| 17:36 Uhr

Energie
Sonne soll klamme Gemeinden im Bitburger Land neu erstrahlen lassen

Eine neue Idee ist es nicht, an der A 60 Solarmodule aufzustellen. Das zeigt nicht nur dieses Beispiel bei Fließem. Allerdings ist das Projekt, das fünf Gemeinden planen, bisher einzigartig in der VG Bitburger Land.
Eine neue Idee ist es nicht, an der A 60 Solarmodule aufzustellen. Das zeigt nicht nur dieses Beispiel bei Fließem. Allerdings ist das Projekt, das fünf Gemeinden planen, bisher einzigartig in der VG Bitburger Land.
Badem/Gindorf/Gransdorf. Wer soll eigentlich Geld mit erneuerbaren Energien verdienen? Etwa nur bundesweit agierende Investoren? Nein, findet die Verbandsgemeinde Bitburger Land. Sie hat ein Millionenprojekt aufgelegt, bei dem auch Kommunen profitieren. Von Ulrike Löhnertz
Ulrike Löhnertz

So etwas hat es im Bitburger Land noch nicht gegeben“, sagt Wolfgang Klaas von der VG-Verwaltung und breitet einen Plan auf dem Tisch aus. Darauf zu sehen sind die A 60 und fünf farbige Flächen entlang der Straße. Nein, es geht nicht um geplante Mitfahrerparkplätze, sondern um ein Projekt, mit man Geld mithilfe der Sonne verdienen kann: um Photovoltaikanlagen.

Die Tatsache, wer „man“ ist, ist jedoch das Besondere an dem Projekt. Denn von dem Geld, das man für die ins Netz eingespeiste Energie bekommt, sollen nicht nur die Investoren profitieren, sondern auch fünf Gemeinden. Weshalb die VG Bitburger Land dieses Modell entwickelt hat. Denn bei den bisher üblichen Projekten streichen vor allem die Investoren Geld ein. Für die Gemeinden dagegen gibt es nur „Brosamen“, nämlich nur das Geld aus der Nutzung gemeindlicher Wege. Viel zu wenig, findet Klaas.

Deshalb entwickelten er und seine Kollegen zusammen mit den Gemeinden und drei Investoren das Konzept einer Betreibergesellschaft, in der sich die Orte  Badem, Gindorf, Gransdorf, Orsfeld und Wilsecker zusammentun.  Wer diese Investoren sind, will Klaas noch nicht sagen, aber es seien regionale Unternehmen. Was wichtig sei, denn es gehe darum, auf beiden Seiten, der gemeindlichen und der finanzgebenden, eine „regionale Wertschöpfung“ zu schaffen.

Dieses Bündnis wird den größten Teil der Flächen an der A 60, die insgesamt etwa 42 Hektar groß sind, von Privateigentümern pachten. Ein kleiner Teil ist bereits in Gemeindebesitz. Da der Vertrag der „Sonnen-Interessengemeinschaft“ noch nicht unter Dach und Fach ist, gibt es Vorverträge mit den Eigentümern.

Ob allerdings auf dem gesamten Gebiet später Module stehen werden, ist noch nicht ganz klar. Denn bei den 42 Hektar handelt es sich um einen „Suchraum“. Gibt es Hinderungsgründe wie zum Beispiel den Naturschutz, können auch Gebiete ausgeschlossen werden. Klaas geht daher von einer endgültigen Fläche von rund 35 Hektar aus. 

Der Betreibervertrag soll übrigens demnächst unter Dach und Fach sein.  Im Oktober gibt es einen weiteren Termin mit dem Gemeinde- Städtebund, der den Aufbau der Gesellschaft juristisch begleitet und die Vereinbarung mitentwickelt hat. Klaas ist zuversichtlich, dass diese Mitte Oktober unterschrieben werden kann.

Nachdem die Planung abgeschlossen ist – das Geld dafür finanzieren die Investoren für die Gemeinden vor –  wird gebaut. Wenn alles wie vorgesehen läuft, soll die Anlage jährlich mehr als 20 Megawatt Strom  ins Netz speisen, damit den  Verbrauch von etwa 5000 Haushalten abdecken und ganz nebenbei jährlich mehrere tausend Euro  in die Kassen der Gemeinden spülen. Die wiederum zahlen mit dem eingenommenen Geld aus der Sonnenenergie sukzessive die Planungskosten an die Investoren zurück.

Und wann geht`s los? „Ich gehe davon aus, dass im nächsten Jahr die ersten Module gebaut werden können“, sagt Klaas. „Der Rest wird dann peu a peu gemacht.“ Wie sich der Park entwickele, hänge auch von der Marktentwicklung ab.

Ein bisschen früher vom Sonnengeld profitieren kann die Gemeinde Neidenbach. Denn im Ortsteil  Erntehof wird das gleiche Modell im Kleinformat umgesetzt, und zwar auf dem ehemaligen US-Militärgelände, wo sich früher die Raketenstation befand.

Dort sollen drei Hektar Fläche für  Solarmodule genutzt werden und später 1,5 Megawatt Strom produzieren. Der Ausweisung als Sondergebiet Photovoltaik im Flächennutzungsplan hat der Verbandsgemeinderat Bitburger Land kürzlich zugestimmt, das Bebauungsplanverfahren läuft im Herbst. Noch dieses Jahr, so Klaas, sollen die Fläche dann für Solarmodule genutzt werden. Fehlt nur noch die Sonne.