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Prozessauftakt gegen mutmaßliche Geldautomatenknacker: Das große Schweigen vor Gericht

Trier/Wittlich/Daun. Wer war der Kopf der Bande? Wer stand "nur" Schmiere? Wer bekam wie viel von der Beute? Das werden wohl die entscheidenden Fragen sein im Prozess gegen vier mutmaßliche Bankautomatenknacker am Landgericht Trier. Denn dass das Quartett hinter mehreren Geldautomatenaufbrüchen in der Eifel steckt, dafür sprechen zahlreiche Indizien. Nina Ebner

Sie kamen nachts. Mit gemieteten Transportern, mit Hämmern, Meißeln, Keilen und Spreizern. Wenn sie gingen, war die Bank um einige Tausend Euro ärmer. Innerhalb kurzer Zeit, zwischen November 2013 und Anfang Januar 2014, wurden in Wittlich, Daun und Badem drei Geldautomaten aufgebrochen: Einer wurde aus der Wand gerissen und aufgehebelt, einer abtransportiert, ein dritter wurde an der Rückseite geöffnet, indem man die Gipswand des Nebenraums durchbrach. Ein weiterer Aufbruchversuch in Gerolstein scheiterte, weil die Täter von einem Obdachlosen gestört wurden, der in der Bank sein Nachtlager aufgeschlagen hatte.

Staatsanwalt Benjamin Gehlen ist überzeugt, dass die Verantwortlichen dieser Diebstahlserie seit gestern vor dem Trierer Landgericht stehen. Keiner der vier Angeklagten (siehe Extra) äußert sich zum Prozessauftakt zu den Vorwürfen. Und so steht der dritten großen Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Armin Hardt ein Mammutverfahren bevor. Gut 50 Zeugen sind für die kommenden acht Prozesstage geladen. Es gilt, viele Fragen zu klären. "Wir wissen nicht, wie die Beute aufgeteilt worden sein soll", sagt Hardt, "wir wissen nicht, wer der Chef gewesen ist, wer draußen Schmiere gestanden hat und wer in der Bank war."

Dass zumindest keine völlig Unschuldigen auf der Anklagebank sitzen - dafür spricht, dass die Vier beim Aufbruch des Automaten der Kreissparkasse in Badem Anfang Januar von der Polizei beobachtet worden waren und sich anschließend eine wilde Verfolgungsjagd mit den Ermittlern bis nach Daun lieferten. Dort umzingelten die Beamten die beiden Fluchtautos. Zwei Angeklagte fuhren dennoch weiter und verletzten dabei einen Polizisten am Bein. Sie konnten später festgenommen werden. Die Ermittler stellten in dieser Nacht bei den Angeklagten knapp 78.000 Euro sicher. Die Auswertung des Bademer Bankautomaten ergab allerdings, dass etwa 108.000 Euro gestohlen wurden. Wo der Rest des Geldes abgeblieben ist? Das ist ebenso ungeklärt wie die Frage, wo sich die übrige Beute befindet: Aus dem Wittlicher Sparkassenautomaten wurden 69.560 Euro, aus dem Postbankautomaten in Daun 32.570 gestohlen.Wo ist die Beute?

Taten, die nach Überzeugung von Staatsanwalt Gehlen ebenfalls auf das Konto des Quartetts gingen. Darauf sollen einzelne präparierte Geldscheine sowie Teile des abtransportierten Bankautomaten, die bei den Angeklagten gefunden wurden, sowie die Auswertung der Handy8daten hinweisen. Indizien, die im Laufe der kommenden Prozesstage zur Sprache kommen werden. Ob tatsächlich geklärt werden kann, was mit dem Rest der Beute passiert ist, ist fraglich. Klar ist aber: Der Schaden der betroffenen Banken ist noch größer: Allein die Postbank beziffert den entstandenen Sachschaden an dem aufgehebelten Bankautomaten in Daun auf 12.360,53 Euro.Extra: Die vier Angeklagten

Der älteste Angeklagte ist 33 Jahre alt und wohnte zuletzt in Daun. Ihm wird neben schweren Bandendiebstahl schwerer räuberischer Diebstahl vorgeworfen: Er soll als Beifahrer in dem Fluchtauto gesessen haben soll, das den Polizisten anfuhr.

Zudem ist er wegen Erpressung angeklagt: Er soll den Ex-Mann seiner Freundin mit Mord gedroht haben, sollte dieser ihm nicht 2000 Euro zahlen. Ebenfalls wegen schweren Bandendiebstahls und schweren räuberischen Diebstahls angeklagt ist ein 32-Jähriger, der vor seiner Inhaftierung in Stolberg lebte: Er soll das Fluchtauto gefahren haben. Seinem Bruder, 30 Jahre, zuletzt auch wohnhaft in Stolberg, und dem Vierten im Bunde, 29 Jahre alt, ohne Wohnsitz in Deutschland, werden schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen. Sie hatten sich widerstandslos festnehmen lassen. neb