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TV-Wandertag
So schön ist Malberg!

Panoramalandschaften begegnen den Wanderen rund umn Malberg auf Schritt und Tritt.
Panoramalandschaften begegnen den Wanderen rund umn Malberg auf Schritt und Tritt. FOTO: Martin Recktenwald
Malberg. Eine Entdeckungsreise ins Kylltal steht beim nächsten Volksfreund-Wandertag am 16. September auf dem Programm. Von Martin Recktenwald

Es ist wieder so weit: Für Sonntag, 16. September, laden der Trierische Volksfreund und zahlreiche Vereine und Partner zum TV-Wandertag nach Malberg. Bewegte Geschichte und Natur haben dieses Dorf im Talkessel an der Kyll mit einem sehenswerten Ambiente ausgestattet. Wie schön Malberg ist, zeigt ein kleiner Rundgang durch den Ort.

Kein Blick führt an Schloss Malberg vorbei, das sich auf einer Anhöhe in der Mitte des Orts erhebt. Ursprünglich hatte diese Lage strategische Gründe: Vom Hügel aus ließ sich das Tal der Kyll bestens überwachen. In der ältesten erhaltenen Urkunde sind für das Jahr 1008 zwei dicht nebeneinander liegende Burgen erwähnt.

Auch Mohrweiler, das ebenfalls zu Malberg gehört, ist eine  Station der TV-Wanderrouten.
Auch Mohrweiler, das ebenfalls zu Malberg gehört, ist eine Station der TV-Wanderrouten. FOTO: Martin Recktenwald

Streitigkeiten gab es in dieser Grenzlage zwischen den damaligen Erzbistümern Köln und Trier in schöner Regelmäßigkeit. In späterer Zeit lösten allerdings ästhetische Aspekte die militärischen ab. Und so entstand Anfang des 18. Jahrhunderts unter Regie des venezianischen Architekten Matteo Alberti ein schmuckes Schloss.

Die Kyll ist auch bei Anglern beliebt. In Malberg kümmert der Angelsportverein um die Fischbestände.
Die Kyll ist auch bei Anglern beliebt. In Malberg kümmert der Angelsportverein um die Fischbestände. FOTO: Martin Recktenwald

Beim Aufstieg zu diesem Wahrzeichen Malbergs sollte man sich allerdings ruhig etwas Zeit lassen. Denn auch in den Gässchen gibt es einiges zu entdecken. Immer wieder tauchen barocker Fassadenschmuck an Häuserwänden, Wegkreuze oder Nischen für Heiligenfiguren über den Türstürzen auf. Bei einigen Haustüren fällt dabei eine ungewöhnliche Form ins Auge: Auf halber Höhe läuft eine Teilungsfuge quer über das verzierte Holz.

Von der Brücke aus lässt sich der Lauf der Kyll verfolgen.
Von der Brücke aus lässt sich der Lauf der Kyll verfolgen. FOTO: Martin Recktenwald

„Wir haben in Malberg noch sieben dieser zweigeteilten Türen“, klärt Renate Kappes auf. Die Malberger Rentnerin führt ehrenamtlich Gäste durch Ort und Schloss. In früheren Jahrhunderten waren die doppelten Türen der Normalfall: Die obere Hälfte konnte zur Entlüftung der angrenzenden Wohnküche genutzt werden, während die untere gleichzeitig allzu neugierige Haus- und Hoftiere draußen hielt.

Bundsandstein ist das vorherrschende Baumaterial in Malberg. Ein Steinbruch existiert noch heute in der Region
Bundsandstein ist das vorherrschende Baumaterial in Malberg. Ein Steinbruch existiert noch heute in der Region FOTO: Martin Recktenwald

In der Schlossstraße gibt es noch eine weitere Malberger Besonderheit zu entdecken: Farbenfroh bestückte Blumenkästen und ein noch bunteres Windrädchen umrahmen ein kleines Schaufenster – Wein-, Sekt- und Saftflaschen locken hinter dem Glas die Durstigen. Über der Markise prangt das Schild „Dorfladen Wagner“. Innen findet sich auf kleinem Raum ein ganzes Sortiment an Lebensmitteln für den täglichen Bedarf. „Leckeren Kuchen gibt‘s auch“, ergänzt Kappes, die hier ebenso wie viele Malberger gerne einkauft.

