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Positive Gefühle und negative Schwingungen

Speicher. Wie positive Gefühle die Schule verändern können, darüber wurden am Samstag die 300 Teilnehmer des Landeselterntags in Speicher informiert. Thema war aber auch die negative Entwicklung in der Schullandschaft - vor allem der in Speicher.

Speicher. Ein schwarzer BMW mit Chauffeur und Mainzer Nummernschild parkt vor dem ehemaligen Hauptschulgebäude. "Freude am Fahren" steht auf dem Kennzeichenhalter. Ob die Fahrt von Mainz nach Speicher dem Beifahrer wirklich Freude gemacht hat, ist fraglich. Denn der Mann, auf den der Fahrer am Steuer der Limousine heute wartet, ist Staatssekretär Hans Beckmann.
Er vertritt an diesem Tag Doris Ahnen. Und die vertritt wiederum als Bildungsministerin jene Gesetze, die in Speicher zur Auflösung der Haupt- und der Realschule geführt haben (der TV berichtete).
Geblieben sind die Schulgebäude, von denen das der Realschule derzeit als Außenstelle der Bitburger Realschule plus genutzt wird. Und geblieben ist auch die Aula, in der sich an diesem Tag mehr als 300 Teilnehmer des Landeselterntags versammelt haben. Dass dieser ausgerechnet in Speicher und nicht etwa in einer Vorzeigeschule des Landes veranstaltet wird, hat seinen Grund. "Wir wollten damit ein Zeichen setzen", erklärt Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler im Vorfeld der Tagung. Das weiß auch der Staatssekretär, der bei der Podiumsdiskussion unter anderem die Schließung des Schulzentrums rechtfertigen muss.
"Ich habe mich mit dem Standort Speicher sehr, sehr intensiv befasst", erklärt Beckmann. Doch leider hätten die Anmeldezahlen nicht die Vorgaben des Landes erfüllt. Konfrontiert mit der Frage, wie viele Schulen im ländlichen Raum in absehbarer Zeit denn noch geschlossen werden sollen, betont der ehemalige Lehrer, dass es in Rheinland-Pfalz weder ein "Schulschließungsgesetz" noch eine "Schwarze Liste" gebe. Wohl aber Leitlinien. "Und in denen steht, welche Schulen gefährdet sind."
Doch geht es an diesem Tag nicht nur um gefährdete oder bereits geschlossene Schulen, sondern vor allem um die Situation an Schulen im Allgemeinen. Und die ist alles andere als rosig, wie Michaela Brohm erklärt. Die Professorin für Bildungswissenschaften an der Uni Trier macht deutlich, wie sich die Begleiterscheinungen der Globalisierung und Leistungsgesellschaft - wie zunehmender Egoismus oder aber der Wandel von der Personen- zur Sachorientierung - auf die Schulen übertragen. Und zu welchen Folgen das führt.
Brohm verweist auf eine große Studie, wonach jedes vierte bis fünfte Kind psychische Auffälligkeiten zeige. In fast der Hälfte der Fälle seien das Ängste, gefolgt von Störungen des Sozialverhaltens, Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizitstörungen. Wobei davon nicht nur die Schüler betroffen seien, wie sie betont: "Lehrer zu sein ist in Deutschland einer der härtesten Berufe überhaupt."
Um das zu ändern, sei es wichtig, die Schule mit positiven Gefühlen zu verknüpfen, erklärt die Bildungswissenschaftlerin. Das fange bereits bei der Gestaltung der Klasseräume an und setzte sich durch Motivation, positive Beziehungen und der Vermittlung eines Sinns hinter dem Lehrstoff fort. Brohm ist davon überzeugt: "Menschen lernen lieber, wenn es ihnen gutgeht." uhe