uhr sowie sonntags von 11 bis 21 Uhr. Eine Besichtigung der Schlossanlage ist während der Öffnungszeiten des Schlosscafés möglich. Offiziell eröffnet wird das Schlosscafé vom Kyllburger Bürgermeister Rainer Wirtz am Samstag, 7. Juli, 17 Uhr. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.schlossmalberg.deExtra

Als "Barock-Schloss in Traumlage" wird das Kyllburger Wahrzeichen bei Immobilien Sünnen aus Wittlich angeboten. Die Eckdaten in dem Exposé: 33 532 Quadratmeter Grundstücksfläche, 40 Räume, fünf Garagen, Kaufpreis: 600 000 Euro. Voraussetzung für den Erwerb, heißt es hier, ist ein mit der Verbandsgemeinde abgestimmtes Nutzungskonzept, das auch die Interessen der ansässigen Bevölkerung an der Erhaltung des Kulturdenkmals bewahrt: "Zu denken wäre etwa an eine kulturell nutzbare Tagungsstätte für Seminarveranstaltungen mit angeschlossenem Beherbergungsbetrieb. Auch eine Hotelnutzung mit einem modernen Wellnesskonzept, das sich mit der historischen Bausubstanz gut vereinbaren ließe, sei keineswegs ausgeschlossen." Ein vermögender und kulturell interessierter Privatmann, der "sein Schloss" kaufen und der Nachwelt erhalten wolle, sei ebenfalls willkommen, heißt es in dem Exposé. neb