Das Wahrzeichen des Orts: Schloss Malberg.
Das Wahrzeichen des Orts: Schloss Malberg. FOTO: Martin Recktenwald

Dass sich in einem Dorf mit rund 570 Einwohnern ein solcher Dorfladen erhalten hat, ist vor allen Dingen persönlichem Engagement zu verdanken. „Schon als kleines Kind war ich ständig hier bei meiner Mutter im Dorfladen. Der ist meine Heimat. Deshalb habe ich ihn dann später auch übernommen“, sagt Inhaberin Heidi Rink. Neben dem eigentlichen Einkauf ist der Laden auch Treffpunkt für die Menschen des Orts. Hier ist immer Zeit für einen Plausch. Und derlei Begegnungen schätzt man in Malberg. „Die Leute sind hier sehr offen“, sagt Dorfladen-Kundin Christel Koch.

Klein, aber fein: Im Dorfladen gibt es alles für den täglichen Bedarf und leckeren Kuchen.
Klein, aber fein: Im Dorfladen gibt es alles für den täglichen Bedarf und leckeren Kuchen. FOTO: Martin Recktenwald

Zoff gab es in Malberg eher in lange vergangenen Zeiten. Beispielsweise die Sache mit dem Ritter Kuno, die bis heute noch ihre Spuren hinterlassen hat. Jener eigentlich als tugendhaft charakterisierte Ritter Kuno von Malberg war Anfang des 13. Jahrhunderts gar nicht einverstanden mit der Idee seiner Schwester Agnes, das gesamte Familienvermögen der Abtei Himmerod zu vererben.

An der Gemeindehalle startet der Volksfreund-Wandertag. Das Gemeidnewappen zieren die neune Kugeln des heiligen Quirinius.
An der Gemeindehalle startet der Volksfreund-Wandertag. Das Gemeidnewappen zieren die neune Kugeln des heiligen Quirinius. FOTO: Martin Recktenwald

Ein „klärender“ Besuch beim Kloster endete mit einer Brandlegung. Daraufhin wurde der Trierer Erzbischof als Schlichter eingeschaltet und die Wogen beruhigten sich wieder. Aber der Bischof verfügte sicherheitshalber, dass die Herren von Kyllburg ein Auge auf die Malberger Nachbarn halten sollten. Eigens dafür wurde ein neuer Wachturm errichtet.

Der "Runde Garten" schließt sich als Aussichtsplattform an den hauptbau des Schlosses, das "Neue Haus" an.
Der "Runde Garten" schließt sich als Aussichtsplattform an den hauptbau des Schlosses, das "Neue Haus" an. FOTO: Martin Recktenwald

Nach dieser alten Geschichte werden die Malberger, insbesondere an Fastnacht, noch heute als „Kunos“ bezeichnet. Sie revanchierten sich bei den Kyllburgern mit gleicher Münze und gaben ihnen den Namen „Schminos“ (Wächter). Ritter Kuno trat übrigens nach Erlebnissen bei einem Kreuzzug später selbst als Mönch in die Abtei Himmerod ein.

Blick auf das "Alte Haus" der Schlossanlage.
Blick auf das "Alte Haus" der Schlossanlage. FOTO: Martin Recktenwald

Auf dem Schlossgelände gibt es indes nicht nur Historisches zu erkunden. Besonders lohnend ist der „Runde Garten“ hinter dem Hauptgebäude mit Ausblick auf den Ort. Beliebt nicht nur bei Hochzeitspaaren, die dieses Ensemble nebst Trauungsaal bei der Verbandsgemeinde Bitburger Land mieten. Das Gebäudeinnere wartet mit reich verzierten Holzvertäfelungen, Deckenstuck, Gemälden und  Wandteppichen auf.

Auch fpr Ausstellungen wird das Schloss genutzt.
Auch fpr Ausstellungen wird das Schloss genutzt. FOTO: Martin Recktenwald

Außer für Hochzeiten wird der Saal auch für Konzertveranstaltungen und Ausstellungen genutzt. Viele Jahre lang öffneten im 20. Jahrhundert hingegen die damaligen Besitzer ihr Schloss als Hotel. „Die Gäste berichteten, dass sie vor allem die familiäre Atmosphäre schätzten“, erzählt Kappes. Ruhe und Erholung  haben hier auch schon Schauspielerinnen wie Trude Herr oder Liselotte Pulver gesucht.

