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Soziales
Schwitzen, strampeln, spenden

BITBURG/BETTINGEN/WOLSFELD. Wenn Erwachsene für Kinder in die Pedale treten, dann ist „Vor-Tour der Hoffnung“. In diesem Jahr ist Biersdorf der Ausgangspunkt.

Strampeln, schwitzen, strampeln,  schwitzen... Auf die Zähne beißen, sich quälen, weiterradeln, obwohl man eigentlich nicht mehr kann.  Das tun mehr als Jürgen Grünwald und seine Mitstreiter jedes Jahr. Der Erfinder der „Vor-Tour der Hoffnung“ weiß auch, warum. „Es ist eine Bereicherung des Lebens,  eine Riesen-Motivation“, sagt er. Denn die Radler helfen damit denen, die es besonders schwer haben: misshandelten, vernachlässigten und kranken Kindern. In 21 Jahren, in denen es die Vor-Tour gibt, haben sie 3,7 Millionen Euro für die Krebs-Forschung und für Einrichtungen, die sich um solche Kinder kümmern, gesammelt.

Dabei fing alles mal ganz bescheiden an: mit 4500 Mark, die Grünwald, damals Verkehrsdirektor der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler,  und sein Freund Gregor Waldorf sammelten, als sie 1996 mit Rennrädern zum Start der Tour der Hoffnung nach Gießen fuhren. Dort übergaben sie die Summe an die Teilnehmer der „Tour der Hoffnung“, bei der Prominente und Gleichgesinnte auf jeweils rund 300 bis 400 Kilometer langen Touren im ganzen Bundesgebiet seit 1983 Geld für krebskranke Kinder  sammeln. Dabei kamen in den vergangenen 34 Jahren mehr als 35 Millionen Euro zusammen.

Aber auch die „kleine Schwester“ der großen Tour, die immer direkt nach der Vor-Tour startet (in diesem Jahr vom 8. bis 11. August in Hessen und Baden-Württemberg)  hat sich entwickelt: von einem Zwei-Mann-Ausflug zu einem Riesen-Event mit rund 130 Teilnehmern und 40 Begleitern.

Mit dabei sind Promis wie die frühere Biathletin Petra Behle, der Ex-Boxer Sven Ottke, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Landtagspräsident Hendrik Hering, Ex-Fifa-Schiedsrichter Edgar Steinborn, Reimund Dietzen, Marcel Wüst und Hans Lutz (Radsport), aber auch ganz „normale“ Leute. „Dabei sind zum Beispiel Menschen, die krebskranke Kinder verloren haben oder als Kinder selbst misshandelt wurden. Bei der Tour mitzufahren, ist ihnen ein echtes Anliegen“, sagt Grünwald.

Und sie wollen natürlich auch, dass viele Spenden zusammenkommen. Ob es auch dieses Jahr 600 000 Euro sind, so wie im Vorjahr? Jedenfalls ist sich Grünwald sicher, dass jede Menge Geld zusammengekommen ist, denn was die Leute in der Eifel-Mosel-Region, die die Tour-Teilnehmer vom 5. bis 7. August mit dem Rad besuchen, auf die Beine gestellt hätten, sei grandios. „Die Dörfer und Städte haben sich wahnsinnig ins Zeug gelegt“, sagt er.

Aber nicht nur deshalb ist er froh, mit seinen Leuten in der Region zu sein. Denn schon im nächsten Jahr soll die Vor-Tour rund um Trier stattfinden. „Da können wir jetzt schon mal Werbung für unsere Sache machen“, sagt er.

Auf drei Etappen werden die Radler die Eifel und ein Stück der Mosel erkunden, ausgehend vom „Basislager“ Biersdorf am See, wo der ganze Tross übernachtet.  Aber sie fahren nicht einfach vorbei, sondern werden in mehreren Orten Zwischenstopps einlegen. Und das mit viel Tam-Tam. Denn die Gemeinden begrüßen die radelnden Promis mit großem Programm. Zudem zeigt der ehemalige Reck-Weltmeister Eberhard Gienger an einigen Orten spektakuläre Fallschirmabsprünge. Und an allen Orten singen die Kinder das eigens für die Tour komponierte Lied „Für alle Kinder dieser Welt“.

