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MUSIK
Omas Plattenspieler und die Folgen

Immer mit einem Augenzwinkern: Denis Wittberg und die Schellack-Solisten.
Immer mit einem Augenzwinkern: Denis Wittberg und die Schellack-Solisten. FOTO: tv / Ulrike Löhnertz
Bitburg. Im Stil von Max Raabe, aber doch anders: Denis Wittberg und die Schellack-Solisten sind am Freitag zu Gast im Haus Beda. Dabei soll es einige Überraschungen geben.
Ulrike Löhnertz

Omas Plattenspieler ist alles schuld. Schuld daran, dass Denis Wittberg aus Mainz die Musik der 20er und 30er Jahre mag, dass er gerne singt, später Gesang studierte, Tenor wurde und dass er 2003 das zehnköpfige Ensemble „Denis Wittberg und die Schellack-Solisten“ gründete, mit dem er am Freitag, 16. November, im Haus Beda in Bitburg zu Gast ist.

Und warum das alles? „Weil ich das Knacksen, Knistern und den kräftigen Klang der Schellack-Platten als Kind so mochte. Und das ist noch heute so“, sagt der Musiker, der auch heute noch ein Grammophon und alte Platten besitzt.

Aber nicht nur das: Auch die Texte der 20er und 30er Jahre findet er toll. „Die sind besonders kreativ und haben einen tollen Wortwitz. Und sie werden immer mit einem gewissen Augenzwinkern vorgetragen.“

Man denke nur an die Schlager und Couplets aus den 20er und 30er Jahre von Otto Reuter oder Friedrich Holländer. Und an die Comedian Harmonists, für den 54-Jährigen „die erste Boygroup der Musikgeschichte“.

Kein Wunder also, dass die neun Schellack-Solisten (übrigens eine Frau und acht Männer, alle ausgebildete Profi-Musiker) und der Tenor sich gerne auf den Spuren der charmanten Herren aus dem vergangenen Jahrhundert bewegen. Und das nicht nur vom Repertoire, sondern auch vom Kleidungsstil her – eben  ganz stilecht in Anzug, Frack und Abendkleid.

Doch musikalisch ist es mit „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“ allein nicht getan.  Vor einigen Jahren gab es die Idee, auch moderne Titel, zum Beispiel aus der Neuen Deutschen Welle, ins Repertoire aufzunehmen und im alten Stil zu vertonen. Und so klingen „Der Kommissar“ von Falco oder „Völlig losgelöst“ von Peter Schilling so, als hätten bereits unsere Ur-Großväter in jungen Jahren dazu gepfiffen.

Und Denis Wittberg singt sie so, als sei er nicht 1964, sondern um die Jahrhundertwende geboren. Wie man das macht? „Man singt nasal, vor allem mit der Kopfstimme und geht ein bisschen ins Baritonale“, sagt er. Und ergänzt: „Das ist ganz schön anstrengend, nach dem Konzert bin ich immer völlig fertig.“ Das liegt sicher auch daran, dass Wittberg, ganz im Stil von Max Raabe, steif, pomadig und betont seriös, am Mikro steht. „Das hat eine gewisse Komik und eine köstliche Ernsthaftigkeit“, sagt Wittberg.

Apropos Max Raabe. Was unterscheidet Wittberg und sein Ensemble eigentlich von dem bekannten Sänger und seinem Palastorchester? „Ich bin ein Salon-Tenor, er ist Bariton. Zudem haben wir ein anderes Repertoire“, sagt der Mainzer. Und fügt frech hinzu: „Wir sind auch ein bisschen witziger.“

Dazu gehören auch überraschende Kostümwechsel auf der Bühne, wo es nicht nur Frack und Smoking zu sehen gibt, sondern auch mal Nikolausmützen und Engelsflügel. Doch Genaues dazu will der Tenor nicht verraten. Außer, dass „das charmanteste Mitglied“ der Gruppe, die Violinistin Holzapfel, bei diesem Titel mit ihm im Duett singt. Aber das solle nicht die einzige Überraschung in Bitburg bleiben, sagt Wittberg. „Das wird ein toller Abend“, verspricht er. Wenn’s so sein sollte, ist seine Oma sicher gerne schuld.

Die Schellack-Solisten mit Denis Wittberg spielen am Freitag, 16. November, 19 Uhr, auf Einladung der Jazzinitiiative Eifel und des Hauses Beda im Haus Beda. Titel: „Zeitlos. Eintritt: zehn/fünf Euro.  Vorverkauf in der Städtischen Bibliothek der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, im Sekretariat Haus Beda, Telefon  06561/96450, und online unter www.ticket-regional.de sowie an der Abendkasse.