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Schöne Häuser, glückliche Gewinner: Eifelkreis verleiht zum zweiten Mal Baukulturpreis

FOTO: Kreisverwaltung Bitburg-Prüm
Bitburg. 14 Projekte sind im Beisein von etwa 140 geladenen Gästen in der Kreissparkasse in Bitburg mit dem Baukulturpreis ausgezeichnet worden. Darunter: der Neubau des Verwaltungsgebäudes der Kommunalen Netze Eifel in Prüm, ein modernisiertes Pfarrhaus in Oberweis und ein Wohnhaus in Weidingen. Eileen Blädel

"Wir haben eigentlich weniger damit gerechnet", sagt Alice Schares aus Jucken in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. Eine Trophäe durften sie und ihr Mann Hans-Wilhelm trotzdem mit nach Hause nehmen: Das Ehepaar gehört zu den Gewinnern des Baukulturpreises, der am Dienstagabend in der Kreissparkasse in Bitburg verliehen worden ist (siehe Extra).

Backhaus aus 18. Jahrhundert
Die Auszeichnung komme deshalb unerwartet, "weil es doch nur ein kleines Häuschen ist", sagt Alice Schares. Aber eines, das der Familie, die eigentlich von der Landwirtschaft lebt, sehr am Herzen liegt: Sie haben ihr altes Backhaus zu einer Ferienwohnung umgebaut. Das Gebäude stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und steht auf dem Hetzgeshof, einer für die Eifel typischen alten Streuhofanlage, auf der Familie Schares auch schon das Wohnhaus aufwendig renoviert hat. Nun soll auch in das Backhaus, dessen alter Ofen noch voll funktionstüchtig sei, neues Leben einziehen. Vier Jahre dauerte der Umbau, weil die Familie ihn größtenteils in Eigenleistung stemmte. "Das ist eine Lebensaufgabe für uns", erzählt Alice Schares. "Und mein Mann ist handwerklich begabt." Zum zweiten Mal hat der Eifelkreis Bitburg-Prüm gemeinsam mit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz den Baukulturpreis verliehen. Die Initiative Baukultur Eifel will eben solche Projekte wie beispielsweise das in Jucken fördern: Projekte, "die sich zurückbesinnen auf das, was Eifel ist", sagt Dagmar Schommer, TV-Redakteurin und Moderatorin an diesem Abend, "und was Heimat ausmacht".

Ein Standort sei nur so gut wie die Dinge, die dort geschehen, sagt Joachim Streit, Landrat und Initiator der Baukultur Eifel. Und in den vier Jahren - seit dem Start der Initiative im Jahr 2011 - "haben wir so viel erreicht, dafür brauchen andere Jahrzehnte", sagt der Schirmherr. "Die Kultur steht in den Dörfern."

Initiative will Bauherren fördern

Rainer Nickels vom Vorstand der Kreissparkasse Bitburg-Prüm sieht dann auch keinen Widerspruch in moderner Architektur auf der einen Seite und der Bewahrung von Baukultur auf der anderen. Die Bauherren wolle man ermutigen weiterzumachen, sagt Bianca Klein von der Geschäftsstelle der Baukultur beim Finanzministerium in Mainz. "Und die Baukultur fördern, voranbringen und auch verbreiten." Na, wenn das mal nicht gelungen ist - sogar über die Region hinaus: Denn ein Gewinnerpaar steht schon fest - und das hat seinen Preis am Abend zuvor in Regensburg abgeholt (siehe Extra).

Und dabei wissen die beiden noch gar nicht, dass sie auch beim Baukulturpreis nochmal zum Zug kommen werden. Doch bevor Gerold Reker, Präsident der Architektenkammer und Juryvorsitzender, dann endlich die Gewinner ausruft - "viele gute Projekte und eine schwere Entscheidung" - geht es auch um die Frage, die Marie-Luise Niewodniczanska aufwirft - von Moderatorin Dagmar Schommer angekündigt als die Frau, die sich des Themas schon zu einer Zeit angenommen habe, als es noch nicht als schick galt, einen alten Hof zu sanieren: "Reicht es aus, was wir hier machen?" Frau Niewo will dann auch die Bürgermeister sensibilisieren und die Baukultur ausdehnen zum Beispiel auf Bebauungspläne, die nicht mehr zeitgemäß seien oder "überhaupt in den Mülleimer gehören". Darauf Gerold Reker: "Das ist ein Prozess", und man habe schon schon große Schritte getan. "Alle schielen hierher", sagt er. Denn die Idee schwappe aus der Eifel nun auch in andere Regionen Deutschlands.

