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Schulpsychologen müssen nach Trier

Müssen in Zukunft weitere Wege für eine Beratung in Kauf nehmen: verzweifelte Schüler in den Kreisen Bitburg-Prüm und Daun, die Hilfe beim Schulpsychologischen Dienst suchen.Foto: Rebecca Schaal
Müssen in Zukunft weitere Wege für eine Beratung in Kauf nehmen: verzweifelte Schüler in den Kreisen Bitburg-Prüm und Daun, die Hilfe beim Schulpsychologischen Dienst suchen.Foto: Rebecca Schaal
BITBURG/DAUN. Die Reduzierung der bisher 31 auf elf Beratungszentren ist das Ergebnis einer Umstrukturierung des Schulpsychologischen Dienstes in Rheinland-Pfalz. Demnach müssen auch die Beratungsstellen in Bitburg und Daun ihre Pforten schließen. Von unserer Mitarbeiterin <br>REBECCA SCHAAL

"Die inMainz wissen doch gar nicht, was sich hier auf dem offenen Landabspielt." Maria Kles aus Weidingen ist sauer. Als Mitglied desRegionalelternbeirats versteht sie die Entscheidung desBildungsministeriums nicht, ab Sommer 20 Beratungsstellen desSchulpsychologischen Dienstes in Rheinland-Pfalz zu schließen.Der Prozess soll sich über zwei Jahre erstrecken. Stein des Anstoßes ist laut Ministerium ein Bericht, den der Landesrechnungshof 1999 veröffentlicht hat. Demnach seien durch die Zusammenlegung der 31 Beratungsstellen Einsparungen in Höhe von rund 300 000 Euro im Verwaltungsbereich und bei Mieten möglich.

Doch: "Für uns stehen die finanziellen Aspekte nicht im Vordergrund", erläutert Wolf-Jürgen Karle, Pressesprecher des Ministeriums. "Viel wichtiger ist, dass wir den Schulpsychologen mit einer solchen Teambildung die Möglichkeit bieten, sich auf einem bestimmten Gebiet zu spezialisieren." Ein Problem sind für ihn auch die Beratungsstellen, in denen nur ein Schulpsychologe arbeitet: "Dort ist dann niemand erreichbar, wenn der Psychologe zu einem Beratungsgespräch muss. Das soll sich mit der Zusammenlegung ändern." Personalabbau komme in Anbetracht der wichtigen Funktion des Schulpsychologischen Dienstes aber nicht in Frage, betont er.

Zu diesen Ein-Personen-Dienststellen zählt das Ministerium auch die Beratungsstellen in den beiden Kreisen Daun und Bitburg-Prüm. In Daun teilen sich zwei Mitarbeiterinnen eine Stelle. In Bitburg sind zwei Schulpsychologen tätig, die sich 1,75 Stellen teilen. Obwohl der Standort Bitburg mehr als eine Stelle bietet, sei nicht gewährleistet, dass die Erfüllung der Aufgaben des Schulpsychologischen Dienstes aufrecht erhalten werden könne, erklärt Botho Priebe. Der Direktor des Instituts für schulische Fortbildung und schulpsychologische Beratung (IFB) in Speyer leitet die Geschicke der derzeit 31 schulpsychologischen Beratungsstellen im Land.

Der Schulpsychologische Dienst hat ein breit gefächertes Aufgabengebiet. So bieten Schulpsychologen Einzelberatungen von Schülern, Eltern und Lehrern an. Zudem wirken sie bei der Lehrerfortbildung und bei Schulprojekten mit. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, ist aus der Sicht des Ministeriums eine Umstrukturierung unerlässlich. Dabei ist Wolf-Jürgen Karle durchaus bewusst, dass diese Zentralisierung Probleme aufwirft. "Natürlich ist es ein höherer organisatorischer Aufwand, wenn die Psychologen von Trier aus nach Bitburg und Daun zu Beratungsgesprächen fahren müssen", räumt der Pressesprecher ein.

Genau das ist es, was Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit an diesem Konzept stört: "Man muss sich immer fragen, ab wann sich eine Sache lohnt. Ich behaupte, dass sich der Kosten-Nutzen-Faktor in diesem Fall eher verschlechtern wird." Der Nutzen der Mainzer Pläne ist auch für den Dauner Stadtbürgermeister Wolfgang Jenssen fraglich: "Die Kosten werden nach meiner Auffassung nur verlagert." Jenssen befürchtet sogar, dass das Angebot des Schulpsychologischen Dienstes nach der Zentralisierung aufgrund des Fahraufwands weniger genutzt wird. Ähnliche Kritik übt Maria Kles: "Die Eltern sind mit ihren Kindern den ganzen Nachmittag unterwegs, um sich in Trier beraten zu lassen."

Präsenztage an Schulen verringern Fahrtwege

Dass dies keine optimale Lösung ist, weiß auch Botho Priebe. Gemeinsam mit dem Ministerium hat das IFB deshalb überlegt, wie sich weite Anfahrtswege für Eltern und Schüler vermeiden lassen. "Wir möchten an den Schulen Präsenztage einrichten. Die Schulpsychologen fahren dann an einem Tag in der Woche zu der jeweiligen Schule hin", erläutert er. Außerdem überlege das IFB gemeinsam mit dem Ministerium, Beratungslehrer einzusetzen und fortzubilden. Diese könnten dann die Aufgaben des Schulpsychologen bis zu einem gewissen Grad übernehmen.

Fakt ist, dass sich das Beratungsverhältnis in der Region Trier durch die Umstrukturierung erst einmal verschlechtern wird. In Bitburg ist ein Schulpsychologe derzeit für etwa 9000 Schüler zuständig. Diese Zahl wird mit der Verlagerung nach Trier steigen. "Dort kommt dann eine Stelle auf 13 000 Schüler. Das ist nötig, um die Anzahl an den Landesdurchschnitt anzugleichen", sagt Botho Priebe. Das wiederum ist auch ein Ziel der Umstrukturierung. Denn derzeit gibt es ein unausgeglichenes Betreuungsangebot. Die Zahl der Schüler, die von Schulpsychologen betreut werden, variiert von 7500 bis 24500.

Trotz aller Angleichungsversuche: Fest steht, dass das Ministerium seine in den 70er Jahre gefasste Absicht, für je 5000 Schüler einen Psychologen einzustellen, weit verfehlt hat.