Sakrales Ambiente erwartet die Gäste im "Café Palladio" ind er ehemaligen Shclosskapelle.
Sakrales Ambiente erwartet die Gäste im "Café Palladio" ind er ehemaligen Shclosskapelle. FOTO: Martin Recktenwald

Seit 1996 kümmern sich engagierte Bürger in einem Förderverein darum, dass das Schloss und sein geschichtliches Erbe nicht in Vergessenheit geraten. Öffentliche Führungen werden von Ende März bis Ende Oktober an den Samstagen um 14.30 Uhr angeboten.

Edler Wandschmuck prägt das Trauungszimmer im Schloss Malberg.
Edler Wandschmuck prägt das Trauungszimmer im Schloss Malberg. FOTO: Martin Recktenwald

Aber auch am Volksfreund-Wandertag gibt es Gelegenheit, die Schlossanlage zu besuchen. Freunde wohlriechender Kräuter sollten sich dabei unbedingt die Beete im „Eisernen Garten“ ansehen. Passend zum Namen hat der Förderverein ein eisernes Zugangstor für dieses Areal gestiftet. Von dort aus bieten sich außerdem weitere Ausblicke ins Kylltal und seine bewaldeten Hänge. Zum Ausruhen bietet sich für Besucher das „Café Palladio“ gleich nebenan in der Schlosskapelle an. Der ehemalige Sakralbau bietet mit seinen Tischen zwischen steinernen Heiligenfiguren im Rokoko-Stil ein besonderes Ambiente und bei heißen Temperaturen eine angenehme Kühle.

Der "Eiserner Garten" ist ein Kleinod für Kräuter-Freunde.
Der "Eiserner Garten" ist ein Kleinod für Kräuter-Freunde. FOTO: Martin Recktenwald

Der Volksfreund-Wandertag wird an der Gemeindehalle neben der Kyll beginnen. Sie war früher Teil der Eisenhütte: Metallverarbeitung und Handwerk waren jahrhundertelang das wirtschaftliche Rückgrat Malbergs. Für die Wanderer wird es an der Gemeindehalle Kaffee und selbstgebackenen Kuchen geben. Auf dem Vorplatz wird ein kleiner, regionaler Markt aufgebaut – unter anderem mit Imker-Honig, Kunsthandwerk, Schnaps sowie Steinkrügen mit einem Aufdruck von Schloss Malberg.

Das Anfang des 19. Jahrhunderts vom venezianischen Architekten Matteo Alberti entworfene Hauptgebäude des Schlosses.
Das Anfang des 19. Jahrhunderts vom venezianischen Architekten Matteo Alberti entworfene Hauptgebäude des Schlosses. FOTO: Martin Recktenwald

Von der Halle aus lassen sich die fünf geführten Wanderrouten mit Längen von 3,3 bis 20 Kilometern beginnen. Begrüßt werden die Besucher mit Böllerschüssen vom Tell-Platz am gegenüberliegenden Kyll-Ufer. Dort wurden in den 1920er Jahren auf Betreiben des damaligen Dorfpfarrers regelmäßig Wilhelm-Tell-Festspiele veranstaltet, die ein großes Publikum lockten. Normalerweise knallen die Böllerschützen, beispielsweise zur Kirmes, allerdings bevorzugt vor der großen Eiche oberhalb des Friedhofs.

Das vom Förderverein Schloss Malberg gestifttete eiserne Tor, passend zum Namen "Eiserner Garten".
Das vom Förderverein Schloss Malberg gestifttete eiserne Tor, passend zum Namen "Eiserner Garten". FOTO: Martin Recktenwald

„Im Mai spielt dort auch der Musikverein. Der Klangt trägt dann durchs ganze Tal“, erzählt Kappes. Das Naturdenkmal Dorfeiche ist zusätzlich ein besonders eindrucksvoller Aussichtspunkt – ein kleiner Fußmarsch vom Schloss aus oder ein kurzer Stopp für Autofahrer aus Richtung der Autobahnabfahrt Bitburg lohnt hier auf jeden Fall.

Vom "Eisnernen Garten" bieten sich Blicke in Kylltal.
Vom "Eisnernen Garten" bieten sich Blicke in Kylltal. FOTO: Martin Recktenwald

Weitere Bilder im Internet unter www.volksfreund.de