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Sorgt verlässlich für Arbeit und Ärger

Die nächste Ankündigung: Der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Stahl wird teurer. TV-Foto: Uwe Hentschel
Die nächste Ankündigung: Der Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Stahl wird teurer. TV-Foto: Uwe Hentschel FOTO: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"
BITBURG. Für die erneut gestiegenen Baukosten beim Umbau des Dorfgemeinschaftshauses in Stahl fehlt vielen Mitgliedern des Stadtrats das Verständnis. Zumal keiner weiß, was noch alles kommt. Uwe Hentschel

BITBURG Es gibt Tagesordnungspunkte, die Bürgermeister Joachim Kandels mit Freude ankündigt. Dieser jedoch gehört nicht dazu. Es geht um das Dorfgemeinschaftshaus in Stahl. Der dort derzeit laufende Umbau wird erneut teurer als erwartet. Womit sich auch diejenigen bestätigt sehen, die von Anfang dagegen waren, es so zu machen, wie es jetzt läuft. Denn es läuft schlecht. "Ich muss zugeben, ich hätte es mir gerne erspart, Ihnen heute eine solche Vorlage vorzulegen", sagt Kandels, für den all das "sehr unbefriedigend" ist.

Es geht um Überschreitungen der Baukosten und dabei um eine Summe von etwas mehr als 82 000 Euro. Davon entfallen 58 000 Euro auf Leistungen, die von den Handwerksbetrieben bereits erbracht wurden, und die restlichen 24 000 Euro auf noch ausstehende Maßnahmen. Dafür benötigt die Verwaltung die Zustimmung des Stadtrats. Und der tut sich mit dieser Zustimmung sehr schwer. Immerhin überschreitet das Projekt damit die Eine-Million-Euro-Grenze - was an sich noch nicht ganz so tragisch wäre, gäbe es dazu nicht eine Vorgeschichte (siehe Info). Daran erinnert auch Winfried Pütz von der Liste Streit.

"Als die Verwaltung das Projekt an sich herangezogen hat, war von 690 000 Euro plus Kostensteigerung die Rede, und jetzt landen wir wahrscheinlich bei dem Doppelten", sagt Pütz und stellt klar: "Wir werden dem nicht zustimmen, weil wir es auch nicht zu verantworten haben." Auch Jürgen Weiler (CDU) hat für diese erneute Kostenüberschreitung wenig Verständnis. So habe beispielsweise der Dachdeckerbetrieb die doppelte Leistung erbracht und auch in Rechnung gestellt (42 000 statt 19 000 Euro), ohne für diese Mehrarbeiten einen richtigen Auftrag bekommen zu haben, kritisiert Weiler, der selbst Bauunternehmer ist. "Dass diese ganzen Mehrkosten erst zum Schluss auflaufen, ohne dass wir vorher eine Meldung bekommen, ist für mich nicht nachvollziehbar", sagt der CDU-Mann.

Peter Berger (Die Grünen) wundert sich darüber, dass zu den noch zu vergebenden Aufträgen auch die Lieferung eines Gastanks gehört, obwohl doch die Heizungsanlage schon erneuert worden sei. Rudolf Rinnen (Liste Streit) möchte wissen, ob das Dach jetzt wenigstens so saniert worden sei, dass man damit die kommenden Jahre auch Ruhe habe. Ob dem so ist, kann Bertold Steffes, Leiter des städtischen Bauamts, nicht beantworten. "Vernünftiger wäre es gewesen, das Dach komplett zu erneuern", sagt Steffes, der, wie er sagt, mit diesen Mehrkosten ebenso wenig gerechnet habe wie der Rat.

Das Problem sei, dass der dafür zuständige und nicht mehr bei der Stadt beschäftigte Architekt eigenmächtig gehandelt habe und man derzeit noch damit beschäftigt sei, die Vorgänge zu rekonstruieren. Letztendlich aber seien die Mehrleistungen, die nun in Rechnung gestellt würden, erbracht worden, so Steffes. Weshalb man die Betriebe auch bezahlen müsse. Das sieht Sigrid Steffen (SPD) ähnlich. Sollte der Stadtrat die Auszahlung verweigern, so träfe das die Handwerker, sagt sie. Dem schließt sich Manfred Böttel (FBL) an. Er sieht die Stadt in der Pflicht, die Rechnungen zu bezahlen.

Und so beschließt der Rat mit 18 Ja- und sechs Nein-Stimmen, weitere 58 000 Euro bereitzustellen, um (nach Überprüfung der Rechnungen) die Auftragsüberschreitungen abzudecken. Finanziert werden sollen diese Ausgaben über das Budget, das für den Ausbau der Verbindungsstraße zwischen Oberweiser Straße und Steinebrück vorgesehen war. Dafür waren 150 000 Euro eingeplant. Bleibt also noch ein wenig Luft für weitere Überraschungen beim Dorfgemeinschaftshaus.KommentarMeinung

So geht's nicht!
Das anze Gemenge beim Dorfgemeinschaftshaus Stahl verschlägt einem die Sprache. Was sich da seit Jahren abspielt, hat längst das Potenzial zum Skandal. Immerhin läuft hier nicht irgendein privates Bauprojekt völlig aus dem Ruder, sondern das der Stadt, das mit dem Geld der Bürger finanziert wird. Dass der Architekt der Verwaltung, der 2014 mit seiner 700 000-Euro-Illusion das Ruder an sich riss, nicht mehr im Rathaus arbeitet, passt ins Bild. Jetzt kostet es also eine gute Million Euro - 300 000 Euro mehr, als beschlossen. Das kann nicht sein! Hier ist die Verwaltung den Bürgern eine lückenlose Aufklärung schuldig. Immerhin war die Verwaltung für Planung und Ausführung verantwortlich. d.schommer@volksfreund.deExtra: DIE GÜNSTIGE VARIANTE WIRD AM ENDE TEURER


Erste Überlegungen zum Umbau des Dorfgemeinschaftshauses gibt es bereits zur Jahrtausendwende. Um die Idee voranzutreiben, entwirft Architekt Manfred Weber einen ersten Plan, der die Erweiterung der alten Schule um einen großen Saal vorsieht. Die dafür veranschlagten 900 000 Euro sorgen in den städtischen Gremien für Diskussionen, weswegen Ortsbeirat und Planer die Kosten auf maximal 700 000 Euro deckeln. 2014 kommt es zu einem Kompromiss, der eine Verkleinerung des Anbaus vorsieht und von allen Gremien auch so abgesegnet wird. Nach kurzer Zeit zeichnet sich ab, das die vereinbarten 690 000 Euro (plus Kostensteigerung) nicht zu halten sind. Inzwischen liegt die Bausumme bei rund 1,03 Millionen Euro.