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Umwelt
Streit um Schutt in der Eifel

Klein aber oho? Die Bauschuttanlage hat in Eisennach schon jede Menge Staub aufgewirbelt - und das noch, bevor sie in Betrieb genommen wurde.
Klein aber oho? Die Bauschuttanlage hat in Eisennach schon jede Menge Staub aufgewirbelt - und das noch, bevor sie in Betrieb genommen wurde. FOTO: Erich Mossal / TV
Eisenach. Seit fast einem Jahr gibt es Diskussionen über eine geplante Bauschuttanlage in Eisenach. Heute fällt der Ortsgemeinderat die Entscheidung über das Projekt. Und es sieht danach aus, als würde die Maschine genehmigt. Von Christian Altmayer
Christian Altmayer

Zwischen den Containern und Maschinen im Steinbruch fällt sie kaum auf. Die neue Bauschuttanlage ist nicht besonders groß. Sie kann als Anhänger von einem Sattelschlepper gezogen werden. Vor einigen Wochen hat die Trierer Baufirma Schnorpfeil sie auf das Gelände  in Eisenach gebracht. Doch schon bevor das unscheinbare Gerät dort stand, hat es für Ärger in dem Südeifeler Dorf gesorgt. Das liegt an der Geschichte des Steinbruchs.

Viele Eisenacher haben die Zeiten nicht vergessen, als das Unternehmen Schnorpfeil hier noch gesprengt hat und die Erde bebte. Als das Geschirr in den Vitrinen klapperte und Lastwagen den Menninger Weg auf und ab fuhren. Als der Staub sich auf die Fensterscheiben legte, in die Nischen der Häuser kroch.

Erich Mossal hat all das nicht miterlebt. Er glaubt aber seinem Nachbarn Edelhard Hentschel, wenn der von diesen Zeiten erzählt. Und das erklärt vielleicht, warum der Mann sich gegen die neue Bauschuttanlage engagiert, die die Firma Schnorpfeil in Betrieb nehmen will (der TV berichtete).

Das Trierer Unternehmen plant seit mehr als einem Jahr, in Eisenach eine Recyclinganlage für Baustoffe ans Laufen zu bringen. Eine solche Maschine bricht Bordstein, Asphalt und Beton – recycelt sie also – um sie einer neuen Nutzung zuzuführen.

Im Sommer des vergangenen Jahres hatten einige Eisenacher, darunter Mossal,  Flugblätter im Ort verteilt. Sie wollten „das Dorf wachrütteln“, wie er sagt. In dem Flyer sind auch alle Fragen aufgeführt, die die Gegner der Maschine noch heute beschäftigen: Wie groß ist die geplante Anlage und wie viele Tonnen können maximal an einem Tag verarbeitet werden? Wird auch nachts gearbeitet? Wie verhält es sich mit der Lärm- und Staubbelastung?

Geplant ist, dass die Anlage nur ein paar Mal im Jahr, höchstens aber einmal im Monat läuft. Immer dann nämlich, wenn auf den Baustellen des Unternehmens im Umkreis genug Schutt zur Wiederverwertung angefallen ist. Das jedenfalls sagte der Betreiber, Christoph Schnorpfeil, dem TV schon vergangenes Jahr. Der Geschäftsführer der Trierer Firma hatte seine Aussage bei einer Gemeinderatssitzung in Eisenach wiederholt.

Mossal bleibt trotzdem skeptisch: „Das würde sich doch gar nicht lohnen, das Ding nur so selten anzuwerfen.“ Außerdem bringe die Anlage keinen Vorteil fürs Dorf: „Siebringt weder Steuereinnahmen, noch Arbeitsplätze - ganz im Gegenteil nur Schmutz und Lärm.“ Das einzige, was Schnorpfeil den Einwohnern einräume sei ein Nachlass von 20 Prozent auf das geförderte Recyclingmaterial.

Aber nicht nur darum hat der Mann eine Reihe von Einwänden bei der Verbandsgemeinde eingelegt. So sorgt sich Mossal etwa um die Fledermäuse, die im Steinbruch leben und um den Radweg zum Gelände. Auch beunruhigen ihn die Lastwagen, die – so glaubt er – bald wieder durchs Dorf rollen werden. „Die Gemeinde hat gerade erst ein Neubaugebiet vermarktet und planen ein weiteres“, sagt Mossal. Er befürchtet, dass der Verkehr der Attraktivität von Eisenach schaden könnte.

Das sah der Sachbearbeiter der VG offenbar anders. Von Mossals Bedenken zeigten sich die Verantwortlichen jedenfalls  unbeeindruckt. Nun steht nur noch eine Entscheidung dem Betrieb der Anlage im Weg: die Abstimmung des Ortsgemeinderates. Doch auch hier ist zu erwarten, dass sich kaum Widerstand regt. Auf die Frage, ob er mit einem positiven Ergebnis der Abstimmung rechne, sagt Ortsbürgermeister Martin Rau: „Aber natürlich.“