Doch damit nicht genug: Alle, die im Vorfeld mit vielen Aktionen Spenden gesammelt haben – Vereine, Institutionen, Privatpersonen – werden die Schecks auf der Bühne an die Vor-Tour-Leute überreichen. So haben die Kyllburger zum Beispiel Spenden an der Kirmes, dem Kunsthandwerkermarkt und beim Raderlebnistag Kylltal Aktiv zusammengetragen. In Bettinger Geschäften wurden Spendendosen ausgestellt, Flyer in den Betrieben verteilt.

Aber auch, wer noch nicht gespendet hat, hat noch die Möglichkeit dazu. Darauf weist Hans-Josef Bracht, Vizepräsident des Landtags Rheinland-Pfalz hin. Er hat die Tour mitorganisiert, radelt  mit und  fordert alle auf: „Kommen Sie zu den Stopporten, bringen Sie Ihre kleine oder große Spende mit. Oder freuen Sie sich einfach mit uns bei einem kleinen Fest für die gute Sache in Ihrer Gemeinde.“ Apropos Fest. Rund um die Vor-Ort-Tour haben die Gemeinden den Empfang der Radler entweder in Events eingebettet (Dauner Kirmes, Echternacher Steampunk-Convention, Vereinsjubiläum in Bettingen) oder gar ein eigenes Fest geplant.

Nur ein Beispiel: Bettenfeld. Hier werden etwa 500 Besucher erwartet. Klaus Bracht, Vorsitzender des Sportvereins Bettenfeld, hat zusammen mit den Vereinen und Bürgern aus Bettenfeld und den umliegenden Gemeinden einiges auf die Beine gestellt. Schon um 15 Uhr beginnt eine von Andreas Weiler moderierte Party für den guten Zweck -  gut zwei Stunden, bevor die Radler eintreffen.

Es gibt Grillgut, Kaffee und Kuchen, Verkaufsstände mit Büchern und Marmelade und eine Tombola. Und alles für den guten Zweck. Denn wenn die Radler weg sind, gehen die Party und der Spendenmarathon weiter. Man habe schon vorher viel gesammelt - unter anderem bei einem Benefizspiel in Laufeld - und werde das Geld auch an die Vor-Ort-Leute überreichen, aber der Erlös des Festes käme später noch dazu, berichtet Bracht. Zudem wartet in Bettenfeld noch eine kleine Überraschung auf die Radler. „Sie müssen eine Wette erfüllen, dann bekommen sie weiteres Geld in den Spendentopf“, verrät Bracht. Obwohl Jürgen Grünwald den Inhalt dieser Wette noch nicht kennt, ist er sicher, dass in allen Orten jede  Menge los sein wird, und findet es „schade, dass wir immer nur 45 Minuten Zeit haben“.

Aber das Programm ist halt stramm: 360 Kilometer und 3800 Höhenmeter in drei Tagen, 18 besuchte Gemeinden - und dann noch mithalten mit den Ex-Sportprofis wie Reimund Dietzen, Marcel Wüst oder Petra Behle. Wie soll man das schaffen? „Die Politiker und anderen Teilnehmer, die nicht aus dem Sportbereich kommen, müssen schon fit sein“, sagt Grünwald.

Denn warten könne man angesichts des vollen Programms auf niemanden.  Daher werde vorher auch geklärt, ob das für die jeweiligen Teilnehmer leistbar sei. In diesem Jahr gebe es dank der knackigen Temperaturen eine weitere Herausforderung.

„Da müssen wir eben viel trinken“, sagt Grünwald. Und strampeln, schwitzen, strampeln, schwitzen, schwitzen ...

Radeln und jedes Jahr Spenden sammeln: Das ist das Motto der Vor-Tour der Hoffnung.
Radeln und jedes Jahr Spenden sammeln: Das ist das Motto der Vor-Tour der Hoffnung. FOTO: TV / Bernd Kniel
Einer der Höhepunkte an jedem angefahrenen Ort: die Überreichung der gesammelten Spenden.
Einer der Höhepunkte an jedem angefahrenen Ort: die Überreichung der gesammelten Spenden.