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Brauchtum
Spaziergang durch die Welt

Die Groupe Folklore de Seebach ist aus dem Elsass angereist. Die Männer tragen Kappen aus Iltisfell auf ihren Köpfen.
Die Groupe Folklore de Seebach ist aus dem Elsass angereist. Die Männer tragen Kappen aus Iltisfell auf ihren Köpfen. FOTO: Klaus Kimmling
Bitburg. Von Frankreich nach Georgien sind es nur ein paar Schritte – zumindest beim Europäischen Folklore-Festival. Am Sonntag haben sich Tausende im Bitburger Zentrum versammelt, um die Gruppen aus 16 verschiedenen Ländern zu feiern. So unterschiedlich Tänze und Musik der einzelnen Nationen sind – eins haben alle Teilnehmer gemeinsam. Von Nathalie Hartl
Nathalie Hartl

Wer eine Weltreise machen will, braucht normalerweise viel Zeit, viel Geld und viel Abenteuerlust. In Bitburg konnten die Gäste des Folklore-Festivals am Sonntag nach Argentinien oder Portugal fahren, ohne sich dafür Urlaub nehmen zu müssen oder das Portemonnaie zu plündern. Der TV stellt einige der Stationen vor.

Deutschland Die Reise beginnt in der Heimat. Und die ist bei den Gästen vor allem für eins bekannt: den alkoholischen Hopfentrunk. Der wird bei der Eröffnung der Bühne am Festplatz Grüner See gegenüber der Stadthalle entsprechend gewürdigt. Beim Biertanz der Bitburger Folkloretanzgruppe dreht sich alles um den Krug – wortwörtlich. Danach wird es ernst: Der Fassanstich liefert den Startschuss für den Freibier-Ausschank, der schon vor der Mittagszeit viele Besucher an die Römermauer gelockt hat. Von den ausländischen Gästen wird das Programm zum Warmwerden gelobt: „Die Stadt gefällt mir und vor allem das Bier ist gut“, sagt Anna Dzaxashvili aus der georgischen Hauptstadt Tiflis.

Georgien In dem Land, das zwischen Kaukasus, Kaspischem und Schwarzem Meer liegt, gibt es zwar Bier, aber keinen Biertanz. Stattdessen springen die Kinder des Ensembles Dance Kalanda aus Tiflis auf die Knie, um in der nächsten Sekunde einen Luftsprung zu machen. Die Jungen tragen schwarze Trachten, die Mädchen ausladende Röcke. Osteuropäische und orientalische Einflüsse mischen sich in der Musik, die aus den Lautsprechern dringt. Viele Besucher beobachten gebannt die Hebefiguren, die mehr Artistik als Tanz sind.

Portugal Auf dem Boden bleiben die Portugiesen der Folkloregruppe O Cancioneiro Do Alto Minho. Mit ihren Kastagnetten klappern sie, während sie sich über die Konrad-Adenauer-Anlage drehen. Den Brunnenbereich auf dem Platz integrieren sie in ihren Auftritt und reinigen im Wasser weiße Laken, die sie beim Hin- und Herwiegen auswringen. Dutzende Zuschauer bannen das musikalische Wäschewaschen auf Fotos. Der Platz ist gut gefüllt.

Belgien Mit Trommeln statt Kastagnetten gibt die Drumband Kettenis den Rhythmus vor. Die militärische Marschmusik sei eigentlich untypisch für Belgien, verrät Miguel Bielders. „Wir sind Exoten im eigenen Land.“ In den Niederlanden sei die Musik, die sie machen, bekannter. In Bitburg ist die Gruppe zum ersten Mal. Das Urteil fällt positiv aus: „Es ist sehr schön hier.“

Argentinien Auch den Tango-Tänzern aus Argentinien gefällt es in der Eifel. Sie hatten mit Abstand die weiteste Anreise und sind die einzige Gruppe von einem anderen Kontinent. Ihr Beitrag unterscheidet sich von den meisten europäischen. Wie Raubkatzen schleichen sie über die Bühne. „Das Leidenschaftliche und Mysteriöse reizt mich an dem Tanz“, sagt Julia Vezzulla, die zu Gitarren- und Ziehharmonikaklängen über die verschiedenen Bühnen in der Bitburger Innenstadt schwebt. Hans-Josef Plein gefällt der Auftritt der Tango-Tänzer. Er hätte nicht gedacht, dass ihn das neue Konzept des Fests, das in diesem Jahr ohne Festzelt auskommt, überzeugt. „Die Stimmung hier ist einfach gut“.

Frankreich Aus dem Elsass ist die „Groupe Folklore de Seebach“ angereist. Deutlich sind die energiegeladenen Rufe der Männer schon von weitem zu hören. Wer sich den wirbelnden Paaren nähert, kann die kunstvollen Trachten anschauen, die einiges über den Träger erzählen. Ob eine Frau zum Beispiel noch zu haben ist oder bereits verheiratet ist. Sabrina Westermeyer, die in der Truppe tanzt, schätzt vor allem das „Wir-Gefühl“ und die Gruppendynamik. „Ich finde es toll, dass hier Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenkommen.“

Fazit der kleinen Weltreise Auch wenn einigen Gästen und Akteuren die Zeltstimmung fehlt und sich nicht alle mit der Stadthalle anfreunden können, sind die meisten Reaktionen auf das Festival positiv. „Die Organisation ist besser als im Vorjahr und es gibt weniger Rennerei“, sagt Philipp Verkoyen von der Bitburger Folklore-Tanzgruppe. „Wir treffen hier immer viele Leute und knüpfen Kontakte“, sagt Klaus Fischer von den Götz Buam aus Jagsthausen. Die Liebe zur Tradition und Folklore vereint die Künstler. Und aus der Gemeinsamkeit sind schon viele Freundschaften gewachsen.

Musikalisches Wäschewaschen: Portugiesische Tänzerinnen führen ein Schauspiel in der Konrad-Adenauer-Anlage auf.
Musikalisches Wäschewaschen: Portugiesische Tänzerinnen führen ein Schauspiel in der Konrad-Adenauer-Anlage auf. FOTO: TV / Nathalie Hartl
Die Georgien steigen beim Tanzen hoch hinauf.
Die Georgien steigen beim Tanzen hoch hinauf. FOTO: TV / Nathalie Hartl