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Stadtentwicklung
Sanierung in der Sackgasse

 Fast drei Millionen haben das Land und die Deutsche Bahn in den Kyllburger Bahnhof investiert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Fast drei Millionen haben das Land und die Deutsche Bahn in den Kyllburger Bahnhof investiert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. FOTO: TV / Christian Altmayer
Kyllburg. Der Kyllburger Bahnhof ist vor Jahren modernisiert worden. Die Straße, die an den Gleisen vorbeiführt, befindet sich aber nach wie vor in schlechtem Zustand. Für eine Erneuerung bräuchte die Stadt Fördermittel, die sie nicht bekommt. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Vor rund 150 Jahren waren die Kassen voll. 1871 bezahlten die Franzosen ihre Kriegsschulden an das deutsche Kaiserreich auf einen Schlag in purem Gold zurück. Der Geldsegen machte die Behörden spendierfreudig. So investierten sie auch einiges in die Eisenbahnstrecke zwischen Trier und Gerolstein.

Was damals geschaffen wurde, können Fahrgäste zwischen Eifel und Mosel noch heute bewundern. Entlang der Gleise steht so manches Schmuckstück. Der Speicherer Bahnhof gleicht einem Schlösschen, auch das Gebäude in Philippsheim macht einiges her. Die Bahnhofshalle in Kyllburg ist aber wohl die eindrucksvollste auf der Eifelstrecke.

 Die Straße „Am Bahnhof“ ist hingegen völlig marode.
Die Straße „Am Bahnhof“ ist hingegen völlig marode. FOTO: TV / Christian Altmayer

Vor einigen Jahren haben die Deutsche Bahn (DB) und das Land rund drei Millionen in die DB-Verkehrsstation investiert (der TV berichtete damals). Ein neuer Bahnsteig und ein Fußgängerüberweg wurden gebaut. Heute verbinden sich hier Geschichte und Moderne: Die historische Eingangshalle, heute eine Gaststätte, thront über den Schienen, die von der gläsernen Brücke überspannt werden. Kurzum: Er ist „schick“, der städtische Bahnhof, wie es Bürgermeister Wolfgang Krämer ausdrückt.

Nur die Straße, die im Schatten eines Sandsteinhangs an ihm vorbeiführt, kann nicht mithalten. Fahrbahn und Gehweg sind marode. Wegen all der Schlaglöcher und Risse sind sie für Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen mit Rollatoren kaum zu benutzen. Auch für den Zustand der Sackgasse findet Krämer griffige Worte: „Unter aller Kanone.“

Gerne würden die Kyllburger die Sackgasse „Am Bahnhof“ ausbauen. Etwa 200 Meter wären zu sanieren, barrierearm zu gestalten und an den Kylltal-Radweg anzubinden. „Das wäre das Mindeste, was getan werden muss, um das Bahnhofsumfeld an die Verkehrsstation anzupassen“, sagt Krämer.

Ursprünglich war aber vorgesehen, dass auch auf der anderen Seite der Gleise etwas passiert: Hier endet die Rollstuhlrampe bislang direkt auf der Straße. Außerdem würde es Krämer für sinnvoll halten, auf dem Gelände hinter dem Supermarkt einen Buswendeplatz und eine Wartehalle zu errichten.

„Doch von diesen Plänen haben wir uns früh verabschiedet“, sagt der Stadtchef. Der Grund sind die leeren Kassen der Gemeinde. Rund 700 000 Euro würde das Gesamtvorhaben kosten. Für 300 000 Euro wäre immerhin eine Sanierung der Straße „Am Bahnhof“ zu haben, die Krämer für „dringend notwendig“ hält. Das Innenministerium des Landes ist hier allerdings anderer Meinung. Und das ist das Problem.

Sie können nämlich nur dann Fördermittel aus dem sogenannten Investitionsstock des Landes bekommen, wenn sie einen gewissen Eigenanteil vorlegen. Dafür ist aber zu wenig Geld in der Kasse der verschuldeten Kleinstadt. Die Gemeinde müsste einen Kredit aufnehmen. Doch die Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm kann dafür kein grünes Licht geben. Die Voraussetzung wäre laut einem Sprecher entweder, dass die Gemeinde nachweist, dass sie den Betrag refinanzieren kann. Oder, dass das Land für die Investition ein dringendes „öffentliches Interesse“ sieht. Die Zeichen dafür stehen aber schlecht. Zweimal hatte das Innenministerium Krämers Anliegen eine Absage erteilt.

Also mussten die Kyllburger nach einem anderen Förderweg suchen. Mitte Januar fuhren der Stadtchef und Josef Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitburger Land, zum Verkehrsministerium nach Mainz. Dort haben sie sich Unterstützung aus dem Landesverkehrsfinanzierungsgesetz erbeten. Doch auch hier hatten sie keinen Erfolg. Nach Meinung des Staatssekretärs hat das Projekt keine Chance auf Zuwendungen.

Der Grund klingt banal: Die Gemeindestraße „Am Bahnhof“ ist eine Sackgasse und damit nicht förderfähig. Stadtbürgermeister Krämer sieht das zwar anders: „Die Straße dient nicht nur den Anliegern. Sie ist das Tor zur Stadt, ein Knotenpunkt, an dem sich Bus, Schiene und Individualverkehr treffen.“

Doch dieser Argumentation ist das Vekehrsministerium nicht gefolgt. Krämer sagt, er werde die Augen aber nach anderen Födertöpfen offen halten.