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Kochen wie Mutti
Serie Heimat-Genuss - Ein Gericht mit tausend Namen: Grumberschnietscher

Die Zutatenliste für unsere Grumberschnietscher ist übersichtlich.
Die Zutatenliste für unsere Grumberschnietscher ist übersichtlich. FOTO: TV / Nathalie Hartl
Trier. Die TV-Volontäre haben sich für die Serie Heimat-Genuss wieder an den Herd begeben. Auf dem Speiseplan standen diesmal Grumberschnietscher – ein einfaches Gericht, das jedoch ein unerwünschtes Souvenir mit sich gebracht hat. Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Auf der Liste der Gerichte, die wir für die Serie kochen wollen, stehen neben Teerdisch oder Braten auch Grumberschnietscher. Als unbedarfter Zugezogener denke ich zunächst an Brotscheiben, also Schnittchen, auf die man Kartoffelscheiben legt. Meine Kollegen aus der Region räumen mit diesem fatalen Irrtum direkt auf. „Das sind Pfannkuchen aus geriebenen Kartoffeln“, bekomme ich erklärt. „Du weißt schon, die Dinger, die es immer in Massen auf dem Trierer Weihnachtsmarkt gibt.“ Kartoffelpuffer also. Während man sie in der Pfalz Grumbeerpannekuche schimpft und in Luxemburg Grompere Kichelscher, haben sie an anderen Orten exotischere Namen. Bei einem Freund aus München bekam ich das fettige Vergnügen unter dem Titel Reiberdatschi serviert und in Polen würde ich es möglicherweise als placki kartoflane auf einer Speisekarte finden. „Gerappt Plätz gab es immer bei meiner Oma“, erzählt mir eine Kollegin aus dem Landkreis Vulkaneifel. Hunderte Namen – ein Gericht. Und es gibt davon zahlreiche Varianten, mit mehr Ei oder weniger, unterschiedlichen Kräutern und verschiedenen Gewürzen. Wir halten es ganz simpel.

Beim Braten (rechts) entsteht ein Pommesbuden-Duft, der durch die gesamte Wohnung wandert. Christians Freude über das fertige Ergebnis trübt das nicht.
Beim Braten (rechts) entsteht ein Pommesbuden-Duft, der durch die gesamte Wohnung wandert. Christians Freude über das fertige Ergebnis trübt das nicht. FOTO: TV / Nathalie Hartl

Das kommt rein Die Liste der Zutaten ist kurz: Kartoffeln, Haferflocken und ein Ei. Dazu gesellen sich Salz und Pfeffer. Je nach Vorliebe machen sich auch Kräuter wie Schnittlauch sowie Petersilie oder andere Gewürze, zum Beispiel Muskatnuss, gut in dem Essen.

Knusprig und goldbraun sollen die Schnietscher im Ölbad werden.
Knusprig und goldbraun sollen die Schnietscher im Ölbad werden. FOTO: TV / Nathalie Hartl

Nach einem Besuch im nächstbesten Supermarkt haben wir alles zusammen – bis auf das Ei. Denn die Bio-Eier waren ausverkauft, und als verkappter Öko besteht man schließlich auf seine Prinzipien. Also noch einmal aufs Fahrrad gestiegen, ein Stück geradelt und die fehlende Zutat besorgt. „Dann mal einen guten Transport“, sagt die Kassiererin, die das einzelne Bio-Ei vorsichtig über das Band befördert.

Was uns gefällt: Alle Zutaten, die wir verwenden, kommen aus Deutschland. Weder Zwiebeln aus Neuseeland, die schon mehr in der Welt herumgekommen sind als wir selbst, noch Kartoffeln aus Ägypten kommen zum Einsatz. Eine gute CO2-Bilanz für unser Mahl.

Schnittlauch gibt dem kohlenhydratreichen Gericht Frische.
Schnittlauch gibt dem kohlenhydratreichen Gericht Frische. FOTO: TV / Nathalie Hartl

Es geht in die Küche Zunächst waschen und schälen wir die Grumbern. Anschließend machen sie Bekanntschaft mit der Reibe. Die Arbeit geht ordentlich in die Arme. Vielleicht kann man sich da den Weg in die Muckibude sparen? Genau wie die Kartoffeln soll auch die Zwiebel gerieben werden. Welch Überraschung, dass sich hierfür keiner aus unserem Küchenteam freiwillig meldet! Das Los fällt auf Christian, der die Bürde mehr oder minder wacker trägt: „Das ist noch schlimmer, als Zwiebeln zu schneiden.“ Klar, denn beim Raspeln werden mehr Zellen der Zwiebel verletzt als beim Schneiden. Dabei kommen zwei Stoffe in Verbindung, die einen chemischen Prozess auslösen. Die reizende Verbindung Propanthial-­S-oxid entsteht und steigt durch die Luft in die Augen – nicht gerade zu Christians Freude.

