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Punk grüßt Burgfräulein

So haben die Friseure also damals eine Dauerwelle gemacht: Auch davon erzählt die Ausstellung "Vom Burgfräulein zum Punk" im Eifelmuseum Blankenheim.Foto: Brigitte Bettscheider
So haben die Friseure also damals eine Dauerwelle gemacht: Auch davon erzählt die Ausstellung "Vom Burgfräulein zum Punk" im Eifelmuseum Blankenheim.Foto: Brigitte Bettscheider
BLANKENHEIM. (bb) Die neue Ausstellung im Eifelmuseum heißt "Vom Burgfräulein zum Punk" und zeigt Mode und Frisuren aus zehn Jahrhunderten. Bei der Eröffnung hielt Margitta Breuel einen unterhaltsamen Vortrag über die Geschichte des Friseurhandwerks.

In Wirklichkeit sind sie sich sicher nie begegnet, aber hier stehen sie einträchtig beieinander. Sie sind die Titelhelden der Ausstellung und bilden den ersten Blickfang: das Burgfräulein mit der Hörnerhaube und der Punk mit dem Irokesenschnitt. Die eine Figur trägt die Garderobe und Frisur der Gotik, die andere einen extremen Look aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Was sich dazwischen in der Welt der Frisuren und Mode abspielte, zeigt die Ausstellung mit einer Reihe aufwändig frisierter Köpfe, mit historisch exakt gekleideten Figuren, mit Vitrinen, in denen Kuriositäten und Antiquitäten aus der Geschichte des Handwerks ausliegen. Die Köpfe tragen eine Stirnfransenfrisur aus dem Frühbarock, eine Rosenkranzfrisur aus dem Spätrokoko oder eine Brautfrisur aus der Biedermeierzeit. Die Hochfrisur der Rokokodame wird von einem Pagen mit Hilfe eines gabelartigen Gestänges gestützt, der Herr neben ihr trägt eine leichte Beutelperücke mit zwei Seitenlocken. Die berühmte Haarpracht der österreichischen Kaiserin Elisabeth ("Sissi") ist viel beachtetes Exponat. Im Friseursalon steht eine Registrierkasse von 1911 und eine Röhrenhaube aus dem Jahr 1950. Wer die Wandtafeln studiert, erfährt, dass Karl Nessler 1906 die Dauerwelle als spiralförmige Wicklung erfand und dass sich Joseph Meier 1924 mit der heute üblichen Flachwicklung einen Namen machte.Von silbernen Nadeln bis zur Falle für Flöhe

In Vitrinen sind Schmucknadeln aus Silber und Schmuckkämme aus Schildpatt nett anzusehen. Die Flohfallen aus Holz gehören schon eher in die Welt des Kuriosen. Sie wurden, so erzählt Museums-Mitarbeiterin Margitta Breuel, mit blutgetränkter Watte gefüllt und in die kunstvollen Hochfrisuren eingesetzt. Die Flöhe krabbelten hinein, saugten sich mit dem Blut voll und waren zu dick, um die Falle wieder zu verlassen. Beim Auflösen der Frisur entfernte man den Inhalt der Fallen diskret. Auf ihrer Zeitreise durch die Geschichte des Friseurhandwerks machte Margitta Breuel auch Station bei der Erfindung des Wasserstoffperoxyds 1870, womit man erstmals Haare bleichen konnte. Die Ondulation hatte der Friseur Marcel Grateau 1872 durch Zufall entdeckt. Die Kurzhaarmode in der Damenwelt hat sich trotz des Protests von Ehemännern und Vätern Anfang des 20. Jahrhunderts durchgesetzt. Die Ausstellung "Vom Burgfräulein zum Punk" ist eine Leihgabe der Friseurfamilie Rofkar aus Alferde. Sie wurde zum 700-jährigen Bestehen der Stadt Gronau/Leine erstellt und ist seither Wanderausstellung. Im Eifelmuseum Blankenheim wird die Schau bis zum 5. Juni gezeigt, im April montags bis donnerstags und samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr; im Mai und Juni sonntags bis donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr. Infos: Telefon 02449/95150, Web: eifelmuseum-blankenheim.de.