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Wirtschaft
Wie der Online-Handel Zentren verändert

Online-Einkauf oder Shopping in der Heimat? Die Kunden entscheiden mit, wie die Innestädte in Zukunft aussehen.
Online-Einkauf oder Shopping in der Heimat? Die Kunden entscheiden mit, wie die Innestädte in Zukunft aussehen.
Trier/Wittlich/Bitburg . Shops im Internet stellen Geschäftsinhaber und Gewerbevereine in der Region vor neue Herausforderungen. Wie werden Trier, Wittlich, Bitburg oder auch Daun 2030 aussehen? Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Gelbe Postautos schlängeln sich durch die Orte, halten in regelmäßigen Abständen und liefern Waren ab. An immer mehr Haustüren machen die Zusteller Halt, denn Online-Shops erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Das schlägt sich auch in Statistiken nieder. Mit 178 Milliarden Euro Umsatz weltweit belegt Amazon inzwischen Platz zwei unter den Handelsunternehmen. Vor allem Mode- und Freizeitartikel sowie Elektronik und Unterhaltungsmedien werden im Netz nachgefragt. Das wirkt sich auf die Innenstädte aus.

Buchhändler wie Georg Stephanus, Beisitzer der City Initiative Trier, waren die ersten, die sich auf die digitale Konkurrenz einstellen mussten. Denn der Riese Amazon eroberte den Markt zunächst mit Büchern. „Gefälschte Ware spielt in dem Bereich keine Rolle und Bücher sehen immer gleich aus. Insofern trauten sich die Leute, den Online-Handel auszuprobieren.“ Das habe die Geschäftsinhaber vor Ort direkt getroffen. Inzwischen gehen nicht mehr nur Bücher, Tonträger oder Filme über die virtuelle Ladentheke. Mit riesigen Sortimenten, billigen Preisen und individuellen Vorschlägen locken Internet-Shops die Konsumenten. „Sie haben das nicht? Dann bestelle ich es eben online“, ist ein Satz, den Händler laut Stephanus häufiger hören müssen.

Auch das Thema Preis spielt eine große Rolle. Während Geschäfte in der Stadt oft hohe Mietpreise zahlen müssen und Verkäufer beschäftigen, die Kunden individuell beraten, können reine Online-Händler hier sparen.  Das bekommen auch die Wittlicher Geschäftsleute zu spüren. „Die Automobil- und Textilbranche ächzt natürlich unter der Netzkonkurrenz und unter der dadurch entstandenen Preisnachfrage“, sagt Karsten Mathar vom Stadtmarketing. Doch inzwischen seien verschiedene Einzelhändler auf den Zug aufgesprungen und bieten ihre Waren nicht nur in der Wittlicher Fußgängerzone sondern ebenfalls im Netz an.

Heike Simon-Becker vom Modegeschäft Mia in Bitburg hat sich ein zweites „Mini-Standbein“ aufgebaut und macht inzwischen gut zehn Prozent ihres Umsatzes online. Über eine Handelsplattform vertreibt sie Kleidung und Schuhe. „Es war viel Arbeit und ich habe tausende Forumulare ausgefüllt, bis ich die Waren auch online anbieten konnte“, sagt die Gewerbetreibende. „Aber man muss mitziehen.“ Häufig geht Simon-Becker zur Post und gibt Pakete ab. In der Filiale stapeln sich häufig die Kartons bis zur Decke. „Wenn viel bestellt wird und die Post zu jedem nach Hause kommt, hat das natürlich umwelttechnische Konsequenzen.“ Der Geschäftsinhaberin ist es daher wichtig, den Handel in den Innenstädten zu erhalten.

Dass sich diese angesichts des Online-Handels radikal verändern werden, ist sich Stephanus sicher. Der Buchhändler bemerkt schon jetzt Frequenzrückgänge: „Manche Leute kommen gar nicht mehr in die Stadt oder wesentlich seltener.“ Nicht nur die Großstadt Trier, sondern auch kleinere Zentren wie Daun kennen das Problem, wie der Gewerbe- und Verkehrsverein der Vulkaneifel-Stadt mitteilt.

Während manche Kunden seltener oder gar nicht mehr in der Stadt shoppen gehen, schauen sich andere zwar das Angebot vor Ort an, kaufen dann aber im Netz. Jan aus Trier ist ein Beispiel. Der Student probiert neue Schuhe gerne in Fachgeschäften an, um sicher zu sein, dass die Größe passt. „Ich habe keine Lust im Netz drei Mal das gleiche Paar zu ordern und dann zwei zurückzuschicken“, sagt er. Wenn ihm ein Modell gefällt und gut sitzt, merkt er sich Marke sowie Bezeichnung und durchkämmt das Netz. „Ich habe nicht so viel Geld und kann so ordentlich sparen.“ Die Folge: Weniger Gewinn landet im stationären Handel.  Und das kann Geschäftsleute sogar zur Aufgabe ihres Ladens zwingen. Wer die Netz-Konkurrenz zu spüren bekommt, aber weitermachen möchte, passt häufig sein Sortiment an. „Einzelne Händler haben ihre Produktpalette geändert oder sich von Teilen ihres bisherigen Warenangebots getrennt“, sagt Mathar vom Wittlicher Stadt-Marketing. Dadurch hätten sich die Anbieter wieder mit Erfolg auf das Kerngeschäft konzentrieren können.

Für die Zukunft der Innenstädte sieht der Geschäftsführer der Trierer Stephanus-Buchhandlung zwei Möglichkeiten. „Entweder die Innenstadt verödet oder man schafft die Kehrtwende.“ Doch wie wollen er und seine Kollegen das anstellen? „Man muss attraktiv als sozialer Ort sein und Verweilatmosphäre bieten.“ Im Internet fänden die Menschen zwar Waren, aber keine sozialen Kontakte. Damit ein Laden aber zum Verweilen einlädt, müssen Geschäftsleute Kosten und Zeit investieren. „Solange viele Kunden in der „Geiz-ist-geil“-Stimmung sind, ist das schwer.“ Denn höherer Einsatz schlägt sich zwangsläufig in den Preisen nieder. „Letztendlich entscheidet der Kunde, ob er einen möglichst günstigen Preis für seine Ware bezahlen möchte oder ob er bereit ist, zwei bis drei Euro mehr zu zahlen, um den Kundenservice vor Ort zu genießen und letztendlich die Innenstadt in seiner Funktion als Kaufstadt zu erhalten“, meint Mathar. Lilian aus Schweich hat sich für den lokalen Handel entschieden. „Ich wollte ein Parfum kaufen, das sehr teuer ist und habe es im Laden getestet.“ Später habe die junge Frau das Produkt günstiger im Internet gefunden und sich trotzdem dagegen entschieden. „Ich hatte Angst, dass es gefälscht ist. Außerdem möchte ich lieber die Parfümerie hier unterstützen. Die Beratung war schließlich gut.“

Waren im Netz sind nicht zwangsläufig billiger. „Ich habe schon häufig Preise verglichen“, sagt Simon-Becker. Manchmal seien die Produkte im Geschäft sogar günstiger. Wie viele Geschäftsleute hofft sie, dass bei den Kunden ein Umdenken stattfindet. „Vielleicht kommt ein Umschwung und die Kunden wissen den Service vor Ort wieder mehr zu schätzen.“