FOTO: TV / Nathalie Hartl

Nach dem chemischen Abenteuer mit der Zwiebel geht es ans Schnibbeln der Kräuter. In unsere Grumberschnietscher kommen Petersilie und Schnittlauch. Außerdem fügen wir noch ein Ei, einen Esslöffel Haferflocken, Salz, Pfeffer und Muskat hinzu. Die matschige Pampe rühren wir gut durch und dann geht es schon an den Herd.

In einer Pfanne erhitzen wir reichlich Öl und platzieren darin einzelne Kleckse unserer Kartoffelmasse. Schon nach wenigen Minuten riecht es in der gesamten Wohnung wie in einer Pommesbude. „Das wird sich die ganze Woche halten“, bin ich mir sicher. Ein unerwünschtes Souvenir. Panisch reißen wir die Fenster auf. Die Grumberschnietscher brutzeln vor sich hin und werden gewendet. Sieht vielversprechend aus. Bevor die Reibekuchen anbrennen, angeln wir sie aus ihrem Ölbad und lassen die nächsten Teigkleckse folgen.

Wir garnieren unsere Reibekuchen mit kleinen Tomaten und frischen Kräutern. Guten Appetit!
Wir garnieren unsere Reibekuchen mit kleinen Tomaten und frischen Kräutern. Guten Appetit! FOTO: TV / Nathalie Hartl

Der Geschmackstest Da das Auge mitisst, garnieren wir das Werk noch mit Petersilie. Apfelmus oder einen anderen Dip sparen wir uns, da wir den Geschmack unverfälscht bewerten möchten. Was wir schon während des Brutzelns festgestellt haben: Die Zubereitung ist angesichts des Reibe-Spaßes relativ zeitintensiv. Ob sich das gelohnt hat?

Christian Ich muss mich outen: Ich liebe Grumberschnietscher. Besonders die meiner beiden Omas, an die kommt keiner ran. Leider auch unsere nicht. Die sind knuspriger, dünner und besser gewürzt. Aber naja – ich vermute, dass im Rezept Generationen von Kochprofis zusammengewirkt haben. Was sind dagegen schon ein paar Volontäre? Außerdem gehört zum Oma-Rezept warmes, selbstgemachtes Apfelmus. Das fehlt bei uns. Für das Gericht im Allgemeinen gebe ich eine klare 1, für das, was bei uns herausgekommen ist, reicht es noch zu einer 3-. Aller Anfang ist schwer.

Marlene Nach dem Probieren bin ich doch überrascht, wie gut mir die Grumpernschnietscher schmecken. Da ich es gar nicht so schlimm finde, wenn das Essen etwas milder schmeckt, macht es mir nichts aus, dass wir nicht ganz so viel Salz benutzt haben. Obwohl ich eigentlich kein besonderer Fan von Kartoffeln bin, könnte ich mir vorstellen, die Grumpernschnietscher zu Hause noch einmal nachzukochen. Von mir gibt es eine 2.

Nathalie Nach dem ersten Bissen stelle ich fest, dass wir sehr vorsichtig mit Salz und Pfeffer umgegangen sind. Obwohl wir den Streuer lange geschüttelt und die Mühle viele Male gedreht haben, ist das Ganze läppsch. Dafür kommen die Kräuter gut heraus. Anders als die Grumberschnietscher auf dem Weihnachtsmarkt ist unsere Variante nicht in Öl ertränkt worden und auch weniger knusprig. Unser Versuch ist ehrbar, aber meine Oma kann das definitiv besser. Ob es an der Pfanne liegt oder an der Übung? – Wer weiß. Ich gebe eine 3. Auf den Frittenbuden-Geruch, der sich noch über Tage gehalten hat, gebe ich eine 5.

Zuerst müssen die Grumbern geschält und gerieben werden.
Zuerst müssen die Grumbern geschält und gerieben werden. FOTO: TV / Nathalie Hartl
Mit Salz, Pfeffer und Muskat wird der Kartoffelteig gewürzt.
Mit Salz, Pfeffer und Muskat wird der Kartoffelteig gewürzt. FOTO: TV / Nathalie Hartl
Haferflocken und Ei wandern in die Masse und binden sie.
Haferflocken und Ei wandern in die Masse und binden sie. FOTO: TV / Nathalie Hartl