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öffentliche Toilette mit Ekelfaktor

Bitburg. Die Stadt Bitburg hat drei öffentliche Toiletten und möchte die Anlage am Grünen See sanieren. Dabei hapert es schon an Reinigung und Instandhaltung

Die Sonne steht tief und wirft ein weiches Licht auf die Römermauer. In großen weißen Lettern steht geschrieben: Toiletten - Damen,Herren. Es ist kurz nach 16 Uhr. Die nachmittägliche Idylle trügt, wie sich wenige Sekunden später zeigen wird. Vor der Eingangstür mit der Überschrift "D" wie Dame und einem Symbol für ein Behinderten-WC liegt eine Kokosfußmatte mit rot-grünem Rautenmuster. Ein Stück deutsches Kulturgut.
Reinigung versäumt
Besuch bei der Toilettenanlage am Grünen See, die die Stadt Bitburg im nächsten Jahr für 136?500 Euro sanieren möchte. Inklusive neuer Raumaufteilung und neuem Eingang. Bund und Land geben jeweils 45?500 Euro dazu. Außerdem soll es eine Münz-Zählersteueranlage an der Tür geben, die laut Stadtpressesprecher Werner Krämer "dem Besucher eine symbolische Gebühr für die Toilettennutzung abverlangt". Das sei im Hinblick auf Vandalismus eine wichtige Maßnahme. Momentan gelangt man noch ohne Münze in die Toilettenräume: Allerdings ist es nach dem Öffnen der Tür mit der Überschrift "D" vorbei mit Idylle und Kultur.
Dem Toilettenbesucher schlägt ein widerlicher Geruch entgegen. Ein Blick in die geöffnete Kabinentür genügt, um die Quelle des Geruchs auszumachen. Das Behinderten-WC wird von Erbrochenem gesäumt. Daneben liegt ein Haufen Toilettenpapier. Wohl dem, der in diesem Moment wegen einer Erkältung unter einer kurzzeitigen Beeinträchtigung des Geruchssinns leidet. Der gesunde Würgereflex eines normal riechenden Menschen verhindert nämlich, dass er sich der Lache mehr als einen Meter nähern kann.
Der Aushang, der sich im benachbarten Männer-WC befindet, verrät, dass die Anlage die letzten acht Tage des Jahres nicht gereinigt wurde. Der Aushang verrät auch, dass die Toilette bis dahin im Dezember angeblich täglich gereinigt wurde - auch samstags und sonntags. Anfrage bei der Stadt: "Die Reinigung der öffentlichen Toiletten erfolgt an Werktagen täglich. Warum die Daten verschiedentlich nicht in die Listen eingetragen wurden, ist nicht bekannt", teilt Pressesprecher Krämer schriftlich mit.
Auf Nachfrage zu der offensichtlich versäumten Reinigung und der verwirrenden Eintragung gibt er zu, dass das sicher nicht in Ordnung sei und er die Sache an die zuständigen Kollegen weiterleiten würde, damit das so bald wie möglich bereinigt werde. Wer also in diesem Moment eine öffentliche Toilette sucht, wird unverrichteter Dinge weiterziehen. Zum Beispiel an den Borenweg in der Nähe der Südschule. Hier sieht es sauber aus - auch wenn die letzte Reinigung laut Aushang einen Monat zurückliegt. Einzige offensichtliche Schönheitsfehler sind die Graffitis und die abgeblätterte Farbe an der Decke. Allerdings ist die Kabine der Herrentoilette abgeschlossen.
Öffentliches Gut?
Die Toilette auf dem Bedaplatz ist ebenfalls sauber, zumindest die Damentoilette. Bei den Herren weht dem Besucher ein unerträglicher Uringestank entgegen. Rost und zerschlagene Fliesen fallen zudem ins Auge. Auch in dieser Anlage wurde laut Aushang zuletzt vor einem Monat geputzt.
Nach diesem Besuch der öffentlichen Toiletten in Bitburg und vor dem Hintergrund der geplanten Sanierung der Anlage am Grünen See drängt sich doch eine Frage auf: Sollte man die öffentlichen Toiletten trotz ihres baulichen Zustands und der aufwendigen Reinigung weiterhin geöffnet halten?
Immerhin hat die Stadt Trier laut Krämer für Unterhaltung und Bewirtschaftung der Buswartehallen, Toilettenanlagen sowie der sonstigen öffentlichen Einrichtungen im Jahr 2015 rund 49?000 Euro ausgegeben.
Bei genauerer Interpretation des Wortes öffentliche Toilette ist eigentlich diese Frage recht schnell geklärt: Sie sollte im besten Fall eine Art öffentliches Gut darstellen, also jedermann, vor allem kostenlos und auch jederzeit zur Verfügung stehen.
Die Diskussion im Sommer über die Toilette am Bedaplatz (der TV berichtete mehrfach) zeigt allerdings, wie schwierig es ist, dieses Ziel zu erfüllen. Die CDU forderte damals die Schließung und erntete Widerspruch. Ihre Gegner plädieren dafür, die Anlage zu erneuern und offen zu halten: "Ich finde es schlimm, wenn öffentliche Toiletten Mangelware werden. Wir werden alle mal alt und haben ein Bedürfnis", schrieb damals Leserin Ruth Solbach. Die Toilettenbefürworter forderten zudem damals eine vandalismussichere Stahlausstattung und Überwachungskameras. Oder eben einen Obulus für die Benutzung der Toilette, womit sie aber kein öffentliches Gut im klassischen Sinne mehr wäre.
Geschichte des stillen Örtchens
Passiert ist seitdem nichts. Weder wurde die Anlage geschlossen, noch wurde sie saniert.
Was sagen Sie, liebe Leser, zu der Situation der öffentlichen Toiletten in Bitburg? Sollten Anlagen geschlossen werden oder weiter in die Reinigung investiert werden? Schreiben Sie uns, bitte Name und Anschrift nicht vergessen, an eifel@volksfreund.de.