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Spontan und rostfrei

Rocken die Bühne: Da Blechhauf'n. TV-Fotos (2): Wilma Werle
Rocken die Bühne: Da Blechhauf'n. TV-Fotos (2): Wilma Werle FOTO: (e_bit )
Rittersdorf. Es war der Höhepunkt der Musiktage Rittersdorf im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz: der Auftritt der österreichischen Brass Band Da Blechhaufen. Mehr als 250 Zuhörer feierten am Sonntagabend die Musiker mit großem Applaus und Alpen-Jauchzern. Wilma Werle

Rittersdorf. Wer erwartet hatte, dass der Blechhaufen mit klassischer Brass Musik, Jazz und Swing um die Ecke kommt, lag am Wochenende im romantischen Innenhof von Burg Rittersdorf falsch. Wer erwartet hatte, dass Blasmusik gleichbedeutend mit volkstümlicher, oftmals abwertend titulierter Dicke-Backen-Musik ist, lag ebenfalls falsch. Für die sieben Profimusiker vom Blechhaufen aus Österreich gibt es keine Schublade. Alles, was blasbar ist, gehört auf die Bühne. Und so vermischen sich Jazz, Tango, Volks- und Filmmusik, Polka und Märsche zu einer runden Geschichte mit dem Namen "Burning lips".
Das Publikum lässt sich mit hineinziehen in die Welt der Blasmusik-Mafia, klatscht im Rhythmus, wippt mit den Füßen, bejubelt souveräne Soloeinlagen und dekoriert alpenmusikalische Klänge mit Jodel-Jauchzern. Der Blechhaufen liefert keinen Schrott, sondern hochprofessionelle Musik, gepaart mit Komik, Schauspiel, Tanz und Gesangseinlagen.Dann wird zusammengerückt


Im Vorfeld hatte Reinhold Bieber im Gespräch mit dem TV gesagt: "95 Prozent der Show sind einstudiert, 5 Prozent spontan." Dass es auch mehr sein kann, beweisen die Vollblutmusiker, als sich plötzlich der Himmel über Rittersdorf öffnet und ein ordentlicher Schauer hernieder kommt. Spontan laden sie die Zuhörer ein, hinauf auf die überdachte Bühne zu kommen. Auf Tuchfühlung mit dem begeisterten Publikum ziehen sie ihr Programm weiter durch.
Zur Pause, der Regen hat aufgehört, zeigen sich alle begeistert. Andreas Bach aus Bleialf hat den Blechhaufen erst am Wochenende zuvor beim Woodstock der Blasmusik im Innkreis in Österreich live erlebt. "Hier ist es kleiner und gemütlicher. Der Regen hilft, dass die Leute zusammenrücken", begeistert er sich. "Die letzten Prozent kann man nie beeinflussen", meint Joachim Schneider, selbst Dirigent und Chorleiter: "Das sind Musiker, die wissen, wie das ist." Viele Musiker aus befreundeten Musikvereinen des Veranstalters MV Rittersdorf sind unter den Besuchern - und staunen über die hohe Professionalität. "Das wäre cool, wenn man das könnte", staunt Lena Heiles aus Arzfeld.
Nach der Pause macht sich der Blechhaufen auf den Weg in die USA. Traurig und betrunken inszenieren sie "La Paloma", aus dem Helikon ertönt das Schiffshorn, "Titanic"-Musik kündet Unheil, letztlich kommen alle heil an. Als das Heimweh sie packt, finden sie Trost in der einzig steirischen Schnapsbar "Zur brennenden Lippe" - daher der Titel. Zum Ende klettert Reinhold Bieber grazil, athletisch und vor allem sehr humorig zwischen gespannten Gummibändern hindurch, um auch die letzten Laserstrahlen überwinden und endlich den gesuchten Safe knacken zu können.
Nicht enden wollender Applaus vom Publikum, Komplimente aus der Politik von Verbandsbürgermeister Josef Junk und Landtagsmitglied Nico Steinbach an die Veranstalter, und ein Lob der Musiker an das Rittersdorfer Publikum: "Hier ist ein super Ambiente, die Leute sind eng beisammen, und es gibt viele Blasmusikfans. Die sind richtig mitgegangen. Ganz toll."

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Den Rittersdorfern gefällt's.
Den Rittersdorfern gefällt's. FOTO: (e_bit )