Unbestreitbar bleibt für Frau Niewo: "Die Preisträger sind ausnahmslos Leuchttürme für gute Gestaltung. Diese Bauten sind einfach gut - und schön." Und Schönheit, die setze eine "emotionale Ergriffenheit" beim Betrachter voraus - um nicht zu sagen: eine Rührung. Und ein bisschen gerührt waren sie am Ende wohl alle.

Preise

Kategorie Neubau Wohnbauten:

1. Preis (1000 Euro): Gästehaus in Weidingen; Bauherr: Stiftung Förderung zeitgenössischer Kunst in Weidingen, Max Hetzler, Berlin; Architekt: Anja Axt, Axt-Architekten, Trier. 2. Preis (800 Euro): Wohnhaus in Speicher; Bauherr: Renate Reuter und Udo Silvanus, Speicher; Architekt: Rainer Roth, Meckel.

Kategorie Bauen im Bestand:
1. Preis: Umbau Scheune in Minden; Bauherr: Anne Kilian-Wirtz, Ralingen; Architekt: Stein-Hemmes-Wirtz, Kasel/Frankfurt. 2. Preis: Umbau Scheune in Wallendorf; Bauherr: Familie Wolter, Wallendorf; Architekt: Rainer Roth, Meckel.

Kategorie Tourismus/Fremdenverkehr:
1. Preis: Umbau eines ehemaligen landwirtschaftlichen Hofguts in Geichlingen; Bauherr: Uschi und Wolfgang Wagner, Geichlingen; Planer: Diplom-Ingenieur Wolfgang Karpen, Oberweis. 2. Preis: Umbau eines ehemaligen Backhauses mit Schmiede zu einem Gästehaus; Bauherr: Alice und Hans-Wilhelm Schares, Jucken; Architekt: Mechthild Kohl-Heck, Holsthum.

Extra Prämierte Projekte:

Kategorie Neubau Wohnbauten:
Wohnhaus in Wolsfeld; Bauherr: Doris und Mathias Christmann, Wolsfeld; Architekt: Johannes Götz, Bitburg/Köln.
Kategorie Erhalt traditioneller Baukultur/Denkmalpflege:
Modernisierung Wohnhaus in Wolsfeld; Bauherr: Nicole und Carlo Sente-Ligbado, Wolsfeld. Modernisierung des ehemaligen Pfarrhauses in Dudeldorf-Ordorf; Bauherr: Edith und Josef Pallien, Dudeldorf. Modernisierung des ehemaligen Pfarrhauses in Oberweis; Bauherr: Heidi und Planer Diplom-Ingenieur Wolfgang Karpen, Oberweis.
Kategorie Gewerbebauten:
Neubau Verwaltungs- und Betriebsgebäude Kommunale Netze Eifel (KNE) in Prüm; Bauherr: KNE - Kommunale Netze Eifel AöR Niederprüm; Architekt: ww+, Trier, Werner Schaack, Trier, HDK Dutt&Kirst GmbH, Saarbrücken. Neubau Holzbaubetrieb in Dudeldorf; Bauherr: Gebrüder Thiel GmbH; Architekt: Atelier für Architektur, Architekten Heck, Thiel, Bertz, Irrel.
Kategorie Nebengebäude:
Haus im Garten in Meckel; Bauherr: Christine Schwickerath; Architekt: Rainer Roth, Meckel.
Kategorie Stadtbild - Fassadengestaltung:
Fassadenneugestaltung in Bitburg; Bauherr: Nic. Messerich, Bitburg; Architekt: Johannes Götz, Bitburg/Köln.

Extra Noch ein Preis
Carlo und Nicole Sente-Ligbado haben nicht nur die Baukultur-Auszeichnung erhalten, sondern wurden einen Tag zuvor in Regensburg vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit der Silbernen Halbkugel "für ihren phantasievollen, sensiblen und persönlichen Einsatz im Umgang mit historischer, oft schon aufgegebener Bausubstanz und den für sie notwendigen modernen Nutzungsmöglichkeiten" ausgezeichnet. Das Ehepaar hat bislang 13 Hofanlagen erworben und, so heißt es in der Pressemitteilung, "mit Geschichtsbewusstsein, Mut und Ausdauer erfolgreich herausragende Zeugnisse der Denkmalpflege geschaffen". Sie seien "ein nachahmungswertes Vorbild in der Region". Im Jahr 1988 hatte auch Marie-Luise Niewodniczanska diesen Preis in Berlin erhalten.