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Klima
Kein Wetterfrosch …

Gertrud Puzicha erfasst seit 25 Jahren als Wetterbeobachterin das Wetter im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes.
Gertrud Puzicha erfasst seit 25 Jahren als Wetterbeobachterin das Wetter im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes. FOTO: TV / Stefanie Glandien
Spangdahlem. … sondern eine Wetterfee ist Gertrud Puzicha. Die 75-Jährige beobachtet seit 25 Jahren ehrenamtlich die klimatischen Verhältnisse für den Deutschen Wetterdienst. Von Stefanie Glandien
Stefanie Glandien

Die Messstelle, die im Garten von Gertrud Puzicha steht,  sieht eigentlich eher aus wie ein großer, silberner Standaschenbecher. Ist aber natürlich nicht dafür gedacht. Seit 25 Jahren erfasst die 75-Jährige damit die Niederschlagsmenge jeden Morgen. Tag für Tag. „Ich stehe um 7 Uhr auf und fühle mit der Hand über den Rasen, ob es Tau gegeben hat“, sagt sie. Falls es in der Nacht geregnet hat, nimmt sie eine kleine Kanne aus dem Messgerät und schüttet den Inhalt in einen Messbecher und notiert die Wassermenge in ein kleines Büchlein.

Wichtig ist dem Deutschen Wetterdienst auch zu erfahren, ob es geregnet, gehagelt oder geschneit hat und wie der Bodenzustand ist. So notiert sie eine Null, wenn der Boden so ist wie im Moment – nämlich trocken, eine Eins nach einem gutem Regen und Eine zwei, wenn sich auf dem Boden Pfützen bilden.

Außerdem schreibt Gertrud Puzicha auf, ob es morgens Nebel oder ein Gewitter gab. Ende des Monats werden alle Daten auf ein Blatt übertragen und an den Deutschen Wetterdienst nach Offenbach geschickt.

„Geerbt“ hat sie den Job, den sie ehrenamtlich für eine kleine Aufwandsentschädigung ausübt, von ihrer Tante. „Zunächst hat mein Onkel das mehr als 40 Jahre lang gemacht. Dann hat meine Tante es fortgeführt und vor 25 Jahren habe ich das übernommen“, erzählt sie. Wenn sie mal in Urlaub fährt, springt so lange ihre Tochter ein.

Im Durchschnitt fallen in Spangdahlem  60 bis 65 Liter Regen pro Quadratmeter im Monat. Doch in diesem Jahr sei alles anders und schon sehr außergewöhnlich gewesen, sagt sie.

 Jeder Eifeler erinnert sich wohl noch an die schlimmen Unwettertage. „Im Juni sind 156 Liter auf den Quadratmeter gefallen.“ Und das meiste davon am 11., 12. und 13. Juni. „Und seitdem gab es praktisch keinen Regen mehr“, hat sie beobachtet.

Eine so große Trockenheit, wie sie im Moment herrscht, habe sie noch nie erlebt in den vergangenen 25 Jahren. So war zwar der Sommer 2003 auch sehr heiß, aber es sei zwischendurch auch mal Regen gefallen. Jedenfalls hat sie längst aufgehört, ihr Hochbeet zu gießen, „das war mir zu viel Wasserschlepperei.“

Jemand, der so viel mit dem Wetter zu tun hat, weiß doch bestimmt, wie der Winter in diesem Jahr wird, oder? Doch da möchte die Spangdahlemer Wetterfee keine Prognose wagen. „Keine Ahnung.“  Und die Bauernregeln, stimmen die denn immer? „Manchmal ja, manchmal nein“, sagt sie. Aha. Also ist darauf auch kein wirklicher Verlass.

Da hört man besser auf die Profis. Deswegen guckt Gertrud Puzicha jeden Abend auch die Tagesschau und den Wetterbericht. „Im Großen und Ganzen liegen die richtig“, hat sie festgestellt.

Mit ihrer Wetterbeobachtung ist wahrscheinlich bald Schluss. Der Deutsche Wetterdienst möchte gerne, dass die Daten demnächst online durchgegeben werden. Doch dann würde Gertrud Puzicha aussteigen.

Für ihren bisherigen langen Einsatz hat sie zum Dank die Wetterdienstplakette erhalten. Und eine Idee für den Fortbestand der Wetterbeobachtung in Spangdahlem hat sie auch schon: „Vielleicht frage ich mal beim Kindergarten nach, ob die das nicht übernehmen möchten.“

Gertrud Puzicha erfasst seit 25 Jahren als Wetterbeobachterin das Wetter im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes. Foto: Stefanie Glandien
Gertrud Puzicha erfasst seit 25 Jahren als Wetterbeobachterin das Wetter im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes. Foto: Stefanie Glandien FOTO: TV / Stefanie Glandien